Thema: monolog
zwischenmenschliches wider Willen: About Egon
Die Vatersfreundin, die anscheinend wirklich vergessen hat, wo sie eigentlich wohnt, begann den heutigen Tag genau so, wie der gestrige aufhörte: Mit dem Hinweis auf ihren Neffen, nennen wir ihn Egon.
"Der Egon ist ja so ein netter, dem könntest du wirklich eine Chance geben", legte sie los, als wir am Küchentisch saßen, sie mit Kaffee und Zeitung, ich mit Tee und Geschichtsbuch.
"Nicht beim Essen, ich habe so früh einen empfindlichen Magen", jammerte ich,fast ebenso theatralisch, wie sie sich sonst beschwert.
"Hm Essen, Essen findet man in dem Haus ja nicht", ging das Gezetere wieder los. Ich war mit Haferflocken oder Brot eigentlich ganz zufrieden..
Sie fuhr fort, indem sie sich über den Instantkaffee beklagte, den sie anstelle des Kaffeepulverkaffees aus der Maschine trinken musste, weil letztere, ich vermute wegen Überlastung, ihre Arbeit eingestellt hat, und ich dachte schon, das Thema Egon wäre vom Tisch, als sie es wieder aufsammelte und auf ihren Teller warf.
"Der würde so gut passen, das ist ein ganz bodenständiger Mensch, im Gegensatz zu dir hat der auch was richtiges gelernt, und der denkt ganz rational und praktisch, vielleicht würde dir das ganz gut tun".
-"Nein, danke".
"Naja, auf der Hochzeit ist er ja auch. Achja, wegen der Hochzeit, da gehst du aber vorher Kleidung kaufen, damit du was richtiges anhast. Und denk dran, kein Kleid, und wenn, dann eines auf Wadenlänge, du willst ja nicht von der Braut ablenken. Deshalb lässt du am besten auch deine Haare nicht offen, die sind ja viel länger als ihre..Überhaupt, willst du die nicht mal schneiden? Gehen ja schon bis zur Rückenmitte, wenn sie so runterhängen."
Ich sollte mich nicht mehr mit offenen und glatt gebürsteten Haaren an den Tisch setzen. Oder zehn Minuten warten, bis sie sich wieder wellen.
-"Ich zieh ne schwarze Hose an, Jacke oder Blazer dazu, Dutt, fertig.Ok?"
"Ja, aber nicht,dass du da wieder so einen extravaganten Schmuck in den Haaren hast. Ganz einfach, ganz schlicht, so mach ich das auch".
-"Deine Haarlänge beträgt maximal 3cm, du kannst sie glaube ich nicht so wirklich zusammenbinden..."
"Ist so eh viel praktischer und vielseitiger als einfach nur lange Haare."
Jaja, die Hochzeit und der (oder das?) Egon. Dauerthema, ist ja schließlich nur noch ein Monat hin.
Zwischenmenschlich weggehauen: Die Sache mit der Zellatmung
Ich war relativ froh, der Vatersfreundin (und Egon) entkommen zu sein, als ich, Busverspätung sei Dank etwas in Eile, meine Klassenzimmertür aufriss und in die verwirrten Gesichter der Abiturienten sah, die gerade irgendeine Besprechung hatten.
"Ähm.. sorry. Ich dachte, ich hätte hier Unterricht", entschuldigte ich mich, hoffte, nicht rot geworden zu sein und machte kehrt, erfuhr nach einem Blick auf den Vertretungsplan, dass meine ersten beiden Stunden ausfielen und nutzte die Zeit sinnvoll, um mir genug Kaffee einzuflößen, um wenigstens erst nach 90 Minuten Geschichts- und Sozialkundeklausur einzuschlafen.
Gelang mir auch ganz gut, dafür kippte ich in Biologie fast mit dem Kopf auf die Tischplatte (unpraktisch,wenn man so früh aufsteht und bis geschätzt zwei Uhr nachts noch für seine Klausuren gelernt hat), wovor mich nur die Tatsache bewahrte, dass der Standardkommentator, der mit der teuren Kamera, der eigentlich keine Ahnung hat, aber trotzdem immer schlau tun will, genau in diesem Moment mit einem Stift nach mir warf, der mich auch am Kopf traf, sodass ich zusammenzuckte und wenigstens physisch wieder da war.
"Mist, ging nicht durchs Ohrloch", fluchte er.
-"Herr Kommentator, kommen Sie doch bitte zur Abfrage nach vorne."
Ha, Triumph.
Murrend schlurfte er zur Tafel und stellte sein Nichtwissen unter Beweis.
Selbst der sonst sehr emotionslose Biologielehrer seufzte tief und versuchte, die null Punkte irgendwie zu vermeiden,was sich als ziemlich schwierig erwies.
Ich dachte währenddessen an diverse frauenfeindliche, beleidigende und/oder einfach dumme Sprüche, die ich mir immer dann anhören musste, wenn der Kommentator gerade seine coole Phase hatte, und als er wieder einen dummen Kommentar abgab, nachdem die Zweckgemeinschaft auf Wunsch der Lehrkraft einen Korrekturhinweis angebracht hatte, den der Kommentator leider nicht verstanden hatte, riss mein schon seit Monaten überdehnter Geduldsfaden.
Vermutlich zum ersten Mal in der Geschichte des diesjährigen Biologieunterrichts meldete ich mich,was die Lehkraft so überraschte, dass ich gleich aufgerufen wurde, mit erstaunlich viel Selbstbewusstsein zur Tafel ging, dem Kommentator die Kreide aus der Hand riss und die seit zehn Minuten gefragte Gesamtgleichung der aeroben Dissimilation aufbaute, ausglich und dem Kommentator schließlich die Kreide wieder in die Hand drückte, nicht ohne noch einen weiteren Hinweis anzubringen: "Achja, wegen der Einstiegsfrage:der rote Blutfarbstoff ist übrigens nicht in den Mitochondrien, sondern in den roten Blutkörperchen alias den Erythrozyten, und die sind für den Sauerstofftransport zuständig. Da hast du deine Kreide."
Mit ganz großen Augen starrte mich mein Kurs an und er mir nach, während ich zurück zu meinem Platz ging, und der viel zu Normale applaudierte und meinte "Sauber, den haste weggehauen.Wurd auch mal Zeit".
Der Lehrer zog seine Monobraue hoch. "Herr Normalmensch, ich muss Ihnen in diesem Punkt ausnahmsweise einmal Recht geben".
Ha, Triumph.
Das war für die Zweckgemeinschaft.
zwischenmenschlich überrascht:Beziehungs- und andere Dramen
"Ey, du kennst doch xy von der Realschule,oder?", fragte mich die Informationsschaltzentrale, als wir gerade für einen Mensabon anstanden.
-"Ja,wir waren mal in einer Klasse, was ist mit ihr?"
"Die ist frei schwanger!"
-"Oha."
"Waaaas, die ist schwanger?", mischte sich Blondine Nr.2 ein, die gerade mit Blondine Nr.3 ebenfalls anstand, "hat die überhaupt nen Kerl?"
"Ja schon, seit fünf Monaten. Und im dritten Monat isse jetzt schwanger", informiert uns die Schaltzentrale. "Krasse Sache, die hatte ja erst vorgestern Geburtstag, ist 17 geworden, und jetzt angeblich daheim rausgeflogen".
Irgendwie häufen sich bei uns die akut minderjährigen Schwangerschaften.
Blondinenfraktion und Informationsschaltzentrale fahren fort, das Problem zu diskutieren, während vor meinem inneren Auge xy erschien. Ich kannte sie aus der Grundschule,wir hatten eigentlich nicht so viel miteinander zu tun, und sie gehörte zur einem Außenflügel der Upper Class. Aber vielleicht konnte sie gerade Hilfe gebrauchen..
"Sag mal, Informationsschaltzentrale, ist das sicher,dass sie daheim rausgeworfen worden ist? Und weißt du, wie es jetzt mit ihr und dem Vater vom Kind aussieht?", fragte ich.
"Keine Ahnung, ist halt so gesagt worden.. ob sie mit dem Kerl noch zusammen ist weiß ich nicht, glaub aber schon, vielleicht wollen die auch heiraten..ist ja auch ihre Sache, uns geht das ja nichts an". Sagts und fährt fort, die Geschichte weiter zu zerpflücken.
