Montag, 5. April 2021
Hab Sonne im Herzen Chaos im Zimmer, Kopfkrieg im Schädel und bald ein Bachelorzeugnis in der Hand.
Alles bestanden, alles verbucht, fest im Master immatrikuliert und da auch schon fast zur Hälfte durch; hätte ich nicht eine Leistung in den Bachelor umbuchen müssen (endlose Dankbarkeit an den Typen, der das, und damit mein weiteres Studium, möglich gemacht hat) und eine andere Mitte März doch nicht abgegeben, würde ich den sogar in mustergültiger Regelstudienzeit packen.
So dauert es eben ein Semester länger, aber das ist ok.
Dauert es aufgrund der umgebuchten Leistung sowieso; dass ich die MitteMärzAbgabe geschmissen habe, ändert daran auch nichts, wenn es auch etwas ungünstig ist, dass der einzige im kommenden Semester dafür angebotene Kurs jetzt anscheinend entfällt. Mit Blick auf das letzte Jahr, seine Kollateralschäden und den Umstand, dass ich wundersamerweise trotzdem einen Abschluss hingekriegt, mir ein regelmäßiges Sportprogramm angewöhnt, weder die Uni, noch meine Existenz hingeschmissen, die Therapie inklusive aller hässlichen Traumakonfrontationen weiter durchgezogen und sporadisch sogar Sozialkontakte gepflegt habe, erschien (und erscheint) es mir legitim, ein bisschen früher in die Ferien zu starten und einen Kurs zu schieben. Auch, wenn es nur um ein Protokoll gegangen wäre und ich genug Notizen hatte.
Irgendwann is' auch mal gut, als Captain des mentalen Äquivalents einer Horde verstörter Waisenkinder, die auf einem Geisterschiff Achterbahn durch einen radioaktiv verseuchten Sumpf im Weltall fahren, habe ich schließlich eine gewisse Verantwortung für das Wohlergehen der Truppe. Schließlich navigieren wir in nahester Zukunft nicht nur durch ein neues Semester, sondern müssen dabei auch die Finanzen sicher stellen, eine Masterarbeit planen, Praktika sammeln, einen Berufseinstieg vorbereiten und nebenher einen potenziellen psychischen Totalausfall wahlweise abdämpfen, aussitzen oder sogar elegant umschiffen.

Hab ich hier mal das Zitat aus einer meiner Bachelorarbeitsquellen zum Theater des Absurden aufgeschrieben? Hätte ich mal machen sollen.
Das Zitat sagt so grob, die Würde des Menschen liege darin, das Schicksal in seiner ganzen Skurrilität und Absurdität annehmen und darüber lachen zu können, und genau das hat sich als nachhaltigste aller Bewältigungs- und Überlebensstrategien erwiesen.
Nicht erst heute, oder gestern, oder letzten Monat, oder im letzten Jahr.
Auch nicht immer schön; keiner sagt, dass lachen, oder überhaupt irgendwas, immer schön oder schmerzfrei wäre, und es klappt auch nicht immer sofort, oder überhaupt.
Muss es auch nicht.


Aber manchmal, da schaue ich mir meine Biografie an, als Gesamtlinie oder in Einzelstationen und denke mir, es gibt zwar keine höhere Macht und keinen tieferen Sinn (muss es auch nicht - ich persönlich finde es ja durchaus befreiend, dass Sinnstiftung allenfalls durch das Selbst erfolgen kann), aber hui, der imaginäre Regisseur beherrscht sein Handwerk oder hat zumindest ein verdammt gutes Drehbuch. Diese Figuren! Diese Handlungslinien! Und vor allem die Plot Twists!
Maximale Emotion bis in den tiefsten Abgrund und zurück, maximale Spannung, maximale Skurrilität. Kannste dir nicht ausdenken, sowas.
Wenn Gott existiert, dann ist er ein Theatermensch und der Zufall sein Dramaturg.






Donnerstag, 4. März 2021
Eine Masterleistung aus dem Plan rausgehauen, dafür die beiden fehlenden aus dem Bachelor pünktlich abgegeben.

Eine verbucht, im Eilverfahren. 3,0 ist nicht hübsch, aber auch kein Drama.
Die zweite in Korrektur, das große Bangen.
Nicht ums Bestehen, es ist eine der schönsten Hausarbeiten, die ich bisher produziert habe. Sondern um pünktliche Verbuchung, pünktlichen Zeugnisantrag und dessen pünktliche Erfüllung, pünktliche Abgabe einer beglaubigten Kopie, pünktlichpünktlichpünktlich, alles hängt an der Bürokratie.

