Thema: oh happy day.
15. Juni 13 | Autor: mayhem | 0 Kommentare | Kommentieren
Prüfungen vorbei. 15 Englisch, 3 Mathe, insgesamt ganz ok , man merkt relativ deutlich, wo meine Stärken liegen.
"Deine Stärken? Nichtwissen so rüberzubringen, dass jeder denkt, dass du voll die Ahnung hast, und damit nicht nur durch alle Schuljahre, sondern sogar sehr gut durchs Abi zu kommen."
Die Egoschleuder und ich haben die hochbeinigen, nahezu perfekt würfelförmigen Sessel, die ich bei meinem Umzug aus Opa Mayhems leerer Wohnung und vor dem Sperrmüll gerettet habe, in den Garten getragen, einen umgedrehten leeren Wasserkasten als improvisierten Tisch dazwischengestellt und mich ein bisschen gefeiert.
Natürlich lange nicht so ausgiebig, wie diverse Klassenkameraden das gefühlt seit heute Mittag im Nachbargarten tun, aber man wird ja schließlich auch nicht jünger.
-"Stimmt."
Die Egoschleuder zeigt sich wieder sehr umgänglich und sogar Anzeichen sozialen Verhaltens, so wurde ich diesmal gnädigerweise vorher gefragt, ob ich ihn überhaupt sehen will (wahrheitsgemäße Antwort:"Weiß ich selbst nicht so genau"), bevor er sich aufs Fahrrad geschwungen hat und mal schnell die 15km gefahren ist, und es wurde auch nicht einfach irgendein Wein mitgenommen, sondern einer, der auf der Grenze zwischen halbtrocken und lieblich balanciert, trocken mag ich nämlich eher selten. "Ein, zwei Flaschen Wein krieg ich besser im Rucksack unter als drei Packen Pussybier, und das bringt ja nix, wenn du dann nichts zu trinken hast."
Wir sitzen so im Garten, gelegentlich fliegt mal ein Volleyball oder eine leere Flasche rüber, einmal auch ein ehemaliger Musikkurskollege, irgendwas deutsch-hiphop-abartiges wummert aus einer zu basslastigen Anlage und übertönt dabei das Konzert, das die Grillen hier jeden Abend für mich geben und das normalerweise bis in mein Luftschloss hinauf sehr gut zu hören ist, und eigentlich ist das alles ganz gut so, angenehmer Durchschnitt eben.
Mit der Egoschleuder verbindet mich zwar kein unzerstörbares seelisches Band und auch keine tiefgreifende Freundschaft, aber wenn er will, kann er relativ angenehme Gesellschaft sein, das kann man sich zwischendurch schon mal geben. Man darf nur nicht zu viel Zeit mit ihm verbringen, sonst fühlt er sich zu sicher und fängt wieder an, den Arschlochfaktor mehr hochzuschrauben, als ich das mag, und man sollte eine gewisse Grunddistanz wahren. Genug Nähe, um ein bisschen Wärme abzukriegen, aber genug Abstand, um meine irrsinnige Verletzlichkeit für mich zu behalten.
Klingt anstrengender, als es ist, es gibt traurige Gestalten, für die der Kleinkrieg, den ich gelegentlich mit der Egoschleuder führe, Alltagsrealität in Form einer Beziehung ist.
"Du, langsam wirds schon ein bisschen kalt..wollen wir dann wieder rein?" Da, er hat mich schon wieder nach meiner Meinung gefragt. Ich sage es doch, Wunder geschehen.
Er findet es doof, sich ins Fenster zu setzen und der Sonne beim endgültigen Abtauchen zuzuschauen, also lassen wir das und hören noch ein bisschen Musik, bis sein Kopf auf meiner Schulter immer schwerer wird und er einfach einschläft. Also schiebe ich ihn ein Stück zur Seite und in eine meiner Meinung nach halbwegs schlaftaugliche Position, klettere über ihn und aus dem Bett und setze mich noch ein bisschen zu Kater Mayhem ins Wohnzimmer, der erst verschlafen blinzelt, dann faucht und höchst motiviert sämtliche Krallen und Zähne in meiner Hand vergräbt, als ich einen Versuch starte, ihn von dem (schwarzen) Bandshirt, das mir die Egoschleuder endlich gegeben hat und auf dem man helle Katzenhaare naturgemäß ganz wunderbar sieht, runter zu schieben, nur um schließlich zwei Sekunden später schnurrend anzutappsen und sich auf meinem Schoß zusammen zu rollen.
Männer.