Hmn, bin auf der Hochzeit meines Stiefbruders in spe eingeladen, war bereits auf der Beerdigung einer ehemaligen Klassenkameradin und eine andere ist schwanger im dritten Monat, und dabei bin ich noch nicht mal 18. Verrückte Welt.
Nach Erwerb des Mensabons folgt das, was auch bei den letzten Minderjährigenschwangerschaften, die an unserer Schule waren, zwanghaft jedes Mal wieder auftauchte: Das "Wenn ich schwanger wäre, dann.."
Die Informationszentrale sagt, so ein Kind,das fände sie voll toll, sind ja putzig, die kleinen, und ihr Freund, das sei ja sowieso ihr Traummann, mit dem sie immer zusammenbleiben würde. Sie könne sich ja vorstellen, mit 18 dann, wenn sie volljährig sei..
Die Blondinen sind sich nicht sicher, welche Meinung sie vertreten, stimmen mir aber zu, als ich zu bedenken gebe,dass die Informationsschaltzentrale eventuell nicht weiß, was so ein Kind alles bedeutet.
Sie lässt sich nicht abbringen und sagt, sie sei eben reifer als ich und würde das besser hinkriegen, ich sei ja nur neidisch, weil sie so einen tollen Freund habe.
Blondine Nr.3 äußert den Verdacht, bei mir würde es sich nicht um so ein "Terrorweib" handeln wie bei der Schaltzentrale, vermutlich würde ich deshalb keinen Freund haben, weil ich mich nicht genug ranschmeiße und kleben bleibe.
Ich bringe den dezenten Hinweis an,dass das solo sein auch Vorteile hat und ich plane, alleine mit meiner kleinen Katzenherde in einem netten Bungalow zu wohnen, sollte mir nicht spontan jemand über den Weg laufen, mit dem ich mein Restleben lieber verbringen würde als mit der Katzenherde. Wobei ich meine Katzenherde eventuell auch mit einer anderen Person teilen würde.
Blondine Nr.2 sagt, eigentlich findet sie das ganz cool, wie ich so mein Ding machen würde.
menschlich sympathisch: Macht doch nichts, Frau Mayhem!
"Freiwillige..irgendwer?" Der Fotographielehrer wirkt genau so motiviert wie wir, als er mit gelangweilter Stimme die Frage in den Raum wirft.
Es geht um eine Bildanalyse, genauer gesagt die technischen und gestalterischen Aspekte. Natürlich wittert der Kommentator seine Chance, wieder ein wenig schlauer zu wirken (er muss ja seine Bioabfrage ausgleichen), indem er wahllos ein paar Fachbegriffe in den Raum wirft, und so schleudert er seine Hand förmlich zur Meldung hoch.
"Na gut, leg los". Diese unendliche Begeisterung seitens der Lehrkraft ist immer wieder motivierend. Ja,das war Ironie.
"Also, man kann da ziemlich gut die chromatische Abberation an den Ränden sehen, und da ist fast gar keine Tiefenschärfe, achja, und der Fokus ist wohl eher nach links unten gerichtet worden", legt er selbstsicher los, wohlgemerkt beim Anblick eines Bildes, das keinerlei Farbränder oder Unschärfen zeigt, bis weit ins Bild und den Hintergrund hinein hingegen völlig scharf ist und bei dem ganz klar kein manueller Fokus verwendet wurde.
"Nein". Danke, Herr Fotolehrer.
"Doch, die chromatische Abberation ist hier sehr auffällig, bei meiner Kamera habe ich das nicht so", versuchte er, sich durchzusetzen, doch er wurde wieder unterbrochen:"Nein, da ist keine Farbunschärfe am Rand, um das mal so zu erklären,dass es die anderen auch verstehen. Und es wurde sicherlich kein manueller Fokus gesetzt, da es sich eindeutig um einen Schnappschuss handelt, wenn auch um einen sehr gut gelungenen". Leises Lachen aus den Reihen der ebenfalls vom wahllosen Pseudofachchinesisch geplagten anderen Kursteilnehmer.
"Ja gut. In Sachen Bildkomposition fällt auf,dass das eine Ordnung hat,es steht ja eine dicke Frau neben einer dünnen, und da ein Mann in dunklen Kleidern, der eine Frau in hellen Kleidern im Arm hält, dieser bewusste Kontrast.." "Nein." Wieder unterbrach ihn der Lehrer. "Mayhem, sag du doch mal was dazu". Wieso eigentlich ich?
Aufbauender Lehrerblick in meine Richtung.
"Naja, ich glaube..", setzte ich an, wurde aber vom Kommentator unterbrochen: "Was du glaubst, das erzähl mal deinem Priester. Das ist ganz eindeutig sichtbar, dass das geordnet ist!" Wie er sich reingsteigerte.
"Nein man". Wie aggressiv mich dieser Mensch machen konnte. "Es ist eben nicht genau geordnet, das ist eine Aufnahme aus einer Fußgängerzone, in der die Leute laufen,alle durcheinander und nicht geordnet, selbst an dem einen Essensstand rechts hinten stehen sie nicht geordnet an sondern im Knäuel, und überhaupt ist keine Ordnung im Bild ersichtlich, wie es bei Schnappschüssen eben oft ist."
"Danke, Frau Mayhem,dann mach doch bitte gleich auch die Interpretation".
Allgemeines Aufatmen derer, die es diesmal nicht getroffen hatte, während ich drei Minuten Zeit bekam, um mir Gedanken über die Aussage des Bildes zu machen.
Vollgestopfte Fußgängerzone, Shoppingmeile. Fotographie. Chaos, viele verschiedene Menschen,keiner scheint den anderen anzusehen. Müll, viel Müll. Überquellende Abfalleimer.Taubendreck.
"Also, ich höre?"
Ich erzähle ihm eine Geschichte von Großstadtanonymität, Kritik an der Konsumgesellschaft, Müllüberflutung und Wegwerfleben, traurigen Menschen, Egoisten, Konsum als versuchter Ersatzhandlung für echte menschliche, emotionale Nähe und noch ein paar andere Sachen, und am Schluss schaut der Kursleiter ganz undefinierbar, und weil er der einzige war, der eigentlich gehört hat,was ich sagte, weil der Kommentator wieder so laut schlechte Witze riss, fügte er noch ein "gut" hinzu. Ich solle das doch bitte in der Klausur auch so machen, er wolle wenigstens eine erfreuliche lesen.
Ich sage ihm, aufgrund der Tatsache,dass man technische und gestalterische Mittel erkennen sollte, würde meine Klausur nicht ganz so toll werden, er sagt, das würde schon irgendwie gehen.
Woher auf einmal dieses Vertrauen in meine Person?
Kurze Pause zwischen den Stunden, er hält mich vor Verlassen des Klassenzimmers auf.
"Mayhem,was ist eigentlich mit deiner Notenarbeit von vor den Ferien?"
-"Die, äh, hab ich doch auf dem PC gespeichert?" Mehr oder weniger. "Ist die nicht da?"
"Nein."
-"Oh je.." Naja, einmal null Punkte machen nichts. Gnade kennt er ja keine. "Das heißt jetzt null Punkte, oder?"
"Nein, natürlich nicht!" Wie bitte?
"Du reichst die einfach möglichst schnell nach, dann benote ich sie noch und fertig. Das macht doch nichts".
-"Ich hab meinen usb-Stick glaub ich dabei, da müsste die drauf sein.." Eigentlich wollen Sie die garnicht sehen, weil sie so schlecht ist, einfach nur Bildbearbeitung und dann so ein beschissenes Thema, aber aufgrund der Tatsache,dass ich heute bei Ihnen anscheinend einen gewaltigen Stein, nein, einen ganzen Felsbrocken im Brett zu haben scheine, will ich mein Glück mal nicht zu sehr auf die Probe stellen.
"Ja gut, da hinten steht ja mein Computer, zieh das da mal drauf und dann sehe ich es mir mal an".
Während ich mit dem Rechner kämpfe, gegen den selbst meiner mit Höchstgeschwindigkeit arbeitet, kommen die, die noch zum Milchautomaten gelaufen sind,langsam wieder und der Kommentator beschäftigt sich damit, sinnlos Leute zu fotographieren und dabei immer mal einzuwerfen, dass das Bild aufgrund genau dieser oder jener technischen Gegebenheit ja richtig gut geworden wäre, er habe ja jenes Objektiv benutzt, und dieser Fehler in der Bildqualität käme aufgrund einer gewissen Einstellung an der Kamera sicherlich nicht vor..