Papa Mayhem ist bereit, mich für zwei Monate so weit finanziell zu unterstützen, dass ich mich psychisch wieder berappeln und nebenbei einen Job finden kann, dessen Einkommen den Studienkredit ersetzt und die Zinszahlungen abdeckt.

Die Sonne kommt manchmal raus, und überall sind Leute, die im Park Sport machen und zum Friseur gehen, um sich für die dritte Welle schick zu machen.

Mein Angst-Ich ist überzeugt davon, dass die Vermieterin mich zerlegen wird, weil der Handwerker eigentlich nur eine Armatur austauschen wollte, dann meinte, die Fugen müssen neu, er kommt wieder, und dann meinte, im Waschbecken ist ein Sprung, das muss auch neu.
Hab ich das verursacht? Nee.
Habe ich das Waschbecken für austauschwürdig gehalten? Auch nee.
Trotzdem Angst, dass es heißt, ich hätte mich nicht gekümmert, nicht gut genug oder nicht schnell genug oder beides, und dass deswegen die Hölle losbricht und mir alles um die Ohren fliegt.
Angst-Argumentation funktioniert so. "Etwas passiert, und dir wird alles um die Ohren fliegen, denn du bist Schuld."
Extremachtsamkeit, Warnsystem auf Maximum, jeder Reiz eine Napalmbombe, jederzeit bereit, um alles zu kämpfen, weil die Realität jederzeit plötzlich weg sein oder implodieren kann.
So funktioniert Trauma.

Jederzeit davon ausgehend, um alles kämpfen zu müssen, weil die Realität als so ein fragiles Ding erscheint.

Ich kenne mein Angsthirn, also sitze ich es aus.
Pandemiemärz am Schreibtisch, ich höre meinem Hirn zu, das dem Handwerker zuhört, der im Bad vor sich hin scheppert und Placebo zuhört, weil er das beim Arbeiten motivierend findet.

Mein Handy informiert mich darüber, dass ich Freunde habe, die mit mir ein virtuelles Bier drauf trinken wollen, dass ich das Bachelorstudium hinter mir habe und bald auch alle Prüfungsleistungen des Semesters.
Bei jeder neuen Nachricht zuckt das Angsthirn zusammen und haut den Blutdruck hoch, Überachtsamkeit, weil mitten in einer Situation, die sich nach potenzieller Realitätsvernichtung anfühlt, ausgelöst von einem Waschbecken und ein paar Silikonfugen.
Halber Herzinfarkt, als plötzlich der Staubsauger im Bad angeht,sogar die Katzen erschrecken sich mehr vor meinem Erschrecken als vorm Staubsauger an sich.
Atmen, aussitzen.
Jemand aus der Festivalgruppe schreibt, dass ich mich ruhig freuen darf, den Unikram hinter mich gebracht zu haben, weil ich den bestimmt gerockt habe und das mit den Fristen schon klappt. Dass er stolz auf mich ist und ich das auch sein darf.
Staubsauger aus, Blutdruck runter.
Raschelndes, kratzendes Geräusch im Bad, Blutdruck hoch.
Der Thekenzwerginmann schreibt, SIEHSTE, ich sach doch, du hast's drauf. Vertrau drauf, dass du dir dein eigenes Leben baust, du kannst das nämlich, bist grad mittendrin dabei und zeigst einfach allem, was sich dir in den Weg wirft, den Mittelfinger.
Mein Hirn beschwört wieder die Katastrophe der wütenden, oder enttäuschten, oder mich rauswerfenden Vermieterin. Ich frage es, ob das Multitasking nicht stressig ist - Uniängste, Vermieterinängste, Finanzängste, das muss doch anstrengend sein, dauernd mit Horrorvisionen um sich zu werfen.


Mittlerweile kenne ich das, und mittlerweile kann ich das.
Angsthirn aussitzen, Freunde haben, meiner Mutter posthum durch meine Existenz den Mittelfinger zeigen, Prüfungsleistungen pünktlich abgeben.
Und darauf vertrauen, dass es eine Realität geben kann, die tragfähig ist.
Muss(te) sie mir halt selbst erarbeiten. Und mit dem Schock umgehen, wenn sie dann tatsächlich passiert und ich mittendrin im großen Trotzdem bin.

