Sonntag, 21. Januar 2018
Der Choleriker ist Schnee von gestern; desweiteren haeufen sich die Indizien dafür, dass ich anscheinend (scheinbar?) nur zum Fickstück tauge, denn natürlich bin ich nebenbei erneut auf die Fresse geflogen (oder so. Dieser blöde Funken Hoffnung immer).

Was ich desweiteren gelernt habe: In Ernstfaellen kann ich mich auf meine WG verlassen, auch wenn, oder gerade weil wir diese seltsame Exfreund-Mitbewohnerin, die zu seiner Neuen geworden ist - die verschüchterte Tierpflegerin-zwei Katzen-ich haben. Das tut gut. In Erwaegung ziehen zu können, sich auf jemanden zu verlassen und um Hilfe zu bitten.

Lernen, allein, sich selbst genug zu sein.

Und ich habe Thoughts Paint The Sky wieder gefunden, in den Untiefen meines Rechners. Vom Mutmaßlichen-Auf-die-Fresse-geflogen-Menschen durch dessen Musik mittels Assoziation aus den Kratern meines Unterbewusstseins emporgehoben.
Und dadurch ist das eigentlich alles schon gar nicht mehr so schlimm.

Nach wie vor keine funktionierende "ae"-Taste.
Aber bisschen Verlust ist ja immer.





Samstag, 30. Dezember 2017
Natürlich habe ich den Menschen gekriegt, den ich wollte.
Um dann festzustellen, dass das, was ich bekommen habe, meilenweit entfernt ist von dem, was ich gesehen habe, was mir versprochen, was mir vorgelebt wurde.

Natürlich wirft mich das in den Zwiespalt.
Und natürlich ist es wieder das altbekannte Phaenomen, ich kriege, was ich wollte, diesmal sogar "richtig" und nicht nur das "Ich will eine intelligente Frau, eine, mit der man auch mal diskutieren kann und die Widerworte gibt; die selbststaendig sein kann, ihre Ecken und Kanten hat, ein heißer Ofen ist, und keine graue Maus - aber nur zum ficken, für eine Beziehung hab ich dann doch lieber die netten, unkomplizierten, braven, harmlosen, pflegeleichten", und mir wird langweilig (?).

Die Kombination aus der mutmaßlichen Langeweile und der Tatsache, dass sich der für so wunderbar gehaltene Mensch als unsensibler, cholerischer Bauerntrampel entpuppt hat, laesst meinen Blick wandern, und mein Blick findet immer.
Diesmal jemanden aus meiner Schauspieltruppe; bereits vor sechs Semestern als interessant eingestuft, da war er noch bebrillt, aknegeplagt und ein klassischer Informatiker und ich davon überzeugt, dass das nichts wird.

Der bebrillte Informatiker ist jetzt groß, muskulös, baertig, mit gepflegtem Kurzhaarschnitt und offiziell bestaetigter Hochbegabung ausgestattet und vertritt die Einstellung "nur, weil mein Empathielevel im Gegensatz zu meinem IQ unterdurchschnittlich ist (gibt es sowas wie Soziallegasthenie? dann hat er das), heißt das nicht, dass ich mich wie ein Arschloch aufführen darf".
Außerdem laesst er sich gerne kratzen, beißen und strategisch klug festschnüren.
Natürlich habe ich das ersterhand herausgefunden, und auch, dass er mich seit mehreren Semestern will.

Oder wollte.
Denn (natürlich) ist es wieder der Klassiker: Objekt der Begierde bin (oder war) ich, weil so schön unkonventionell, ein paar Jahre aelter, emotional, dramatisch und bisweilen vollkommen wahnsinnig - Alltag ist die Freundin, vorzeigbar bei allen Familienfesten, brav schweigsam, verlaesslich in ihrer absoluten Durchschnittlichkeit, ohne tieferen Sinn oder größeren Intellekt. Pflegeleicht.

An unseren betrunkenen Sex und die Gespraeche erinnert er sich angeblich nur noch rudimentaer bis gar nicht, und ich glaube es ihm sogar.
Denn auch hier, der Klassiker. Die Illusion, begehrt worden zu sein, weil ich eben ich bin, hat sich aufgelöst und ist der realen Diagnose unspezifisch-schwanzgesteuerten Verhaltens gewichen, als ich angefangen habe, genauer zu beobachten und attestieren konnte, dass die gleiche Taktik, die mich dazu brachte, mich verstanden und wohl genug zu fühlen, um mal die moralischen Prinzipien über Bord zu werfen,
das Aufmerksamkeit schenken, sowas wie Einfühlsamkeit, das "Oh mein Goth, ein Mensch, der mir geistig gewachsen ist", auch wo anders zum Einsatz kommt.
Bei der Freundin, bei der Statistin, bei anderen Mitgliedern der Gruppe "Groß, zierlich bis maedchenhaft, blond, durchschnittlich, pflegeleicht".
Im betrunkenen, unspezifisch schwanzgesteuerten Zustand. Nicht mal mit bösen Absichten, oder überhaupt irgendwelchen.
Ein Bilderbuchbeispiel für von Hormonen und Geschlechtsteilen übernommenes Bewusstsein. Impulsiv, triebgesteuert, simple as that. Ich kann ihm nicht mal böse sein.