Ich beschließe, ihm bei Gelegenheit mit seiner Kamera eins überzubraten.
"Mayhem,was machst du am PC vom Kursleiter?" Fassungsloser Kommentator hinter mir.
"Ich zieh mein Bild drauf".
"Herr Kursleiter,Herr KURSLEITER! " schreit er quer durch den Saal. "Die Mayhem ist an Ihrem PC!!"
"Ja."
Irritierter Kommentator, irgendwie war heute nicht so sein Tag.
Der Kursleiter kommt trotzdem vorbei und schaut, ob alles soweit klappt, während ich mich durch meine Dateien wühle, bekommt er zwangsläufig auch diverse Bilder zu sehen.
"Sind die alle von dir?", fragt er.
-"Ja, außer dem einen mit der roten Katze."
"Immernoch keine Spiegelreflex?"
-"Immernoch die Samsung PL50, zumindest im Geiste, die ist ja immernoch in der Reparatur."
"Originalpreis?"
-"Was um die 70 Euro."
"Ziemlich gute Bildqualität dafür."
-"Die Farben sind ein bisschen sehr kräftig teilweise".
"Naja, ist bei Kompaktkameras für die breite Masse meistens so."
-"Die Fotos sollen ja möglichst interessant wirken."
"In deinem Fall sind sie auch so ganz gut, auch,wenn du den technischen Aspekt ja sehr gerne vernachlässigst".
-"Vermutlich nicht so gut?"
"Wenn man es intuitiv richtig macht, ist das wohl oft auch eine Möglichkeit. Für die Klausur solltest du dich aber mit der Technik befassen, es wird, wie bereits erwähnt, ein reiner Theorietest."
-"Ihr PC lädt ziemlich lange."
"Ich weiß, ich fürchte jedes Mal,die Kiste würde mir um die Ohren fliegen. Ich empfehle dir übrigens wirklich, dich mit den theoretischen und technischen Aspekten auseinander zu setzen, dass würde vielleicht noch ein bisschen mehr herausholen. Eventuell auch die Anschaffung einer größeren Kamera, wie bereits erwähnt. Im Gegensatz zu der Situation bei manch anderen hätte sie bei dir auch eine Daseinsberechtigung. Die Samsung kannst du ja immernoch verwenden, oder erstmal weiter vorwiegend mit ihr fotographieren,je nach Motiv und Gelegenheit."
-"Ich habe kein Geld für eine andere Kamera und bin mit der zufrieden". So, jetzt wissen Sies. Überhaupt, wieso auf einmal diese Gesprächigkeit?
"Man muss ja auch keine perfekten Bilder machen. Manche Leute sind aber so schon relativ nah dran, diesen Leuten würde ich empfehlen, sich eben noch ein bisschen mit der grauen Theorie zu beschäftigen und neben Zeit eventuell auch Geld zu investieren, soweit möglich".
Ich möchte bitte, dass dieses Gespräch aufgezeichnet wird und auf CD gebannt wird, mein Ego würde sich sehr freuen.
-"So, habs gespeichert". Ich erhob mich vom Schreibstischstuhl und ging zurück zu meinem Platz.
"In Sachen gute Bilder sollten Sie vielleicht mit dem Kommentator reden, der hat eine gute Kamera und kennt sich mit den Fachbegriffen und Fakten besser aus als ich". Diesen Hinweis bringe ich noch beim Kursleiter an, bevor ich mich wieder hinsetze.
"Son Bild muss auch nen Ausdruck haben", meint Blondine Nr 3, die im Kurs neben mir sitzt und anscheinend zumindest meinen letzten Satz mitbekommen hatte.
"Richtig", stellt der Kursleiter fest und geht nahtlos dazu über, uns genaue Uhrzeit, Raum und die Bedingungen der Klausur mitzuteilen und danach sämtliche Gründe für ein mögliches bis wahrscheinliches Versagen mitzuteilen.
Die Vatersfreundin, die anscheinend wirklich vergessen hat, wo sie eigentlich wohnt, begann den heutigen Tag genau so, wie der gestrige aufhörte: Mit dem Hinweis auf ihren Neffen, nennen wir ihn Egon.
"Der Egon ist ja so ein netter, dem könntest du wirklich eine Chance geben", legte sie los, als wir am Küchentisch saßen, sie mit Kaffee und Zeitung, ich mit Tee und Geschichtsbuch.
"Nicht beim Essen, ich habe so früh einen empfindlichen Magen", jammerte ich,fast ebenso theatralisch, wie sie sich sonst beschwert.
"Hm Essen, Essen findet man in dem Haus ja nicht", ging das Gezetere wieder los. Ich war mit Haferflocken oder Brot eigentlich ganz zufrieden..
Sie fuhr fort, indem sie sich über den Instantkaffee beklagte, den sie anstelle des Kaffeepulverkaffees aus der Maschine trinken musste, weil letztere, ich vermute wegen Überlastung, ihre Arbeit eingestellt hat, und ich dachte schon, das Thema Egon wäre vom Tisch, als sie es wieder aufsammelte und auf ihren Teller warf.
"Der würde so gut passen, das ist ein ganz bodenständiger Mensch, im Gegensatz zu dir hat der auch was richtiges gelernt, und der denkt ganz rational und praktisch, vielleicht würde dir das ganz gut tun".
-"Nein, danke".
"Naja, auf der Hochzeit ist er ja auch. Achja, wegen der Hochzeit, da gehst du aber vorher Kleidung kaufen, damit du was richtiges anhast. Und denk dran, kein Kleid, und wenn, dann eines auf Wadenlänge, du willst ja nicht von der Braut ablenken. Deshalb lässt du am besten auch deine Haare nicht offen, die sind ja viel länger als ihre..Überhaupt, willst du die nicht mal schneiden? Gehen ja schon bis zur Rückenmitte, wenn sie so runterhängen."
Ich sollte mich nicht mehr mit offenen und glatt gebürsteten Haaren an den Tisch setzen. Oder zehn Minuten warten, bis sie sich wieder wellen.
-"Ich zieh ne schwarze Hose an, Jacke oder Blazer dazu, Dutt, fertig.Ok?"
"Ja, aber nicht,dass du da wieder so einen extravaganten Schmuck in den Haaren hast. Ganz einfach, ganz schlicht, so mach ich das auch".
-"Deine Haarlänge beträgt maximal 3cm, du kannst sie glaube ich nicht so wirklich zusammenbinden..."
"Ist so eh viel praktischer und vielseitiger als einfach nur lange Haare."
Jaja, die Hochzeit und der (oder das?) Egon. Dauerthema, ist ja schließlich nur noch ein Monat hin.
Zwischenmenschlich weggehauen: Die Sache mit der Zellatmung
Ich war relativ froh, der Vatersfreundin (und Egon) entkommen zu sein, als ich, Busverspätung sei Dank etwas in Eile, meine Klassenzimmertür aufriss und in die verwirrten Gesichter der Abiturienten sah, die gerade irgendeine Besprechung hatten.
"Ähm.. sorry. Ich dachte, ich hätte hier Unterricht", entschuldigte ich mich, hoffte, nicht rot geworden zu sein und machte kehrt, erfuhr nach einem Blick auf den Vertretungsplan, dass meine ersten beiden Stunden ausfielen und nutzte die Zeit sinnvoll, um mir genug Kaffee einzuflößen, um wenigstens erst nach 90 Minuten Geschichts- und Sozialkundeklausur einzuschlafen.
Gelang mir auch ganz gut, dafür kippte ich in Biologie fast mit dem Kopf auf die Tischplatte (unpraktisch,wenn man so früh aufsteht und bis geschätzt zwei Uhr nachts noch für seine Klausuren gelernt hat), wovor mich nur die Tatsache bewahrte, dass der Standardkommentator, der mit der teuren Kamera, der eigentlich keine Ahnung hat, aber trotzdem immer schlau tun will, genau in diesem Moment mit einem Stift nach mir warf, der mich auch am Kopf traf, sodass ich zusammenzuckte und wenigstens physisch wieder da war.
"Mist, ging nicht durchs Ohrloch", fluchte er.