Vielleicht kann ich mittlerweile auch das.




Samstag, 26. Dezember 2020
Thema: Outtakes
Anfang 2020 hatte ich mir gedacht, ok, machen wir doch mal so Neujahrs-Kram.
Ich war, in meinem Selbst und meiner psychischen Verfassung, dermaßen konstruktiv, stabil und einfach insgesamt eine dermaßen coole Socke, dass ich selbst regelmäßig ganz überrascht war darüber, welche Großartigkeiten das Leben und mein Hirn so ausbrüten können.

Gut, ist jetzt alles ein bisschen anders, aber wird wieder. Muss ja.
Und wenn man das Ganze auf ein Jahr verteilt betrachtet, insbesondere angesichts des Umstands, dass da gerade eine Pandemie/Dystopie tobt, in deren Verlauf einfach alle, und ich meine wirklich ALLE Symptome, die ich jemals hatte, mit Volldampf über mich hereingebrochen sind, sieht die Vorsätzeauswertung gar nicht mal so schlecht aus.

Eigentlicher Eintrag vom 08.01.20, Ursprungstext kursiv, Updates ergänzt.

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1. Nicht wahnsinnig werden Alias Mind Wars: die dunkle Bedrohung
Ich denke da gerade vor allem an die letzte Woche der Abschlussarbeit, wenn ich schreibe, dass es eine Nebelleuchte in meinem Kopf gibt, die niemals aus geht. Nicht Jenseits von Gut und Böse, und auch nicht dann, wenn alles weg ist, die Realität, die Gegenwart und das Ich, und nur noch funkensprühender kreischender Kopfkrieg bleibt und selbst der dann im Nebel versinkt. Die Nebelleuchte bleibt.
Und es ist meine Nebelleuchte. Keine geerbte, keine, die ich geschenkt bekommen hätte, sondern meine eigene, selbst erarbeitete und gebaute.
Ich bin dankbar dafür, dass ich sie habe.
Und dass sie nicht auf externe Energiequellen angewiesen ist. Vielleicht ist das wie beim Fahrrad-Dynamo und solange ich in irgendeine Richtung los- oder weiterexistiere, funktioniert sie.


2. Erhaltende Maßnahmen alias Mind Wars : Die Rückkehr des gesunden Menschenverstands
-> Kippenfrei bleiben, kein Alkohol- oder sonstiges Suchtproblem zulegen, zumindest manchmal sowas wie eine gesunde Schlafmenge haben, Zähne und Gesamtkörper nicht runterwirtschaften
-> Weiter zur Akuttherapie gehen, Medikamente weiterhin zuverlässig nehmen
-> Dafür sorgen, dass die Katzen gesund und munter bleiben


Kippenfrei: Check, ein Lob der Dampfe, ausreichend Nikotin im Liquid und ein Verdampfer, der zum Zug-/Inhalierstil passt, regeln.
Mittlerweile Lungenvolumen fast wie ein junger Gott, getestet u.a. an der im obersten Stockwerk liegenden Neurologenpraxis, beim Yoga, beim Theater und bei sonstigen anstrengenden Tätigkeiten.
Mit meinen Stimmbändern ist in Sachen Tonumfang, Lautstärke und -äußerungsarten ebenfalls großartiges möglich. Auch das, als es noch ging, auf einer mikrofonfreien Theaterbühne in einem gar nicht mal so kleinen Saal mit mittelguter Akustik getestet.

Alkohol und sonstige Krücken: Ein Lob meiner Mutter, die mir zwar so eine Art Suchthirn (seit Generationen im Familienbesitz; wird, zusammen mit dem Trauma, einfach an die nächste Generation weitergereicht), aber auch ein nachhaltig schlechtes Beispiel mitgegeben hat. Ersteres sorgt dafür, dass ich aufpassen muss. Zweiteres sorgt dafür, dass ich dann, wenn es kritisch wird, ihre gelbhäutige Leiche vor mir sehe, auf dem Badezimmerboden liegend, in eingesiffter roten Jogginghose und rotem Pullover, mit schmutzigen Fußsohlen und dem vor ihr sitzenden Kater Mayhem.
Ich habe kein Interesse daran, die arme Katze erneut zu traumatisieren. Und wenn es etwas gibt, was tatsächlich ein Antriebsfaktor ist, dann der Umstand, dass ich nicht wie sie enden werde, die letztlich bloß geschrieben hat, dass sie nicht wie die Ahnenreihe enden will.