Gegen 3 wird die ganze Sache mit Schneidersitz und Rücken gegen die Wand (das Sofa ist nach wie vor umgeklappt, weil die Egoschleuder beim letzten Mal eigentlich dort hätte schlafen sollen, Sicherheitsabstand und so, daraus aber dann doch nichts geworden ist) doch dezent schmerzhaft, und weil ich auch so schon oft genug Rückenschmerzen und davon abgesehen keine Lust habe, morgen mal wieder nicht zu wissen, wie ich eigentlich aufstehen soll, falte ich mich auseinander, platziere das (protestierende) Kätzelein neben dem Shirt, das ich schneller wegziehe, als mein haariger Mitbewohner sich auf die neue favorisierte Schlafunterlage werfen kann,lasse mich beim Zähneputzen von einer sage und schreibe fünf Zentimeter großen Spinne, die sich in der Schräge über dem Spiegel häuslich einzurichten scheint, nachhaltig erschrecken, versuche später mal wieder erfolglos, eine gerechte Platzverteilung der Liegefläche meines Bettes zu erreichen, gebe irgendwann entnervt auf, rolle mich auf meinem Viertel zusammen, frage mich kurz darauf mal wieder, wie es die Egoschleuder fertig bringt, sich im Schlaf circa fünffach zu verrenken, irgendwann so halb auf mich drauf zu werfen, sämtliche Arme und Beine gefühlt mehrfach um mich herum zu verknoten, mich so fest festzuhalten/zu umklammern, dass man meinen könnte, ich würde sonst geklaut werden, und in dieser Position, die jeden Orthopäden zur Verzweiflung bringen würde, zufrieden bis zu acht Stunden am Stück zu schlafen, wenn ich es nicht vorher schaffe, mich zu befreien und irgendwie noch ein kleines Stück Liegefläche zu erkämpfen, und ob es irgendeine Möglichkeit gibt, ihm das abzugewöhnen.
Sein ins Kissen genuscheltes "Duentkommschmirnisch" lässt mich daran zweifeln, diesmal bin ich aber schnell genug, sämtliche Umklammerungsversuche abzuwehren.
Unwilliges Knurrgrummeln seinerseits, ein sehr bestimmtes "Rutsch rüber!", verbunden mit einem Schubser, meinerseits, und fünf Minuten später habe ich meine Hälfte zurückerobert und außerdem eine angenehm nahe, aber nicht zu nahe Schlafposition eingenommen. Geht doch.
Zehn Minuten später ist er wieder eingeschlafen, somit zum offensichtlichen Instinktverhalten zurückgekehrt und ich werde wieder festgehalten, als ginge es um mein Überleben.
Aber kann man sich schonmal geben, das.
Immerhin liegen zwischen uns genug Welten, um in jeder Situation für genug mental-emotionalen Sicherheitsabstand zu sorgen, auch dann, wenn objektiv betrachtet keiner (mehr) da zu sein scheint.
"Deine Stärken? Nichtwissen so rüberzubringen, dass jeder denkt, dass du voll die Ahnung hast, und damit nicht nur durch alle Schuljahre, sondern sogar sehr gut durchs Abi zu kommen."
Die Egoschleuder und ich haben die hochbeinigen, nahezu perfekt würfelförmigen Sessel, die ich bei meinem Umzug aus Opa Mayhems leerer Wohnung und vor dem Sperrmüll gerettet habe, in den Garten getragen, einen umgedrehten leeren Wasserkasten als improvisierten Tisch dazwischengestellt und mich ein bisschen gefeiert.
Natürlich lange nicht so ausgiebig, wie diverse Klassenkameraden das gefühlt seit heute Mittag im Nachbargarten tun, aber man wird ja schließlich auch nicht jünger.
-"Stimmt."
Die Egoschleuder zeigt sich wieder sehr umgänglich und sogar Anzeichen sozialen Verhaltens, so wurde ich diesmal gnädigerweise vorher gefragt, ob ich ihn überhaupt sehen will (wahrheitsgemäße Antwort:"Weiß ich selbst nicht so genau"), bevor er sich aufs Fahrrad geschwungen hat und mal schnell die 15km gefahren ist, und es wurde auch nicht einfach irgendein Wein mitgenommen, sondern einer, der auf der Grenze zwischen halbtrocken und lieblich balanciert, trocken mag ich nämlich eher selten. "Ein, zwei Flaschen Wein krieg ich besser im Rucksack unter als drei Packen Pussybier, und das bringt ja nix, wenn du dann nichts zu trinken hast."