-"Herr Kommentator, kommen Sie doch bitte zur Abfrage nach vorne."
Ha, Triumph.
Murrend schlurfte er zur Tafel und stellte sein Nichtwissen unter Beweis.
Selbst der sonst sehr emotionslose Biologielehrer seufzte tief und versuchte, die null Punkte irgendwie zu vermeiden,was sich als ziemlich schwierig erwies.
Ich dachte währenddessen an diverse frauenfeindliche, beleidigende und/oder einfach dumme Sprüche, die ich mir immer dann anhören musste, wenn der Kommentator gerade seine coole Phase hatte, und als er wieder einen dummen Kommentar abgab, nachdem die Zweckgemeinschaft auf Wunsch der Lehrkraft einen Korrekturhinweis angebracht hatte, den der Kommentator leider nicht verstanden hatte, riss mein schon seit Monaten überdehnter Geduldsfaden.
Vermutlich zum ersten Mal in der Geschichte des diesjährigen Biologieunterrichts meldete ich mich,was die Lehkraft so überraschte, dass ich gleich aufgerufen wurde, mit erstaunlich viel Selbstbewusstsein zur Tafel ging, dem Kommentator die Kreide aus der Hand riss und die seit zehn Minuten gefragte Gesamtgleichung der aeroben Dissimilation aufbaute, ausglich und dem Kommentator schließlich die Kreide wieder in die Hand drückte, nicht ohne noch einen weiteren Hinweis anzubringen: "Achja, wegen der Einstiegsfrage:der rote Blutfarbstoff ist übrigens nicht in den Mitochondrien, sondern in den roten Blutkörperchen alias den Erythrozyten, und die sind für den Sauerstofftransport zuständig. Da hast du deine Kreide."
Mit ganz großen Augen starrte mich mein Kurs an und er mir nach, während ich zurück zu meinem Platz ging, und der viel zu Normale applaudierte und meinte "Sauber, den haste weggehauen.Wurd auch mal Zeit".
Der Lehrer zog seine Monobraue hoch. "Herr Normalmensch, ich muss Ihnen in diesem Punkt ausnahmsweise einmal Recht geben".
Ha, Triumph.
Das war für die Zweckgemeinschaft.
zwischenmenschlich überrascht:Beziehungs- und andere Dramen
"Ey, du kennst doch xy von der Realschule,oder?", fragte mich die Informationsschaltzentrale, als wir gerade für einen Mensabon anstanden.
-"Ja,wir waren mal in einer Klasse, was ist mit ihr?"
"Die ist frei schwanger!"
-"Oha."
"Waaaas, die ist schwanger?", mischte sich Blondine Nr.2 ein, die gerade mit Blondine Nr.3 ebenfalls anstand, "hat die überhaupt nen Kerl?"
"Ja schon, seit fünf Monaten. Und im dritten Monat isse jetzt schwanger", informiert uns die Schaltzentrale. "Krasse Sache, die hatte ja erst vorgestern Geburtstag, ist 17 geworden, und jetzt angeblich daheim rausgeflogen".
Irgendwie häufen sich bei uns die akut minderjährigen Schwangerschaften.
Blondinenfraktion und Informationsschaltzentrale fahren fort, das Problem zu diskutieren, während vor meinem inneren Auge xy erschien. Ich kannte sie aus der Grundschule,wir hatten eigentlich nicht so viel miteinander zu tun, und sie gehörte zur einem Außenflügel der Upper Class. Aber vielleicht konnte sie gerade Hilfe gebrauchen..
"Sag mal, Informationsschaltzentrale, ist das sicher,dass sie daheim rausgeworfen worden ist? Und weißt du, wie es jetzt mit ihr und dem Vater vom Kind aussieht?", fragte ich.
"Keine Ahnung, ist halt so gesagt worden.. ob sie mit dem Kerl noch zusammen ist weiß ich nicht, glaub aber schon, vielleicht wollen die auch heiraten..ist ja auch ihre Sache, uns geht das ja nichts an". Sagts und fährt fort, die Geschichte weiter zu zerpflücken.
Hmn, bin auf der Hochzeit meines Stiefbruders in spe eingeladen, war bereits auf der Beerdigung einer ehemaligen Klassenkameradin und eine andere ist schwanger im dritten Monat, und dabei bin ich noch nicht mal 18. Verrückte Welt.
Nach Erwerb des Mensabons folgt das, was auch bei den letzten Minderjährigenschwangerschaften, die an unserer Schule waren, zwanghaft jedes Mal wieder auftauchte: Das "Wenn ich schwanger wäre, dann.."
Die Informationszentrale sagt, so ein Kind,das fände sie voll toll, sind ja putzig, die kleinen, und ihr Freund, das sei ja sowieso ihr Traummann, mit dem sie immer zusammenbleiben würde. Sie könne sich ja vorstellen, mit 18 dann, wenn sie volljährig sei..
Die Blondinen sind sich nicht sicher, welche Meinung sie vertreten, stimmen mir aber zu, als ich zu bedenken gebe,dass die Informationsschaltzentrale eventuell nicht weiß, was so ein Kind alles bedeutet.
Sie lässt sich nicht abbringen und sagt, sie sei eben reifer als ich und würde das besser hinkriegen, ich sei ja nur neidisch, weil sie so einen tollen Freund habe.
Blondine Nr.3 äußert den Verdacht, bei mir würde es sich nicht um so ein "Terrorweib" handeln wie bei der Schaltzentrale, vermutlich würde ich deshalb keinen Freund haben, weil ich mich nicht genug ranschmeiße und kleben bleibe.
Ich bringe den dezenten Hinweis an,dass das solo sein auch Vorteile hat und ich plane, alleine mit meiner kleinen Katzenherde in einem netten Bungalow zu wohnen, sollte mir nicht spontan jemand über den Weg laufen, mit dem ich mein Restleben lieber verbringen würde als mit der Katzenherde. Wobei ich meine Katzenherde eventuell auch mit einer anderen Person teilen würde.
Blondine Nr.2 sagt, eigentlich findet sie das ganz cool, wie ich so mein Ding machen würde.
menschlich sympathisch: Macht doch nichts, Frau Mayhem!
"Freiwillige..irgendwer?" Der Fotographielehrer wirkt genau so motiviert wie wir, als er mit gelangweilter Stimme die Frage in den Raum wirft.
Es geht um eine Bildanalyse, genauer gesagt die technischen und gestalterischen Aspekte. Natürlich wittert der Kommentator seine Chance, wieder ein wenig schlauer zu wirken (er muss ja seine Bioabfrage ausgleichen), indem er wahllos ein paar Fachbegriffe in den Raum wirft, und so schleudert er seine Hand förmlich zur Meldung hoch.
"Na gut, leg los". Diese unendliche Begeisterung seitens der Lehrkraft ist immer wieder motivierend. Ja,das war Ironie.
"Also, man kann da ziemlich gut die chromatische Abberation an den Ränden sehen, und da ist fast gar keine Tiefenschärfe, achja, und der Fokus ist wohl eher nach links unten gerichtet worden", legt er selbstsicher los, wohlgemerkt beim Anblick eines Bildes, das keinerlei Farbränder oder Unschärfen zeigt, bis weit ins Bild und den Hintergrund hinein hingegen völlig scharf ist und bei dem ganz klar kein manueller Fokus verwendet wurde.
"Nein". Danke, Herr Fotolehrer.
"Doch, die chromatische Abberation ist hier sehr auffällig, bei meiner Kamera habe ich das nicht so", versuchte er, sich durchzusetzen, doch er wurde wieder unterbrochen:"Nein, da ist keine Farbunschärfe am Rand, um das mal so zu erklären,dass es die anderen auch verstehen. Und es wurde sicherlich kein manueller Fokus gesetzt, da es sich eindeutig um einen Schnappschuss handelt, wenn auch um einen sehr gut gelungenen". Leises Lachen aus den Reihen der ebenfalls vom wahllosen Pseudofachchinesisch geplagten anderen Kursteilnehmer.
"Ja gut. In Sachen Bildkomposition fällt auf,dass das eine Ordnung hat,es steht ja eine dicke Frau neben einer dünnen, und da ein Mann in dunklen Kleidern, der eine Frau in hellen Kleidern im Arm hält, dieser bewusste Kontrast.." "Nein." Wieder unterbrach ihn der Lehrer. "Mayhem, sag du doch mal was dazu". Wieso eigentlich ich?