Schlafmenge, Zähne, Körper nicht zu arg runterwirtschaften: Bröselzahn wurde gezogen und ich habe mir Ende November eine neue elektrische Zahnbürste gegönnt. Wenn die Welt brennt, ist das mit gesundem Schlaf und zweimal täglich Zähne putzen so eine Sache, aber immerhin, ich versuche es. Zwischendurch täglich Yoga, bei Weltenbränden wie aktuell mindestens einmal wöchentlich.
Läuft nicht so gut, wie erwartet und vorgenommen, aber es läuft.

Katzen: Kater Mayhem steuert auf die 15 zu und wirkt, von den üblichen Zipperlein abgesehen,gut in Schuss. Die Katze hat nach wie vor einen kaputten Magen, Asthma und eine Autoimmunerkrankung, seit das Futter passt, sind die Asthmaanfälle aber selten geworden und die Autoimmungeschichte scheint sich komplett schlafen gelegt zu haben, sodass wir das Kortison absetzen durften.
Wünsche mir, dass beide weiterhin gesund, lebendig und glücklich bei mir bleiben; Therapeutin ist darauf vorbereitet, dass ich in ein tiefes dunkles Loch fallen werde, wenn der Kater mal nicht mehr ist.
Hoffe, dass er mir noch eine Weile erhalten bleibt. Vielleicht ist er ja Cathusalem und wir brechen den Katzenalterweltrekord.


3. Bossfight: Uni 1 alias Mind Wars. : Die mitteldunkle Bedrohung
-> schreiben,was dieses Semester geschrieben werden muss
-> zuende bringen, was dieses Semester zuende gebracht werden muss
-> abgeben, was dieses Semester abgegeben werden muss
-> BA: Grobschlachtplan (hübschdeutsch: Exposé) verfassen, für mich oder/und den Dozenten
-> Mail konzipieren, um herauszufinden, ob der das Ding noch betreut, und wie und was und überhaupt - ich habe keinen blassen Schimmer, wie man sowas macht; ggf Sprechstundentermin (wissenschaftliches Schreiben: Check, Recherche: Check, Formalia: Check, Ablauf und restliches Drumherum: AAAAAAAAAH)
-> Mail abschicken, falls Sprechstunde: wahrnehmen, weiteratmen, Punkt 1 nicht vergessen

Neuen Betreuer und neues Thema für die Abschlussarbeit klar gemacht, Abschlussarbeit geschrieben und bestanden.
Die restlichen Leistungen auch.
Blöderweise fehlt jetzt halt anderer Kram und es sieht in einem Fall nur stressig, im anderen dafür aber zappenduster aus (siehe vorheriger Eintrag).

4. Nebenschauplätze regeln alias Episode IV: Eine neue Hoffnung, das wird aber auch mal Zeit!
-> aktuelle Probenzeit und anschließende Aufführungen überleben, eventuell sogar gut
-> potenziellen Freundeskreis nicht vergraulen, bereits vorhandenen sortieren und entsprechend erhalten
-> Schauen, dass die Umwandlung der Akut-Therapie in eine richtige klappt
-> weitermachen mit den mentalen Wurzelbehandlungen
-> Kaffee-Mann weiter treffen, solange ich das möchte und er auch; Punkt 1 beachten

Theater: check, dann kam die Pandemie
Freundeskreis: nicht vergrault!
Therapie: check
Mentale Wurzelbehandlungen: es ist grad die pure Hölle, aber ich bin immer noch da und mache weiter, also kann man das vermutlich auch abhaken?
Kaffee-Mann: schnarchige Angelegenheit, hab interessantere Leute kennen gelernt

5.Bossfight: Uni 2 - Mind Wars Episode V - Das Imperium schlägt hoffentlich ausnahmsweise mal nicht zurück
-> Erledigen, was auch noch zum Folgesemester erledigt werden kann
-> Abgeben, was spätestens zum Folgesemester abgegeben werden muss
-> BA: Schreiben, Abschließen, Abgeben, WODKA.
-> erste Master-Kurse belegen, bewältigen
-> Dazugehörige Prüfungen erledigen, abgeben

HAHAHAHA das Imperium hat mal SOWAS von zurück geschlagen mit den zwei nicht verbuchungsfähigen Geschichten.
Aber: BA geschrieben, BA abgeschlossen, BA abgegeben. Erste Masterkurse belegt und bewältigt. Dazugehörige Prüfungen noch nicht alle erledigt und abgegeben, aber die, die ich durchgezogen habe, sind solides Einskommanochwas.