Wir sitzen so im Garten, gelegentlich fliegt mal ein Volleyball oder eine leere Flasche rüber, einmal auch ein ehemaliger Musikkurskollege, irgendwas deutsch-hiphop-abartiges wummert aus einer zu basslastigen Anlage und übertönt dabei das Konzert, das die Grillen hier jeden Abend für mich geben und das normalerweise bis in mein Luftschloss hinauf sehr gut zu hören ist, und eigentlich ist das alles ganz gut so, angenehmer Durchschnitt eben.
Mit der Egoschleuder verbindet mich zwar kein unzerstörbares seelisches Band und auch keine tiefgreifende Freundschaft, aber wenn er will, kann er relativ angenehme Gesellschaft sein, das kann man sich zwischendurch schon mal geben. Man darf nur nicht zu viel Zeit mit ihm verbringen, sonst fühlt er sich zu sicher und fängt wieder an, den Arschlochfaktor mehr hochzuschrauben, als ich das mag, und man sollte eine gewisse Grunddistanz wahren. Genug Nähe, um ein bisschen Wärme abzukriegen, aber genug Abstand, um meine irrsinnige Verletzlichkeit für mich zu behalten.
Klingt anstrengender, als es ist, es gibt traurige Gestalten, für die der Kleinkrieg, den ich gelegentlich mit der Egoschleuder führe, Alltagsrealität in Form einer Beziehung ist.
"Du, langsam wirds schon ein bisschen kalt..wollen wir dann wieder rein?" Da, er hat mich schon wieder nach meiner Meinung gefragt. Ich sage es doch, Wunder geschehen.
Er findet es doof, sich ins Fenster zu setzen und der Sonne beim endgültigen Abtauchen zuzuschauen, also lassen wir das und hören noch ein bisschen Musik, bis sein Kopf auf meiner Schulter immer schwerer wird und er einfach einschläft. Also schiebe ich ihn ein Stück zur Seite und in eine meiner Meinung nach halbwegs schlaftaugliche Position, klettere über ihn und aus dem Bett und setze mich noch ein bisschen zu Kater Mayhem ins Wohnzimmer, der erst verschlafen blinzelt, dann faucht und höchst motiviert sämtliche Krallen und Zähne in meiner Hand vergräbt, als ich einen Versuch starte, ihn von dem (schwarzen) Bandshirt, das mir die Egoschleuder endlich gegeben hat und auf dem man helle Katzenhaare naturgemäß ganz wunderbar sieht, runter zu schieben, nur um schließlich zwei Sekunden später schnurrend anzutappsen und sich auf meinem Schoß zusammen zu rollen.
Männer.
Gegen 3 wird die ganze Sache mit Schneidersitz und Rücken gegen die Wand (das Sofa ist nach wie vor umgeklappt, weil die Egoschleuder beim letzten Mal eigentlich dort hätte schlafen sollen, Sicherheitsabstand und so, daraus aber dann doch nichts geworden ist) doch dezent schmerzhaft, und weil ich auch so schon oft genug Rückenschmerzen und davon abgesehen keine Lust habe, morgen mal wieder nicht zu wissen, wie ich eigentlich aufstehen soll, falte ich mich auseinander, platziere das (protestierende) Kätzelein neben dem Shirt, das ich schneller wegziehe, als mein haariger Mitbewohner sich auf die neue favorisierte Schlafunterlage werfen kann,lasse mich beim Zähneputzen von einer sage und schreibe fünf Zentimeter großen Spinne, die sich in der Schräge über dem Spiegel häuslich einzurichten scheint, nachhaltig erschrecken, versuche später mal wieder erfolglos, eine gerechte Platzverteilung der Liegefläche meines Bettes zu erreichen, gebe irgendwann entnervt auf, rolle mich auf meinem Viertel zusammen, frage mich kurz darauf mal wieder, wie es die Egoschleuder fertig bringt, sich im Schlaf circa fünffach zu verrenken, irgendwann so halb auf mich drauf zu werfen, sämtliche Arme und Beine gefühlt mehrfach um mich herum zu verknoten, mich so fest festzuhalten/zu umklammern, dass man meinen könnte, ich würde sonst geklaut werden, und in dieser Position, die jeden Orthopäden zur Verzweiflung bringen würde, zufrieden bis zu acht Stunden am Stück zu schlafen, wenn ich es nicht vorher schaffe, mich zu befreien und irgendwie noch ein kleines Stück Liegefläche zu erkämpfen, und ob es irgendeine Möglichkeit gibt, ihm das abzugewöhnen.