Aufbauender Lehrerblick in meine Richtung.
"Naja, ich glaube..", setzte ich an, wurde aber vom Kommentator unterbrochen: "Was du glaubst, das erzähl mal deinem Priester. Das ist ganz eindeutig sichtbar, dass das geordnet ist!" Wie er sich reingsteigerte.
"Nein man". Wie aggressiv mich dieser Mensch machen konnte. "Es ist eben nicht genau geordnet, das ist eine Aufnahme aus einer Fußgängerzone, in der die Leute laufen,alle durcheinander und nicht geordnet, selbst an dem einen Essensstand rechts hinten stehen sie nicht geordnet an sondern im Knäuel, und überhaupt ist keine Ordnung im Bild ersichtlich, wie es bei Schnappschüssen eben oft ist."
"Danke, Frau Mayhem,dann mach doch bitte gleich auch die Interpretation".
Allgemeines Aufatmen derer, die es diesmal nicht getroffen hatte, während ich drei Minuten Zeit bekam, um mir Gedanken über die Aussage des Bildes zu machen.
Vollgestopfte Fußgängerzone, Shoppingmeile. Fotographie. Chaos, viele verschiedene Menschen,keiner scheint den anderen anzusehen. Müll, viel Müll. Überquellende Abfalleimer.Taubendreck.
"Also, ich höre?"
Ich erzähle ihm eine Geschichte von Großstadtanonymität, Kritik an der Konsumgesellschaft, Müllüberflutung und Wegwerfleben, traurigen Menschen, Egoisten, Konsum als versuchter Ersatzhandlung für echte menschliche, emotionale Nähe und noch ein paar andere Sachen, und am Schluss schaut der Kursleiter ganz undefinierbar, und weil er der einzige war, der eigentlich gehört hat,was ich sagte, weil der Kommentator wieder so laut schlechte Witze riss, fügte er noch ein "gut" hinzu. Ich solle das doch bitte in der Klausur auch so machen, er wolle wenigstens eine erfreuliche lesen.
Ich sage ihm, aufgrund der Tatsache,dass man technische und gestalterische Mittel erkennen sollte, würde meine Klausur nicht ganz so toll werden, er sagt, das würde schon irgendwie gehen.
Woher auf einmal dieses Vertrauen in meine Person?
Kurze Pause zwischen den Stunden, er hält mich vor Verlassen des Klassenzimmers auf.
"Mayhem,was ist eigentlich mit deiner Notenarbeit von vor den Ferien?"
-"Die, äh, hab ich doch auf dem PC gespeichert?" Mehr oder weniger. "Ist die nicht da?"
"Nein."
-"Oh je.." Naja, einmal null Punkte machen nichts. Gnade kennt er ja keine. "Das heißt jetzt null Punkte, oder?"
"Nein, natürlich nicht!" Wie bitte?
"Du reichst die einfach möglichst schnell nach, dann benote ich sie noch und fertig. Das macht doch nichts".
-"Ich hab meinen usb-Stick glaub ich dabei, da müsste die drauf sein.." Eigentlich wollen Sie die garnicht sehen, weil sie so schlecht ist, einfach nur Bildbearbeitung und dann so ein beschissenes Thema, aber aufgrund der Tatsache,dass ich heute bei Ihnen anscheinend einen gewaltigen Stein, nein, einen ganzen Felsbrocken im Brett zu haben scheine, will ich mein Glück mal nicht zu sehr auf die Probe stellen.
"Ja gut, da hinten steht ja mein Computer, zieh das da mal drauf und dann sehe ich es mir mal an".
Während ich mit dem Rechner kämpfe, gegen den selbst meiner mit Höchstgeschwindigkeit arbeitet, kommen die, die noch zum Milchautomaten gelaufen sind,langsam wieder und der Kommentator beschäftigt sich damit, sinnlos Leute zu fotographieren und dabei immer mal einzuwerfen, dass das Bild aufgrund genau dieser oder jener technischen Gegebenheit ja richtig gut geworden wäre, er habe ja jenes Objektiv benutzt, und dieser Fehler in der Bildqualität käme aufgrund einer gewissen Einstellung an der Kamera sicherlich nicht vor..
Ich beschließe, ihm bei Gelegenheit mit seiner Kamera eins überzubraten.
"Mayhem,was machst du am PC vom Kursleiter?" Fassungsloser Kommentator hinter mir.
"Ich zieh mein Bild drauf".
"Herr Kursleiter,Herr KURSLEITER! " schreit er quer durch den Saal. "Die Mayhem ist an Ihrem PC!!"
"Ja."
Irritierter Kommentator, irgendwie war heute nicht so sein Tag.
Der Kursleiter kommt trotzdem vorbei und schaut, ob alles soweit klappt, während ich mich durch meine Dateien wühle, bekommt er zwangsläufig auch diverse Bilder zu sehen.
"Sind die alle von dir?", fragt er.
-"Ja, außer dem einen mit der roten Katze."
"Immernoch keine Spiegelreflex?"
-"Immernoch die Samsung PL50, zumindest im Geiste, die ist ja immernoch in der Reparatur."
"Originalpreis?"
-"Was um die 70 Euro."
"Ziemlich gute Bildqualität dafür."
-"Die Farben sind ein bisschen sehr kräftig teilweise".
"Naja, ist bei Kompaktkameras für die breite Masse meistens so."
-"Die Fotos sollen ja möglichst interessant wirken."
"In deinem Fall sind sie auch so ganz gut, auch,wenn du den technischen Aspekt ja sehr gerne vernachlässigst".
-"Vermutlich nicht so gut?"
"Wenn man es intuitiv richtig macht, ist das wohl oft auch eine Möglichkeit. Für die Klausur solltest du dich aber mit der Technik befassen, es wird, wie bereits erwähnt, ein reiner Theorietest."
-"Ihr PC lädt ziemlich lange."
"Ich weiß, ich fürchte jedes Mal,die Kiste würde mir um die Ohren fliegen. Ich empfehle dir übrigens wirklich, dich mit den theoretischen und technischen Aspekten auseinander zu setzen, dass würde vielleicht noch ein bisschen mehr herausholen. Eventuell auch die Anschaffung einer größeren Kamera, wie bereits erwähnt. Im Gegensatz zu der Situation bei manch anderen hätte sie bei dir auch eine Daseinsberechtigung. Die Samsung kannst du ja immernoch verwenden, oder erstmal weiter vorwiegend mit ihr fotographieren,je nach Motiv und Gelegenheit."
-"Ich habe kein Geld für eine andere Kamera und bin mit der zufrieden". So, jetzt wissen Sies. Überhaupt, wieso auf einmal diese Gesprächigkeit?
"Man muss ja auch keine perfekten Bilder machen. Manche Leute sind aber so schon relativ nah dran, diesen Leuten würde ich empfehlen, sich eben noch ein bisschen mit der grauen Theorie zu beschäftigen und neben Zeit eventuell auch Geld zu investieren, soweit möglich".
Ich möchte bitte, dass dieses Gespräch aufgezeichnet wird und auf CD gebannt wird, mein Ego würde sich sehr freuen.
-"So, habs gespeichert". Ich erhob mich vom Schreibstischstuhl und ging zurück zu meinem Platz.
"In Sachen gute Bilder sollten Sie vielleicht mit dem Kommentator reden, der hat eine gute Kamera und kennt sich mit den Fachbegriffen und Fakten besser aus als ich". Diesen Hinweis bringe ich noch beim Kursleiter an, bevor ich mich wieder hinsetze.
"Son Bild muss auch nen Ausdruck haben", meint Blondine Nr 3, die im Kurs neben mir sitzt und anscheinend zumindest meinen letzten Satz mitbekommen hatte.
"Richtig", stellt der Kursleiter fest und geht nahtlos dazu über, uns genaue Uhrzeit, Raum und die Bedingungen der Klausur mitzuteilen und danach sämtliche Gründe für ein mögliches bis wahrscheinliches Versagen mitzuteilen.
Thema: persoenlichkeitsfetzen
Ich weiß nicht, wie lange es noch so ist.
Es wird schlimmer mit der Zeit, wissen Sie?