6.Nachwehen bewältigen
-> Praktika und Finanzen: suchen, sichten, sicher stellen
-> Wohnung mal so richtig in Schuss bringen und erhalten. Oder mein Zimmer
-> nach Kräften weiter am Projekt "von Rapunzel zu Cousin Itt" arbeiten
-> Ehrenamt-Management: Theater zählt, egal, wie das Stipendiengeber sehen. Das Anregen großartiger Therapiefortschritte in den Gehirnen der Mitmenschen auch. Deshalb: nicht zu viel. Finanzen, Uni und Punkt 1 gehen vor


Nachwehenbewältigung: nope, da ungeplanterweise noch mitten in der Shitshow. Gelegentlich großartige Therapiefortschritte in den Gehirnen der Mitmenschen anregend und solide auf dem Weg zu Cousin Itt.


7. Massives Feiern meinerselbst alias Mind Wars : Das Erwachen der Macht - gegen Mittag, vielleicht auch Nachmittag, eventuell verkatert, aber in jedem Fall großartig
-> FESTIVALSAISON WHOOP WHOOP
-> weiter am Projekt "Ganzkörperkunstwerk" arbeiten, soweit finanziell (ich) und zeitlich (Stammtätowierer/ich) möglich
->Positive Denkmuster anerkennen und weiter einschleifen - dieses Maß an Selbstreflektion, Resilienz, Konstruktivität und Differenziertheit ist relativ anstrengend, relativ langwierig, gelegentlich hässlich und dann und wann mit bewusster mentaler Gewalt erarbeitet/errungen, und da es gleichzeitig ziemlich geiler Shit ist, werde ich einen Teufel tun und es degenerieren lassen
->Bier
->Wein
-> Wodka
-> FESTIVALSAISON WHOOP WHOOP WHOOP
-> aber alles in Maßen hier, ich bin schließlich mittlerweile sogar auf dem Papier nicht mehr blutjung, taufrisch und unbesiegbar.

Festivalsaison, weitere Arbeit am Ganzkörperkunstwerk und erleichtert-erfreute Feiereskalation angesichts der in die Nachspielzeit gegangenen Shitshow und der Seuche zunächst vertagt.
Positive Denkmuster einschleifen: erstmal die, die noch da sind, erhalten und die, die verschütt gegangen sind, wieder etablieren.
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Für's kommende Jahr:
Durchsegeln von was-auch-immer-passieren wird. Und am anderen Ende wieder rauskommen.

Nebelleuchte nicht vergessen.




Sonntag, 13. Dezember 2020
Mit der Abschlussarbeit knapp am Einskommanochwas entlanggeschrammt, vorsichtig an Entspannung gedacht.
Festgestellt, dass eines der großen Module fehlt.

Nachgefragt: Ja nee, konnten wir Ihnen nicht verbuchen, das geht nur mit einer anderen Prüfungsordnung.

Bisschen Krise, dann: einen Master-Kurs umbuchen, klappt. Schreib' ich halt noch eine Hausarbeit mehr, hab' ja gerade sonst nichts zu tun.
Anfrage zur Verlängerung der Zeugnisfrist, weil das sonst nicht klappt.
Letztmögliche Verlängerung gekriegt, nicht viel, aber immerhin theoretisch machbar.
Vorsichtig an Entspannung gedacht.

Beschlossen, mal zu fragen, was mit dem fehlenden Kurs aus dem Sommersemester ist.
Ja nee, das können wir Ihnen nicht verbuchen. Sie haben einen ähnlichen Kurs in 2017 unter der Modulnummer A mit Prüfungsnummer A schon mal belegt.
Es sei doch total offensichtlich, dass das nicht (wie es im Vorlesungsverzeichnis steht ) als Modulnummer B mit Prüfungsnummer B verbucht werden kann, wenn man einen inhaltich ähnlichen Kurs mal als Modul A für Prüfung A gemacht hat (was nirgends steht, aber halt so ist).

Die zusätzliche Hausarbeit kriege ich noch irgendwie unter, die einzige Alternative zum Sommersemester-Kurs wird voraussichtlich erst wieder im nächsten oder übernächsten Semester angeboten werden und das haut mit der Zeugnisfrist sowas von absolut überhaupt nicht hin.