Und überhaupt, verletzt ist hauptsaechlich mein Ego.
Nicht wegen Selbsthass oder Scham aufgrund des Fremdfickens; das Schockierenste daran waren die Kommafehler auf dem Zettelchen, das seine (angeblich beziehungspausierte) Freundin zur Mitteilung ihrer überschwaenglichen Liebe auf seinem Schreibtisch hinterlassen hat,
sondern aufgrund der Feststellung meiner absoluten Austauschbarkeit.
Unser öffentlicher Umgang ist oberflaechlich-distanziert, wenn wir nüchtern sind, weil wir nunmal zusammen arbeiten und beide vergeben sind, und oberflaechlich-distanziert, wenn er angeschickert bis betrunken ist, weil er sich dann an Durchschnittsmaedchen ran macht, wie er sich auch schon an mich rangemacht hat, und ich mich sicherlich nicht in den Kampf um einen spaetpubertaeren Informatiker werfen werde - den ich mutmaßlich sowieso verlieren würde, weil ich eben kein Durchschnittsmangelintellektmaedchen bin, sondern eine ganz und gar nicht durchschnittliche Frau.
Die fickt man mal heimlich,tituliert es als den besten Sex, den man je hatte (was auch nicht weiter schwierig ist, wenn man sich das Vergleichsmaterial so anschaut) und dann ist auch wieder gut.
An sich waere es wiederholenswert gewesen, aber meine Arroganz findet, wer so unspezifisch-schwanzgesteuert auf alles zielt, was irgendwie ins Beuteschema passt, mit mir als der einen großen Ausnahme, nur, um dann doch wieder zu sowas umzuschwenken, ist eigentlich unter meinem Niveau.
Wenn ich schon rumhure, dann wenigstens mit einem, der weiß, was er will (unerlaubten Sex. Mit mir. Weil ich echt heiß bin. Und so). Mentale Kreiselficker kann ich nicht gebrauchen, sollte es mir nicht vor lauter Triebsteuerung und Alkohol ne Sicherung raushauen.
Und selbst dann, es stehen genug harmlose, pflegeleichte Maedchen bereit, sich auf seine Erektion zu stürzen.
Nach Jahren der Selbstzweifel, der Ahnung, nicht gut genug für jemanden zu sein, und des inneren Zwanges, doch dauernd beweisen zu müssen, dass ich so toll-einfach-traumfrauenhaft bin, hat mein Verstand für das und die daraus resultierende vermeintliche Konkurrenz eine um genau 0,75cm hochgezogene rechte Augenbraue übrig.

Schließlich gibt es so viel wichtigere Probleme in meinem Leben; beispielsweise ist meine "ae"-Taste kaputt.




Sonntag, 13. August 2017
Wissen Sie noch, als es mir gerade mal gut ging und ich schockverknallt mit einem Fünkchen Hoffnungwar?
Lächerliche Frage, der Eintrag ist zwei weiter unten.

Vergessen Sie esgehtmirgut (ok, das steht einen weiter unten) und vergessen sie schockvernallt mit einem Fünkchen Hoffnung.

Ich wollte es langsam angehen lassen; herausfinden, wie der Mensch tickt, ob er wirklich so toll ist, wie ich gerade denke, ob man sich wirklich auf einer Wellenlänge bewegt, all das.
Langsam, gemächlich. Weil der Mensch frisch verlassen wurde, sich da erstmal sortieren muss, und sowas. Und es mir die Warterei wert gewesen wäre.

Tja, die einzige Person, der ich es erzählt habe, konnte ihre Fresse nicht halten, hat es der Namensvetterin gesteckt,bevor ich es ihr sagen konnte (der Mensch und sie sind gut befreundet und sie fährt eine "Ich explodiere vollkommen, sobald in meinem Freundeskreis irgendwer irgendwas mit irgendwem aus diesem kreis hat!"-Schiene, und ich wollte unnötigen Stress auf dem anstehenden Festival vermeiden), und sie hat, wie man das anscheinend so macht, auf der Stelle seine Nummer gewählt und es dem Menschen mitgeteilt.
Dass ich ihn letztes Jahr nach dem Festival "nicht ausm Kopf gekriegt" habe, dann schon, und es mich wieder abrissbirnenmäßig erwischt hat, als wir uns dann wieder gesehen haben.