Nach meiner Mutter hatte ich ein genaues Bild vom menschlichen Verfall, er hatte gelbe Zähne und ein aufgeblähtes Gesicht und roch nach Alkohol und Dingen, die man nicht riechen will, vor allem nicht bei Menschen, die einem lieb sind.
Aber es gibt noch einen anderen menschlichen Verfall, die Art von Verfall, die debil grinsend den Nebel über einem Gehirn ausbreitet wie eine schwarze, schwere Decke, und die Person, deren Gehirn vom Verfall vernebelt wird, die grinst dann auch so,manchmal, und manchmal wirkt sie verwirrt und vernebelt.
Beide Arten des Verfalls haben gemeinsam, dass ich nichts gegen sie machen kann, auch wenn ich hingehen und den einen Verfall ins Gesicht schlagen will und ihm sagen will, lass meinen Großvater in Ruhe und verzieh dich. Wäre der Verfall eine Person, mit der man reden kann, würde er mich auslachen, aber vielleicht könnte ich ja mit ihm diskutieren und ihn davon überzeugen,dass ich Opa Mayhem zurückbekomme.
Leider lässt der Verfall nicht mit sich reden, und so geht es jeden Tag ein Stück weiter.
Und jeden Tag verspreche ich bei jeder der zehn Nachfragen, dass ich kontrollieren werde, ob die Haustür abgeschlossen ist; ob das Fenster im Schlafzimmer meines Vaters geschlossen und der Rolladen heruntergelassen ist; nochmal ob alle Türen zu sind; ob der Keller auch abgschlossen ist.
Höre mir an,was er erzählt, immer wieder das selbe,maximal mit wechselnden Tagesthemen; und versuche einfach, etwaigen Besuch bestmöglich von ihm fernzuhalten, weil ich nicht will, dass er sich belästigt fühlt oder schlimmer, Großvater Mayhem auslacht.
Wer meinen Großvater auslacht, bekommt es mit mir zu tun, hörst du.
Heute war er wieder da und ist länger als sonst geblieben, bevor er wieder abgezogen ist; es war nämlich die Nachbarin da,und so hat er ihr erzählt, was er immer erzählt, von früher, als er zur Arbeit gelaufen ist, von den Frankreichurlauben; von Stationen seiner Kriegsgefangenschaft. Sie sitzt so da und schaut ihn an, handelt nach dem "Nicken&Lächeln"-Schema und weil er so schlecht hört, kann sie zwischendurch zu mir sagen,dass sie das komisch findet, aber irgendwie lustig.
Ich finde es leider nicht lustig und irgendwas schnürt mir die Luft ab, und ich kann mir das nicht länger ansehen und drehe mich weg und sehe, dass die andere Person im iseekyou geschrieben hat und versuche, mich darauf zu konzentrieren, und wenn es nur um Aldi Süd und Aldi Nord geht, Hauptsache, mein Gehirn ist abgelenkt.
Muss trotzdem immer wieder rüberschauen zu ihm, wie er so dasteht und voll und ganz aufgeht in seiner Unterhaltung, weil die Nachbarin richtig handelt: Auf Fragen einfach nicht antworten, er unterbricht einen sowieso und will eigentlich gar nichts hören; lieber so tun,als würde man zu einer Antwort ansetzen und ihn dann weiterreden lassen.
Ich erkenn dich nicht wieder..
Es war doch anders. Es war doch mal anders, eigentlich die ganze Zeit.
Erst jetzt..so extrem, einfach so. Macht er sowas.
Und ich habe Angst vor dem Tag, an dem es zu viel wird; habe mich daran gewöhnt, mit dem Namen meiner Cousinen oder meiner Tante angesprochen zu werden und manchmal sogar mit dem meines Vaters; aber ich habe mich nicht daran gewöhnt,dass der Verfall die Nebeldecke über das Gehirn meines Großvaters geworfen hat und sie da nicht wieder wegräumen will.
Daran will ich mich auch nicht gewöhnen, weil ich es nicht akzeptieren will und vielleicht auch nicht akzeptieren kann.
Wie er vor sich hin verkindlicht und verwirrt wird und vereinsamt, der Nachbarin und dem Postboten vorbrabbelt, was ihm einfällt und mir und jedem,dem er begegnet; es unmöglich macht,pünktlich das Haus zu verlassen, weil er einen in Unterhaltungen festnagelt; auf seine Fragen keine Antwort hören möchte, aber irgendwie auch eine voraussetzt und ich weiß einfach nicht, wie ich mich noch verhalten soll.
Und als er wieder weg ist, da fängt die Nachbarin laut an, zu lachen, sie findet es ja so lustig, den verwirrten kleinen alten Mann.
Ich sehe sie an und mir ist eher nach Heulen zu Mute, und ich überlege, ob ich ihr das sage, aber dann erinnere mich an die Male, als ich versucht habe, ihr Emotionales zu erklären; da lasse ich es lieber.
Sage ihr nur,dass es nicht lustig ist. Ganz und gar nicht.
Schlucke, fahre mir kurz über die Augen und vertreibe die Katze vom Altpapier.
Sie sagt, sie versteht mich nicht. Wäre doch lustig. Vielleicht nervig,wenn man es jeden Tag hört, aber sonst sei es doch lustig.
Es ist nicht lustig, wiederhole ich mich.
Es ist nicht lustig und wird auch nie lustig sein; die Momente, in denen es lustig wirkt, in denen Lachen wir nur,um nicht zu Weinen.
Mein Vater, der seinen Vater verloren hat und mit einem Mal auf zwei Kinder achten muss, von denen sein eigentliches immer öfter das erwachsenere ist;
Die Vatersfreundin, die sich einfach nur genervt fühlt und betont, was für eine große Last man ihr mit mir und Großvater Mayhem aufgeladen hat.
Und ich.
Ich finde es nicht lustig.
Und solange der Verfall die Nebeldecke nicht komplett ausbreiten konnte, werde ich weiter jeden Tag versprechen,zehnmal die Türen zu kontrollieren; erzählen, wo ich hingehe, mit wem,was ich dort mache und wann ich wiederkomme, unterbrochen von Einwürfen mit Informationen zu seiner Tagesgestaltung; werde nicht mehr zusammenzucken,wenn hinter mir die Tür sofort abgeschlossen wird,sobald ich das Haus verlassen habe; werde geduldig zuhören, wenn er aufsagt, was er mir gerade erzählen will.
Und wenn es weitergeht, mit dem Verfall, dann werde ich mich wohl auch daran gewöhnen,öfter mit dem falschen Namen angesprochen zu werden;
Und in jedem Fall werde ich jedem, der ihn auslacht, einen mindestens verbalen Faustschlag verpassen.
Egal, ob er nervt, aggressiv macht, Zeit stiehlt, Nerven raubt und Herzen strapaziert;
Verwandschaft,meine Verwandschaft wird nicht ohne meine Genehmigung ausgelacht oder beleidigt.
Und niemand bekommt die Genehmigung, meinen Großvater auszulachen oder zu beleidigen. Egal,was passiert.
Warum meine Augen so rot sind, will die Nachbarin wissen, als ich mich wieder zu ihr drehe.
Wimper. Da war eine Wimper in meinem Auge, die ich rausgewischt habe, sage ich ihr und denke, das wird sie mir niemals glauben,eigentlich müsste sie es schließlich hören... Hört sie aber nicht, und nach ein paar weiteren Atemzügen habe ich meine Fassung wieder.
Türkis. Deine Augen sind türkis, sagt die Nachbarin und schaut mich genauer an. Dein Opa hat auch türkise Augen, sagt sie. Nur dass meine jetzt grüner aussähen, weil der Rest wegen der Wimper so verheult-gerötet sei.
Aber sonst wären sie denen meines Großvaters gleich, nur unruhiger gemustert.
Ich stehe auf und verlasse den Raum.
Es wird schlimmer mit der Zeit, wissen Sie?
Nach meiner Mutter hatte ich ein genaues Bild vom menschlichen Verfall, er hatte gelbe Zähne und ein aufgeblähtes Gesicht und roch nach Alkohol und Dingen, die man nicht riechen will, vor allem nicht bei Menschen, die einem lieb sind.
Aber es gibt noch einen anderen menschlichen Verfall, die Art von Verfall, die debil grinsend den Nebel über einem Gehirn ausbreitet wie eine schwarze, schwere Decke, und die Person, deren Gehirn vom Verfall vernebelt wird, die grinst dann auch so,manchmal, und manchmal wirkt sie verwirrt und vernebelt.