Theoretisch könnte ich einen weiteren Master-Kurs für diese Leistung umbuchen. Vorsichtige Erleichterung, sicherheitshalber nachgefragt, ob das klar geht.
Absage bekommen, praktisch geht das nämlich nur in der neueren Prüfungsordnung, im Bachelor studiere ich aber noch nach der alten.

Es geht dabei um genau einen ECTS-Punkt.


Mit der neuen Hausarbeit ergibt sich als To Do-Liste im Unibereich:
4* (20 bis 25 Seiten) = 80-100 Seiten wissenschaftlicher Text
4* (45 Minuten Dauer + 3-5 Seiten ) = 180 Minuten Vortrag plus 12-20 Seiten Thesenpapier
plus unbekannter Faktor X für eine Alternative zum nicht verbuchungsfähigen Sommersemester-Kurs (die noch gefunden werden muss)

bis Anfang Februar.

Vorausgesetzt, ich bekomme eine Möglichkeit, den fehlenden Punkt reinzuholen.


Persönlichkeitswachstum hin oder her, nach fast einem Jahr permanenter Existenzunsicherheit mit ewigem Hin und Her, weil das Studium dauernd wegen irgendwas am seidenen Faden hängt und ich mich auf die Gnade anderer Menschen an einflussreicheren Stellen verlassen muss, könnte es langsam auch ruhig mal stabil, sicher und langweilig werden hier. Ehrlich jetzt, man gönne mir doch bitte mal meine verdammte Langeweile.
Muss mir schließlich auch demnächst einen Job suchen, der genug für die allgemeinen Kosten und Studienkredit-Zinsen abwirft, ohne zu viel Zeit von Uni und Psyche zu klauen und nebenher ein bis fünftausend Praktika unterbringen, wie man das als guter Geisteswissenschaftler so macht.

Ein weiteres mögliches Thema für die Masterarbeit wäre da, inklusive Hinweis, dass ich danach eigentlich auch weiter an dem Projekt arbeiten könnte, wenn meine Kompetenz und ich eh schon da sind. Freie Mitarbeit oder Promotion möglich (irgendwie scheint mich letztere zu verfolgen aktuell, dabei kann ich mir das gar nicht leisten).
Ein Angebot für ein Praktikum in einem der Bereiche, in denen ich wirklich gerne arbeiten würde, auch; sobald ich den Bachelor habe.
Zwei Kurse teile ich mir mit jemandem, den ich wirklich gerne meinen Katzen vorstellen noch ein bisschen öfter sehen und noch ein bisschen besser kennenlernen würde.


Und alles hängt an Bürokratie und einem einzigen ECTS-Punkt.

Zum Glück glaube ich nicht an höhere Mächte, sonst würde mir der permanente Hochstromdrahtseilakt nicht nur zusetzen, sondern ich würde mich auch noch veräppelt fühlen.

So mache ich einfach das, was ich immer mache, wenn nicht nur die Hütte, sondern gefühlt die ganze Welt brennt und die Gegenwartsrealität brüchig wird:
Vorbereitung auf den Gewaltmarsch in eine neue, solange aussitzen, dramaturgische Kunstgriffe des Zufalls bewundern, und vor allem: schlicht und ergreifend weiter.

Alles andere wäre schließlich albern.




Dunkel ist's, die Berge schweigen
Schaurig still: Das Labyrinth
Vor mir noch des Lebens Reigen
Ohne Licht und ohne Wind.

Heute muss das Eisen schmilzen
Heute wird der Gang gebohrt
Frisch hinweg mit Schimmelpilzen
Graben ist das Zauberwort!

Wo ein Weg, da ist ein Wille
Ihn zu pflügen durch den Berg
Höllenlärm wird aus der Stille
Das gehört zum Tageswerk!

Stollentrolle fliehn in Scharen,
Wenn ich meine Bahnen zieh
Sinn find ich nur hier den wahren
Aber fertig werd ich nie.

Einmal rechts und zweimal links
Das ist doch nicht schwer zu merken
Nur in diesem Takt gelingt's
Schwerer ist's, ein Hemd zu stärken.

Dann schmolz die Wand, dann brach das Eisen
Und durch das Loch strömte das Licht
Ich spürte Lufthauch, einen leisen
Und hatte weithin klare Sicht.

(Die Finsterbergmade, Hildegunst von Mythenmetz)