Super.
Der Mensch hat mich jetzt zwei Mal gesehen, ist gerade frisch getrennt, meinte laut Namensvetterin im Kontext ihres Offenbarungstrips, ihm sei aufgefallen, dass ich an seiner Feier "penetrant Kontakt gesucht" hätte (meiner Meinung nach war das eher nicht so, aber was weiß ich, ich war angetrunken und Menschen sind komisch), und weiß jetzt, dass ich in ihn verschossen bin.

These meines wirren Hirns Nr 1 alias die, von der ich gerade vollkommen überzeugt bin: Damit hab ich verkackt. Alle möglichen Chancen bei diesem Menschen sind für immer ruiniert, er lacht mich innerlich aus, wird jede meiner Handlungen und Aussagen auf dem Festival auf die Goldwaage legen, ist überrumpelt und überlastet mit dieser Info bezüglich meiner Emotionswelt, wird die Flucht ergreifen und mich abblitzen lassen.

These meines irrationalen Optimismus, oder alternativ, Wahnsinns: Das Gefühl, der Mensch könnte auch ein (minimales, aber immerhin) Interesse haben, dass ich an der Feier hatte (was anscheinend ja doch nur Nettigkeit im Angesicht meines "penetranten Kontaktsuchens" war), ist vielleicht doch richtig und er weiß jetzt halt wenigstens, woran er ist.
Und ist damit überlastet und meine Chancen sind ruiniert.


These meiner Selbstbeobachtung: Vielleicht steigere ich mich gerade ein.
=> Trifft sehr sicher zu.

Fragestellungen, die sich dennoch ergeben:
- WAS ZUR VERFICKTEN SCHEISSE?
- WIE ZUR HÖLLE soll ich dieser Person noch unter die Augen treten? Offensichtlich bin ich selbst dann, wenn ich mich für unauffällig halte und gar nicht im aktiven Anbaggermodus bin, "penetrant", also alles andere als unauffällig.
- WIE VERDAMMT NOCH MAL soll ich das Festival überstehen?
-WARUM ZUM FICK musste die Namensvetterin das tun und ihm dabei gleich auch noch den "in meinem Freundeskreis finde ich sowas kacke"-Einlauf verpassen? Ich hätte dem schon gezeigt/gesagt, dass ich interessiert bin. Dann, wenn ich ihn besser gekannt und eine vorhandene Wahrscheinlichkeit eruiert hätte, dass das Interesse auf Gegenseitigkeit beruht.
Achso, ja, sie meinte, in Freundschaften ist Ehrlichkeit wichtig, drum hat sie ihm das gesagt.
AAAAAARGH.

- Wo sind eigentlich weise Freunde oder semi-allwissende, einfühlsame Eltern, wenn ich Nervenberuhigung und sinnvolle Ratschläge brauche?


Ok. Durchatmen.
Urschreitherapie ist gerade kein Ansatz, es ist halb eins und ich residiere in einer respektablen Wohngegend, so mehr oder weniger.

Gut.

Nein, nichts ist gut.

Trotzdem.

Fragen, die ich mir zur Beantwortung durch irgendeine rationalere Instanz meines Gehirns oder jemanden, der schlauer ist als ich, an dieser Stelle notiere:

- Sind meine Chancen geschrumpft oder zunichte gemacht, weil der Mensch zu diesem eindeutig stark verfrühten Zeitpunkt und durch eine andere Person mit meinem Interesse/Emotionswelt konfrontiert wurde?

- Was mache ich jetzt? Am Besten: Sich keinen Kopf. Geht aber nicht.

- Wie verhalte ich mich auf dem Festival? Ignorieren ist auffällig, versuchen, unauffällig zu sein, offensichtlich auch. Gepflegt anbaggern kommt im Angesicht der recht frischen Trennung seinerseits eher doof, zumal das ne echt lange Beziehung war und er sich definitiv erst noch sortieren muss. Was mach ich denn jetzt.


- WIE ZUM AST rette ich die Situation? Ich habe definitiv Interesse, definitiv eine Schmetterlingsepidemie im Bauch, und mir (bisher) definitiv jemanden ausgesucht, der was taugt.
Oder taugen würde. Würde mir das gerne genauer anschauen, aber gefühlt geht das jetzt nicht mehr, siehe These Nr 1.


Ich entschuldige mich für den wirren Textmüll und bitte um Gnade, Nachsichtigkeit und vielleicht sogar Mitgefühl im Umgang damit.
Falls jemand den Stein der Weisen verschluckt hat und mir helfen kann, ist das natürlich Jackpot.


Meine Fresse. Und ich dachte, die Welt würde gerade nur aufgrund meiner allgemeinen Lage untergehen.




Sonntag, 6. August 2017
Vergessen Sie alles, was ich über Positivstimmung und eine Fortsetzung des letzten Eintrags geschrieben habe.

Wenigstens die Klausur ist unrüttelbar gut gelaufen.