Beide Arten des Verfalls haben gemeinsam, dass ich nichts gegen sie machen kann, auch wenn ich hingehen und den einen Verfall ins Gesicht schlagen will und ihm sagen will, lass meinen Großvater in Ruhe und verzieh dich. Wäre der Verfall eine Person, mit der man reden kann, würde er mich auslachen, aber vielleicht könnte ich ja mit ihm diskutieren und ihn davon überzeugen,dass ich Opa Mayhem zurückbekomme.
Leider lässt der Verfall nicht mit sich reden, und so geht es jeden Tag ein Stück weiter.
Und jeden Tag verspreche ich bei jeder der zehn Nachfragen, dass ich kontrollieren werde, ob die Haustür abgeschlossen ist; ob das Fenster im Schlafzimmer meines Vaters geschlossen und der Rolladen heruntergelassen ist; nochmal ob alle Türen zu sind; ob der Keller auch abgschlossen ist.
Höre mir an,was er erzählt, immer wieder das selbe,maximal mit wechselnden Tagesthemen; und versuche einfach, etwaigen Besuch bestmöglich von ihm fernzuhalten, weil ich nicht will, dass er sich belästigt fühlt oder schlimmer, Großvater Mayhem auslacht.
Wer meinen Großvater auslacht, bekommt es mit mir zu tun, hörst du.
Heute war er wieder da und ist länger als sonst geblieben, bevor er wieder abgezogen ist; es war nämlich die Nachbarin da,und so hat er ihr erzählt, was er immer erzählt, von früher, als er zur Arbeit gelaufen ist, von den Frankreichurlauben; von Stationen seiner Kriegsgefangenschaft. Sie sitzt so da und schaut ihn an, handelt nach dem "Nicken&Lächeln"-Schema und weil er so schlecht hört, kann sie zwischendurch zu mir sagen,dass sie das komisch findet, aber irgendwie lustig.
Ich finde es leider nicht lustig und irgendwas schnürt mir die Luft ab, und ich kann mir das nicht länger ansehen und drehe mich weg und sehe, dass die andere Person im iseekyou geschrieben hat und versuche, mich darauf zu konzentrieren, und wenn es nur um Aldi Süd und Aldi Nord geht, Hauptsache, mein Gehirn ist abgelenkt.
Muss trotzdem immer wieder rüberschauen zu ihm, wie er so dasteht und voll und ganz aufgeht in seiner Unterhaltung, weil die Nachbarin richtig handelt: Auf Fragen einfach nicht antworten, er unterbricht einen sowieso und will eigentlich gar nichts hören; lieber so tun,als würde man zu einer Antwort ansetzen und ihn dann weiterreden lassen.
Ich erkenn dich nicht wieder..
Es war doch anders. Es war doch mal anders, eigentlich die ganze Zeit.
Erst jetzt..so extrem, einfach so. Macht er sowas.
Und ich habe Angst vor dem Tag, an dem es zu viel wird; habe mich daran gewöhnt, mit dem Namen meiner Cousinen oder meiner Tante angesprochen zu werden und manchmal sogar mit dem meines Vaters; aber ich habe mich nicht daran gewöhnt,dass der Verfall die Nebeldecke über das Gehirn meines Großvaters geworfen hat und sie da nicht wieder wegräumen will.
Daran will ich mich auch nicht gewöhnen, weil ich es nicht akzeptieren will und vielleicht auch nicht akzeptieren kann.
Wie er vor sich hin verkindlicht und verwirrt wird und vereinsamt, der Nachbarin und dem Postboten vorbrabbelt, was ihm einfällt und mir und jedem,dem er begegnet; es unmöglich macht,pünktlich das Haus zu verlassen, weil er einen in Unterhaltungen festnagelt; auf seine Fragen keine Antwort hören möchte, aber irgendwie auch eine voraussetzt und ich weiß einfach nicht, wie ich mich noch verhalten soll.
Und als er wieder weg ist, da fängt die Nachbarin laut an, zu lachen, sie findet es ja so lustig, den verwirrten kleinen alten Mann.
Ich sehe sie an und mir ist eher nach Heulen zu Mute, und ich überlege, ob ich ihr das sage, aber dann erinnere mich an die Male, als ich versucht habe, ihr Emotionales zu erklären; da lasse ich es lieber.
Sage ihr nur,dass es nicht lustig ist. Ganz und gar nicht.
Schlucke, fahre mir kurz über die Augen und vertreibe die Katze vom Altpapier.
Sie sagt, sie versteht mich nicht. Wäre doch lustig. Vielleicht nervig,wenn man es jeden Tag hört, aber sonst sei es doch lustig.
Es ist nicht lustig, wiederhole ich mich.
Es ist nicht lustig und wird auch nie lustig sein; die Momente, in denen es lustig wirkt, in denen Lachen wir nur,um nicht zu Weinen.
Mein Vater, der seinen Vater verloren hat und mit einem Mal auf zwei Kinder achten muss, von denen sein eigentliches immer öfter das erwachsenere ist;
Die Vatersfreundin, die sich einfach nur genervt fühlt und betont, was für eine große Last man ihr mit mir und Großvater Mayhem aufgeladen hat.
Und ich.
Ich finde es nicht lustig.
Und solange der Verfall die Nebeldecke nicht komplett ausbreiten konnte, werde ich weiter jeden Tag versprechen,zehnmal die Türen zu kontrollieren; erzählen, wo ich hingehe, mit wem,was ich dort mache und wann ich wiederkomme, unterbrochen von Einwürfen mit Informationen zu seiner Tagesgestaltung; werde nicht mehr zusammenzucken,wenn hinter mir die Tür sofort abgeschlossen wird,sobald ich das Haus verlassen habe; werde geduldig zuhören, wenn er aufsagt, was er mir gerade erzählen will.
Und wenn es weitergeht, mit dem Verfall, dann werde ich mich wohl auch daran gewöhnen,öfter mit dem falschen Namen angesprochen zu werden;
Und in jedem Fall werde ich jedem, der ihn auslacht, einen mindestens verbalen Faustschlag verpassen.
Egal, ob er nervt, aggressiv macht, Zeit stiehlt, Nerven raubt und Herzen strapaziert;
Verwandschaft,meine Verwandschaft wird nicht ohne meine Genehmigung ausgelacht oder beleidigt.
Und niemand bekommt die Genehmigung, meinen Großvater auszulachen oder zu beleidigen. Egal,was passiert.
Warum meine Augen so rot sind, will die Nachbarin wissen, als ich mich wieder zu ihr drehe.
Wimper. Da war eine Wimper in meinem Auge, die ich rausgewischt habe, sage ich ihr und denke, das wird sie mir niemals glauben,eigentlich müsste sie es schließlich hören... Hört sie aber nicht, und nach ein paar weiteren Atemzügen habe ich meine Fassung wieder.
Türkis. Deine Augen sind türkis, sagt die Nachbarin und schaut mich genauer an. Dein Opa hat auch türkise Augen, sagt sie. Nur dass meine jetzt grüner aussähen, weil der Rest wegen der Wimper so verheult-gerötet sei.
Aber sonst wären sie denen meines Großvaters gleich, nur unruhiger gemustert.
Ich stehe auf und verlasse den Raum.
Thema: oh happy day.
06. Januar 12 | Autor: mayhem | 0 Kommentare | Kommentieren
Gelobt sei die Referrer-Geschichte, aber sollte es mir zu denken geben, wenn anscheinend jemand auf der Suche nach "Füße saugen Stories" hier bei mir landet? Sehr geehrter Sucher, Fußsaugspielchen zählen nicht zu den von mir favorisierten Paaraktivitäten, Sie werden also weiter suchen müssen.
Zu meinen nicht favorisierten Events gehört das, was heute wieder anstand.
An nichts böses denkend, nichtmal von bösen Träumen geschüttelt, schlummerte ich friedlich vor mich hin, als mit einem Mal der schrille Ton der Türklingel meinen wohlverdienten Schlaf durchschnitt, gleichzeitig spürte ich etwas, das sich nach einem festen Schlag in die Magengrube anfühlte und wollte schon zur Selbstverteidigung übergehen, als ich den "Schlag" als meine Katze identifizierte, die, vermutlich vor lauter Schreck über die Klingel, vom Schrank herunter- und auf meinen Bauch gesprungen (oder gefallen?) war.