Sein ins Kissen genuscheltes "Duentkommschmirnisch" lässt mich daran zweifeln, diesmal bin ich aber schnell genug, sämtliche Umklammerungsversuche abzuwehren.
Unwilliges Knurrgrummeln seinerseits, ein sehr bestimmtes "Rutsch rüber!", verbunden mit einem Schubser, meinerseits, und fünf Minuten später habe ich meine Hälfte zurückerobert und außerdem eine angenehm nahe, aber nicht zu nahe Schlafposition eingenommen. Geht doch.
Zehn Minuten später ist er wieder eingeschlafen, somit zum offensichtlichen Instinktverhalten zurückgekehrt und ich werde wieder festgehalten, als ginge es um mein Überleben.
Aber kann man sich schonmal geben, das.
Immerhin liegen zwischen uns genug Welten, um in jeder Situation für genug mental-emotionalen Sicherheitsabstand zu sorgen, auch dann, wenn objektiv betrachtet keiner (mehr) da zu sein scheint.
Thema: gefunden.
I only wish you weren’t my friend
then I could hurt you in the end..
Diesmal kein allgemeiner Welt-, sondern schlicht und zerreißend Herzschmerz.
"Soll ich vorbeikommen?"
-"Nur, wenn du deine Sachen holen willst."
"Ich will meine Sachen aber nicht holen..."
Vermutlich fangen wir, wenn wir uns am Samstag sehen, einfach beide an, zu heulen.
I never claimed to be a saint..
Wieso nimmt mich auch keiner ernst, wenn ich sage, dass ich eine der Personen bin, die nur mit Warnhinweis und Gefahrengutkennzeichung das Haus verlassen sollten.
Thema: kurz gemeldet
03. Juni 13 | Autor: mayhem | 0 Kommentare | Kommentieren
Habe mich aufgerafft und beschlossen, die Welt zu retten.
Oder wenigstens mich.
In 13 Stunden also auf in die Schlacht, vorletzte Runde.
Vorausgesetzt, das Mayhemmobil lässt mich. Im Idealfall kommen wir auch ohne Zwischenfälle wieder heim.
Wohnung aus dem Messi-Status befreien, weil in drei Tagen ein Heizungsmensch kommt und diese richtet (jetzt, wo es sowieso wieder warm wird).
Eigentlich müsste man drei Wochen einplanen.
Mindestens.
Letzte Runde Abitur, von Zytogenetik bis Verhaltenslehre.
Das Festival, auf dem ich zum Großteil Bands ablichten sollte, die jetzt gar nicht mehr teilnehmen (können).
Mindestens ein Einkauf.
Vielleicht endlich ein Treffen mit Mr.Gaunt, nachdem die Egoschleuder, vom Kontaktabbruch nachhaltig mitgenommen, gerade verkündet hat, ihn gestern angerufen und "einfach mal gefragt" zu haben. Antwort tendenziell positiv, nachtschichtbedingt aber dann doch nichts.
Sollte sich die Egoschleuder also zu einem weiteren Anruf bei Mr.Gaunt bequemen, habe ich diese Woche mit Glück was vor. (Sie können sich gar nicht vorstellen, WIE debil-glücklich ich gegrinst habe, auch, wenn ich der Egoschleuder eigentlich gesagt hatte, dass sie sich bloß nicht mehr bei mir melden soll).
Ausmisten. Opa Mayhems Wohnung ist noch genau so, wie er sie vor einem Jahr in Richtung Heim verlassen hat, aber jetzt ist keiner mehr da, der zurückkommt.
Asiate mit der Vatersfreundin. Habe ich ihr irgendwann mal versprochen, und zur Zeit funktioniert die optisch-emotionale (Vor-)Täuschung gegenseitigen Verständnisses ganz gut.
Raucher-Konfrontation. Nachdem er dort die Technik macht, wo ich fotographieren soll(te), lässt sich das vermutlich nicht vermeiden.
Fotoshooting. Gewichtsabnahme und wohl vor allem die Tatsache, dass ich mit 1,76m, der eindeutig längsten Haarmatte in der Gruppe und überhaupt meinem optischen Gesamteindruck das komplette Gegenteil zu den Anderen bilde, haben mir das irgendwie eingebracht.
Ich habe doch gesagt, irgendwann spiele ich wieder Theater.
Und wenn es nur für eine Kamera ist.
Mutmaßlich noch diverse größere und kleinere Weltuntergänge, von denen ich aber aktuell noch keine Ahnung habe und jetzt auch noch nichts wissen will.
Sie kennen mich, ich komme zurecht.
