Hab Sonne im Herzen Chaos im Zimmer, Kopfkrieg im Schädel und bald ein Bachelorzeugnis in der Hand.
Alles bestanden, alles verbucht, fest im Master immatrikuliert und da auch schon fast zur Hälfte durch; hätte ich nicht eine Leistung in den Bachelor umbuchen müssen (endlose Dankbarkeit an den Typen, der das, und damit mein weiteres Studium, möglich gemacht hat) und eine andere Mitte März doch nicht abgegeben, würde ich den sogar in mustergültiger Regelstudienzeit packen.
So dauert es eben ein Semester länger, aber das ist ok.
Dauert es aufgrund der umgebuchten Leistung sowieso; dass ich die MitteMärzAbgabe geschmissen habe, ändert daran auch nichts, wenn es auch etwas ungünstig ist, dass der einzige im kommenden Semester dafür angebotene Kurs jetzt anscheinend entfällt. Mit Blick auf das letzte Jahr, seine Kollateralschäden und den Umstand, dass ich wundersamerweise trotzdem einen Abschluss hingekriegt, mir ein regelmäßiges Sportprogramm angewöhnt, weder die Uni, noch meine Existenz hingeschmissen, die Therapie inklusive aller hässlichen Traumakonfrontationen weiter durchgezogen und sporadisch sogar Sozialkontakte gepflegt habe, erschien (und erscheint) es mir legitim, ein bisschen früher in die Ferien zu starten und einen Kurs zu schieben. Auch, wenn es nur um ein Protokoll gegangen wäre und ich genug Notizen hatte.
Irgendwann is' auch mal gut, als Captain des mentalen Äquivalents einer Horde verstörter Waisenkinder, die auf einem Geisterschiff Achterbahn durch einen radioaktiv verseuchten Sumpf im Weltall fahren, habe ich schließlich eine gewisse Verantwortung für das Wohlergehen der Truppe. Schließlich navigieren wir in nahester Zukunft nicht nur durch ein neues Semester, sondern müssen dabei auch die Finanzen sicher stellen, eine Masterarbeit planen, Praktika sammeln, einen Berufseinstieg vorbereiten und nebenher einen potenziellen psychischen Totalausfall wahlweise abdämpfen, aussitzen oder sogar elegant umschiffen.

Hab ich hier mal das Zitat aus einer meiner Bachelorarbeitsquellen zum Theater des Absurden aufgeschrieben? Hätte ich mal machen sollen.
Das Zitat sagt so grob, die Würde des Menschen liege darin, das Schicksal in seiner ganzen Skurrilität und Absurdität annehmen und darüber lachen zu können, und genau das hat sich als nachhaltigste aller Bewältigungs- und Überlebensstrategien erwiesen.
Nicht erst heute, oder gestern, oder letzten Monat, oder im letzten Jahr.
Auch nicht immer schön; keiner sagt, dass lachen, oder überhaupt irgendwas, immer schön oder schmerzfrei wäre, und es klappt auch nicht immer sofort, oder überhaupt.
Muss es auch nicht.


Aber manchmal, da schaue ich mir meine Biografie an, als Gesamtlinie oder in Einzelstationen und denke mir, es gibt zwar keine höhere Macht und keinen tieferen Sinn (muss es auch nicht - ich persönlich finde es ja durchaus befreiend, dass Sinnstiftung allenfalls durch das Selbst erfolgen kann), aber hui, der imaginäre Regisseur beherrscht sein Handwerk oder hat zumindest ein verdammt gutes Drehbuch. Diese Figuren! Diese Handlungslinien! Und vor allem die Plot Twists!
Maximale Emotion bis in den tiefsten Abgrund und zurück, maximale Spannung, maximale Skurrilität. Kannste dir nicht ausdenken, sowas.
Wenn Gott existiert, dann ist er ein Theatermensch und der Zufall sein Dramaturg.







sid, Montag, 5. April 2021, 19:17
Ich werf mal bisserl mit Konfetti : ))


mayhem, Dienstag, 6. April 2021, 14:22
Danke! :)