Oder wenigstens mich.
In 13 Stunden also auf in die Schlacht, vorletzte Runde.
Vorausgesetzt, das Mayhemmobil lässt mich. Im Idealfall kommen wir auch ohne Zwischenfälle wieder heim.
Wohnung aus dem Messi-Status befreien, weil in drei Tagen ein Heizungsmensch kommt und diese richtet (jetzt, wo es sowieso wieder warm wird).
Eigentlich müsste man drei Wochen einplanen.
Mindestens.
Letzte Runde Abitur, von Zytogenetik bis Verhaltenslehre.
Das Festival, auf dem ich zum Großteil Bands ablichten sollte, die jetzt gar nicht mehr teilnehmen (können).
Mindestens ein Einkauf.
Vielleicht endlich ein Treffen mit Mr.Gaunt, nachdem die Egoschleuder, vom Kontaktabbruch nachhaltig mitgenommen, gerade verkündet hat, ihn gestern angerufen und "einfach mal gefragt" zu haben. Antwort tendenziell positiv, nachtschichtbedingt aber dann doch nichts.
Sollte sich die Egoschleuder also zu einem weiteren Anruf bei Mr.Gaunt bequemen, habe ich diese Woche mit Glück was vor. (Sie können sich gar nicht vorstellen, WIE debil-glücklich ich gegrinst habe, auch, wenn ich der Egoschleuder eigentlich gesagt hatte, dass sie sich bloß nicht mehr bei mir melden soll).
Ausmisten. Opa Mayhems Wohnung ist noch genau so, wie er sie vor einem Jahr in Richtung Heim verlassen hat, aber jetzt ist keiner mehr da, der zurückkommt.
Asiate mit der Vatersfreundin. Habe ich ihr irgendwann mal versprochen, und zur Zeit funktioniert die optisch-emotionale (Vor-)Täuschung gegenseitigen Verständnisses ganz gut.
Raucher-Konfrontation. Nachdem er dort die Technik macht, wo ich fotographieren soll(te), lässt sich das vermutlich nicht vermeiden.
Fotoshooting. Gewichtsabnahme und wohl vor allem die Tatsache, dass ich mit 1,76m, der eindeutig längsten Haarmatte in der Gruppe und überhaupt meinem optischen Gesamteindruck das komplette Gegenteil zu den Anderen bilde, haben mir das irgendwie eingebracht.
Ich habe doch gesagt, irgendwann spiele ich wieder Theater.
Und wenn es nur für eine Kamera ist.
Mutmaßlich noch diverse größere und kleinere Weltuntergänge, von denen ich aber aktuell noch keine Ahnung habe und jetzt auch noch nichts wissen will.
Sie kennen mich, ich komme zurecht.
Thema: persoenlichkeitsfetzen
31. Mai 13 | Autor: mayhem | 0 Kommentare | Kommentieren
...on the way that has no end
Irgendwie überstehe ich eineinhalb Stunden Kirche und eine Stunde Friedhof im Dunstkreis der Weihrauchschleuder, auf nüchternen Magen natürlich, weil mein Vater darauf bestanden hat, um 13.15 in der Kirche zu sein, schließlich soll es um 14Uhr beginnen.
Zu viele fremde Menschen, zu viel Entfremdung.
Die Kälte, die man sich für Familienzusammenkünfte aufspart, quillt aus allen Rillen und Winkeln und Löchern der mühsam freundlichen Fassade, die die mutmaßliche Restverwandschaft um sich hochgezogen hat, und alles starrt.
Als ich kein Weihwasser auf den Sarg schleudere.
Als ich nicht mitbete.
Als ich nicht zur Kommunion zum Altar gehe.
Als ich nicht mitsinge.
Dastehen, starren, Blicke meiden. Ich weiß, dass ihr mich durchleuchtet.
Wieder singen, wieder beten. Beim "Segne du Maria..." krallen der eventuell-Onkel, Papa Mayhem und ich uns synchron in unsere Schirme.
Der Eventuell-Onkel und ich behalten die Fassung, Papa Mayhem fängt an, aus den Augen zu tropfen.
Männer dürfen doch nicht weinen, erst recht nicht, wenn das halbe Dorf zuschaut.
Den einsekündigen Versuch, seine Hand kurz zu drücken, breche ich genauso schnell wieder ab, wie ich ihn gestartet habe, und kehre zurück in meine Isolation.
Kein Gebet.
Keine Worte.
Kein Erde-aufs-Grab-Schaufeln.
Lediglich eine nur in Gedanken ausgesprochene Entschuldigung dafür, dass ich während dem kompletten Gottesdienst geistig nicht dabei war. Respektlos, ja.
Bitte sei mir nicht böse, denke ich, deute das erste und einzige Kreuzzeichen des heutigen Tages an und versuche, irgendwie zu meiner Mutter durchzukommen.
Keine Chance, Durchgang verstopft, irgendwelche dicken, überschminkten, dauergewellten alten Frauen stehen da und versuchen wiederum, an mir vorbeizukommen, um der Vatersfreundin Beileid zu wünschen, die wenigstens den Anstand hat, so zu tun, als würde sie es wundern, dass alle mit ihr reden wollen und niemand mit mir.
Noch mehr dicke Frauen und Menschen, die ich nicht kenne, rechts neben mir Gräber, links neben mir Hecke, vor mir Stau,hinter mir auch, ich will doch einfach nur zu meiner Mutter.
Und dann ist mit einem Mal das, was an der Urnenwand passiert, interessanter als das Grab, für dessen Zuschaufeln man gerade ansteht.
Ich hasse es.
Zuviel Entfremdung, zu viel Heuchelei, zu wenig Sensibilität.
Das bisschen Rücksichtnahme, das man sich mühsam für heute zusammengekratzt hat, verabschiedet sich innerhalb der ersten zehn Minuten beim Leichenschmaus, die Mutation zum normalen Familientreffen beginnt, als die ersten Krankheitsgeschichten ausgetauscht werden.
Bilanz: zwei Stücke Kuchen, drei Brötchenhälften jeweils mit Käse, fünfmal "Hast du jetzt eigentlich schon deinen Abschluss?", zweimal "Ach, du bist ja eine hübsche junge Frau geworden!", eine Frage nach dem aktuellen Gesundheitszustand des Mayhemmobils.
Zweimal absolute Verstümmelung meines Namens durch einen alten Mann, den ich (wie so viele der Anwesenden) vorher noch nie gesehen habe, und der erst ihre Schwester, dann die Vatersfreundin selbst zu meiner Mutter erklärt. Hat ja schließlich kurze Haare, wie es bei meiner Mutter war, und in etwa die gleiche Körpergröße, und den Rest kann man ja getrost unter den Tisch fallen lassen.
Schade, dass ich zu alt bin, um wie meine Großgroßcousine das Smartphone zu zücken und völlig legitim nicht mehr ansprechbar zu sein, mit fast 19 kann man leider nicht mehr mit "pubertäre Ultracool-Trotzphase" argumentieren.
Im Gegensatz zu mir mit 13 haut sie zum schwarzen Kajal aber noch eine Ladung grauen Lidschatten aufs Auge und helles Makeup ins Gesicht und perfektioniert damit den Kontrast zu ihrer Kinderkleidung und ihrem Kinderaussehen.
Wenigstens nicht Glitzerlidschatten+zu dunkle Foundation, es scheint sich eindeutig positiv auszuwirken, dass ihr Freund, zumindest den Aufklebern auf seinem Auto (ich gehe davon aus, dass es seines ist, schließlich ist er 21) nach zu urteilen, der Metalfraktion zuzuordnen ist.
"SO JUNG UND SCHON TINNITUS??", schreit mir der Mensch, der die letzte halbe Stunde damit verbracht hat, meinem wahrscheinlich dauerhaft arbeitsunfähigen Vater zu erklären, wie anstrengend seine Reha für ihn, aber wie gut es doch ist, dass man bei ihm die angerissene Rotatoren-Manschette in der Schulter früh bemerkt hat, ins kaputte Ohr.
"Kein Tinnitus, nur Reißen und Rauschen, wenn man laut reinschreit oder es allgemein laut ist", korrigiere ich, möglichst neutral im Ton, "Und nach zu großer Lärmbelastung höre ich eine Weile nicht ganz so gut drauf."
-"Jaja, ich hab das ja auch, mit dem Tinnitus, das ist so eine Sache...."
Ich beschließe, meinem Tinnitus, der keiner ist, meinem Vater, dessen Rotatoren-Manschette nicht angerissen, sondern aufgeplatzt, abgerissen und zerfetzt ist, und mir einen Gefallen zu tun und uns mit einem freundlichen, aber bestimmten "Willst du eine Brötchenhälfte?" wieder an unseren Tisch zurück und raus aus der Unterhaltung mit dem Schreimenschen von nebendran zu holen.
Familienhälfte eins (Team Eventuell-Onkel) und Familienhälfte zwei (Team Papa Mayhem-Vatersfreundin-so halb ich) schweigen sich noch eine Weile an und verachten sich eisig und wortlos, die Eventuell-Tante beobachtet genau, was und wie viel ich esse und legt sich demonstrativ nur eine Scheibe Belag auf ihre Brötchenhälfte, wenn ich mich zu zwei Scheiben Käse pro Hälfte überrede und das auch knallhart durchziehe.
Trotzdem bin ich dünner als sie.
"Wir sind ja jetzt verlobt", verkündet die Eventuell-Cousine gedehnt und tätschelt ihrem Jetzt-Verlobten die Hand. "Ich habe gehört, dein Freund und du haben sich getrennt, mayhem?"
-"Ja, ist jetzt bald nen Monat her."
"Ach, das tut mir aber Leid."
Falsche Schlange.
-"Das passt schon, lieber so, als dann irgendwann in ner Sackgasse zu stehen und zu merken, dass man nur aus Gewohnheit und Angst vorm Alleinesein überhaupt da gelandet ist". Was in etwa der Beziehungssituation entspräche, in der sowohl ihre Eltern, als auch sie selbst stecken.
Ich bin lieber halb tot vor Herzschmerz und dafür ehrlich verliebt, als bequem in steriler Scheinzufriedenheit festbetoniert...
Denke es mir und frage mich noch im selben Moment, warum es das Schicksal zur Zeit mit dem "halb tot vor (Herz)schmerz" so verdammt ernst meinen muss.
Irgendwie überstehe ich eineinhalb Stunden Kirche und eine Stunde Friedhof im Dunstkreis der Weihrauchschleuder, auf nüchternen Magen natürlich, weil mein Vater darauf bestanden hat, um 13.15 in der Kirche zu sein, schließlich soll es um 14Uhr beginnen.
Zu viele fremde Menschen, zu viel Entfremdung.
Die Kälte, die man sich für Familienzusammenkünfte aufspart, quillt aus allen Rillen und Winkeln und Löchern der mühsam freundlichen Fassade, die die mutmaßliche Restverwandschaft um sich hochgezogen hat, und alles starrt.
Als ich kein Weihwasser auf den Sarg schleudere.
Als ich nicht mitbete.
Als ich nicht zur Kommunion zum Altar gehe.
Als ich nicht mitsinge.
Dastehen, starren, Blicke meiden. Ich weiß, dass ihr mich durchleuchtet.
Wieder singen, wieder beten. Beim "Segne du Maria..." krallen der eventuell-Onkel, Papa Mayhem und ich uns synchron in unsere Schirme.
Der Eventuell-Onkel und ich behalten die Fassung, Papa Mayhem fängt an, aus den Augen zu tropfen.
Männer dürfen doch nicht weinen, erst recht nicht, wenn das halbe Dorf zuschaut.
Den einsekündigen Versuch, seine Hand kurz zu drücken, breche ich genauso schnell wieder ab, wie ich ihn gestartet habe, und kehre zurück in meine Isolation.
Kein Gebet.
Keine Worte.
Kein Erde-aufs-Grab-Schaufeln.
Lediglich eine nur in Gedanken ausgesprochene Entschuldigung dafür, dass ich während dem kompletten Gottesdienst geistig nicht dabei war. Respektlos, ja.
Bitte sei mir nicht böse, denke ich, deute das erste und einzige Kreuzzeichen des heutigen Tages an und versuche, irgendwie zu meiner Mutter durchzukommen.
Keine Chance, Durchgang verstopft, irgendwelche dicken, überschminkten, dauergewellten alten Frauen stehen da und versuchen wiederum, an mir vorbeizukommen, um der Vatersfreundin Beileid zu wünschen, die wenigstens den Anstand hat, so zu tun, als würde sie es wundern, dass alle mit ihr reden wollen und niemand mit mir.
Noch mehr dicke Frauen und Menschen, die ich nicht kenne, rechts neben mir Gräber, links neben mir Hecke, vor mir Stau,hinter mir auch, ich will doch einfach nur zu meiner Mutter.
Und dann ist mit einem Mal das, was an der Urnenwand passiert, interessanter als das Grab, für dessen Zuschaufeln man gerade ansteht.
Ich hasse es.
Zuviel Entfremdung, zu viel Heuchelei, zu wenig Sensibilität.
Das bisschen Rücksichtnahme, das man sich mühsam für heute zusammengekratzt hat, verabschiedet sich innerhalb der ersten zehn Minuten beim Leichenschmaus, die Mutation zum normalen Familientreffen beginnt, als die ersten Krankheitsgeschichten ausgetauscht werden.
Bilanz: zwei Stücke Kuchen, drei Brötchenhälften jeweils mit Käse, fünfmal "Hast du jetzt eigentlich schon deinen Abschluss?", zweimal "Ach, du bist ja eine hübsche junge Frau geworden!", eine Frage nach dem aktuellen Gesundheitszustand des Mayhemmobils.
Zweimal absolute Verstümmelung meines Namens durch einen alten Mann, den ich (wie so viele der Anwesenden) vorher noch nie gesehen habe, und der erst ihre Schwester, dann die Vatersfreundin selbst zu meiner Mutter erklärt. Hat ja schließlich kurze Haare, wie es bei meiner Mutter war, und in etwa die gleiche Körpergröße, und den Rest kann man ja getrost unter den Tisch fallen lassen.
Schade, dass ich zu alt bin, um wie meine Großgroßcousine das Smartphone zu zücken und völlig legitim nicht mehr ansprechbar zu sein, mit fast 19 kann man leider nicht mehr mit "pubertäre Ultracool-Trotzphase" argumentieren.
Im Gegensatz zu mir mit 13 haut sie zum schwarzen Kajal aber noch eine Ladung grauen Lidschatten aufs Auge und helles Makeup ins Gesicht und perfektioniert damit den Kontrast zu ihrer Kinderkleidung und ihrem Kinderaussehen.
Wenigstens nicht Glitzerlidschatten+zu dunkle Foundation, es scheint sich eindeutig positiv auszuwirken, dass ihr Freund, zumindest den Aufklebern auf seinem Auto (ich gehe davon aus, dass es seines ist, schließlich ist er 21) nach zu urteilen, der Metalfraktion zuzuordnen ist.
"SO JUNG UND SCHON TINNITUS??", schreit mir der Mensch, der die letzte halbe Stunde damit verbracht hat, meinem wahrscheinlich dauerhaft arbeitsunfähigen Vater zu erklären, wie anstrengend seine Reha für ihn, aber wie gut es doch ist, dass man bei ihm die angerissene Rotatoren-Manschette in der Schulter früh bemerkt hat, ins kaputte Ohr.
"Kein Tinnitus, nur Reißen und Rauschen, wenn man laut reinschreit oder es allgemein laut ist", korrigiere ich, möglichst neutral im Ton, "Und nach zu großer Lärmbelastung höre ich eine Weile nicht ganz so gut drauf."
-"Jaja, ich hab das ja auch, mit dem Tinnitus, das ist so eine Sache...."
Ich beschließe, meinem Tinnitus, der keiner ist, meinem Vater, dessen Rotatoren-Manschette nicht angerissen, sondern aufgeplatzt, abgerissen und zerfetzt ist, und mir einen Gefallen zu tun und uns mit einem freundlichen, aber bestimmten "Willst du eine Brötchenhälfte?" wieder an unseren Tisch zurück und raus aus der Unterhaltung mit dem Schreimenschen von nebendran zu holen.
Familienhälfte eins (Team Eventuell-Onkel) und Familienhälfte zwei (Team Papa Mayhem-Vatersfreundin-so halb ich) schweigen sich noch eine Weile an und verachten sich eisig und wortlos, die Eventuell-Tante beobachtet genau, was und wie viel ich esse und legt sich demonstrativ nur eine Scheibe Belag auf ihre Brötchenhälfte, wenn ich mich zu zwei Scheiben Käse pro Hälfte überrede und das auch knallhart durchziehe.
Trotzdem bin ich dünner als sie.
"Wir sind ja jetzt verlobt", verkündet die Eventuell-Cousine gedehnt und tätschelt ihrem Jetzt-Verlobten die Hand. "Ich habe gehört, dein Freund und du haben sich getrennt, mayhem?"
-"Ja, ist jetzt bald nen Monat her."
"Ach, das tut mir aber Leid."
Falsche Schlange.
-"Das passt schon, lieber so, als dann irgendwann in ner Sackgasse zu stehen und zu merken, dass man nur aus Gewohnheit und Angst vorm Alleinesein überhaupt da gelandet ist". Was in etwa der Beziehungssituation entspräche, in der sowohl ihre Eltern, als auch sie selbst stecken.
Ich bin lieber halb tot vor Herzschmerz und dafür ehrlich verliebt, als bequem in steriler Scheinzufriedenheit festbetoniert...
Denke es mir und frage mich noch im selben Moment, warum es das Schicksal zur Zeit mit dem "halb tot vor (Herz)schmerz" so verdammt ernst meinen muss.