Wieder Klingeln.
Ich schubste die protestierende Katze auf den Boden, tappste halb blind durch das Licht, das mir mit dem Öffnen meiner Zimmertür entgegenschlug, Richtung Haustür, stolperte dabei über das mich begleitende Fellknäuel, dass jetzt penetrant anfing, sich zu beschweren, weil die Dosenöffnerin/Trockenfutterdosiererin schließlich "wach" war, und hängte mich an die Sprechanlage.
"Hmmm?"
Stille am anderen Ende der Anlage. Oh wie super.
Ich beschloss, erst die Katze zu füttern und war schon wieder auf dem Rückweg in mein warmes Bett, als es zum dritten Mal klingelte und mein Blick auf den Kalender fiel. Da stand es, sechster Januar. Dreikönig.
Sternsinger!
In meiner Phantasie hörte ich bereits meinen Großvater die Schrotflinte durchladen und fragte mich, wieso die Selbstschussanlagen vor der Haustür nicht funktioniert hatten, bis mir einfiel, dass wir die ja nur in der Theorie aufgestellt hatten.
Viertes Klingeln. Meine Fresse, waren die penetrant.
Als ich die Haustür öffnete, erstarrten sie mitten in der Bewegung, was ganz lustig aussah, weil sie wohl gerade zu einem Lied angesetzt hatten, und so starrten mich vier kleine Kinder mit offenen Mündern an,während der sie begleitende Erwachsene etwas verunsichert wirkte.
"Haben wir dich jetzt etwa geweckt?", fragt er ganz überrascht.
Nein natürlich nicht, mein Rolladen ist immer komplett unten und ich öffne jedem, der vorbeikommt, die Tür mit ungekämmten Haaren, in Boxershorts und zu großem Shirt, barfuß und mit Katzenfutterpackung in der Hand.
"Ja."
"Oh, das tut uns aber leid." Lügner.
"DU hast nur eine halbe Augenbraue!", ruft der Stern aus und deutet auf meine rechte Gesichtshälfte.
"Ja, ich war auch mal Sternträger, so wie du.. und dann gab es einen Unfall". Ich bemühe mich, den zweiten Satzteil möglichst gruselig klingen zu lassen, der kleine Stern wirkt auch sehr erschrocken und lässt fast die Holzkonstruktion, die er mit sich herumschleppt, fallen.
Unauffällig streiche ich ein paar Haarsträhnen über die noch nicht rekonstruierte Augenbraue (Meine Güte, ich habe geschlafen!), die nicht durch einen Sternsinger-Unfall sondern durch noch nicht verarbeitete Aggressionen beim Zurechtmachen entstanden ist.
Die Begleitperson guckt mich böse an, ich ziehe nur meine andere, noch komplette Augenbraue hoch.
Ich war auch mal Sternsinger, ich kenne das Geschäft.
Wir waren damals älter als die jetzigen, zwischen zehn und 14 meistens, und wir hatten noch einen richtigen Text, nicht ein seltsames Lied so wie das, was mir die Kindergartenfraktion jetzt vorsang. Hm.
Insgesamt segneten sie das Haus aber dreimal, vielleicht bringt es ja was.. auch wenn ich das "Wir wünschen euch ein gesegnetes ( ganz böse Sternsinger sangen auch mal "verregnetes" )Jahr, Kaspar, Melchior und Balthasar" ein bisschen vermisst habe.
Die erwachsene Begleitperson schrieb dann noch eine 12 über die entsprechende Stelle des Segnungsspruches vom letzten Jahr, dann drückte ich ihnen das Geld, das ich von meinem Großvater aus spenden sollte, in die Hand und wollte die Tür schon wieder zuschlagen, als die Begleitperson ihren Fuß dazwischen stellte und meinte "Na na, wir sind noch nicht fertig".
"Is ja toll ",murmelte ich und gab den Kindern noch die 2 Euro Extrageld, das nicht für die Sternsingeraktion, sondern für sie selbst bestimmt war.
Wir sind damals von dem Geld Pizzaessen gegangen, die ganze KLJB. KLJB, das heißt katholische Landjugendbewegung und klingt gefährlicher, als es ist; man war natürlich auf Toleranz bedacht und erlaubte es manchmal sogar,man glaubt es kaum, Evangelischen, mitzumachen.
Ich bin gelegentlich hingegangen, nicht, weil ich so gläubig gewesen wäre, sondern weil ich die Bastelnachmittage cool fand und manchmal Buntstifte oder Süßigkeiten mitgehen ließ.
Irgendwann habe ich mich dann mal bereit erklärt, auch Sternsinger zu sein, nach dem einen Mal hatte es mir aber gereicht, weil die anderen gemein waren und man mir ohne mein Wissen eine andere Rolle zugeteilt hatte, was sich an der Generalprobe etwas doof machte,als ich da mit braun angemaltem Gesicht und Rettungsdecke als Umhang auftauchte und ausgelacht wurde, weil ich doch eine andere Rolle bekommen hatte und jetzt König Kaspar war.Den Anfang meines Textes kann ich aber auch nach sieben oder acht Jahren noch.
Die Kinder, die jetzt da rumstanden, waren maximal 7; anscheinend waren keine "Großen" irre genug gewesen, singend durch das halbe Dorf zu ziehen, auch nicht, als man ihnen Pizzaessen versprochen hatte.
So musste auch die Begleitperson die Tür neu beschriften, die Kleinen konnten ja nicht. Wir hatten das damals selbst gemacht.
Erinnerten mich an diese einen South Park-Folge, in der Stan (oder war es Kyle?) eine Kindereishockeymannschaft trainiert. So klein waren die Sternsinger. Nur war ihre Begleitperson kein Viertklässler, sondern irgendein übermotivierter Vater, der Wert darauf legte, dass sein Kind am Dorfleben teilnimmt. Das arme Kind, es würde bestimmt sehr verstört enden und niemals ein normales Leben führen können.
Inzwischen war auch die letzte Segnungsrunde, diesmal im Namen des Chefs von oben persönlich, vollendet und als ich mich zu einem freundlichen Lächeln durchrang, sahen die Kinder aus, als würden sie mir jeden Moment gleichzeitig vor die Füße spucken (größer waren sie ja nicht), entschieden sich aber offensichtlich, es sein zu lassen und zogen ab.
Kurz, bevor die Haustür wieder zu war, drehte sich der Stern nochmal zu mir um.
"Duhuu?"
-"Jahaa?" Du kriegst kein Katzenfutter. Vergiss es. Nein, man.
"Du musst mir die Daumen drücken, dass mir nicht auch sowas passiert wie dir." Als sie meinen leicht irritierten Blick sieht, fügt sie hinzu: "Und viel Glück für die Augenbraue".
Eins zu Null fürs Kind.
Zu meinen nicht favorisierten Events gehört das, was heute wieder anstand.
An nichts böses denkend, nichtmal von bösen Träumen geschüttelt, schlummerte ich friedlich vor mich hin, als mit einem Mal der schrille Ton der Türklingel meinen wohlverdienten Schlaf durchschnitt, gleichzeitig spürte ich etwas, das sich nach einem festen Schlag in die Magengrube anfühlte und wollte schon zur Selbstverteidigung übergehen, als ich den "Schlag" als meine Katze identifizierte, die, vermutlich vor lauter Schreck über die Klingel, vom Schrank herunter- und auf meinen Bauch gesprungen (oder gefallen?) war.
Wieder Klingeln.
Ich schubste die protestierende Katze auf den Boden, tappste halb blind durch das Licht, das mir mit dem Öffnen meiner Zimmertür entgegenschlug, Richtung Haustür, stolperte dabei über das mich begleitende Fellknäuel, dass jetzt penetrant anfing, sich zu beschweren, weil die Dosenöffnerin/Trockenfutterdosiererin schließlich "wach" war, und hängte mich an die Sprechanlage.
"Hmmm?"
Stille am anderen Ende der Anlage. Oh wie super.
Ich beschloss, erst die Katze zu füttern und war schon wieder auf dem Rückweg in mein warmes Bett, als es zum dritten Mal klingelte und mein Blick auf den Kalender fiel. Da stand es, sechster Januar. Dreikönig.
Sternsinger!
In meiner Phantasie hörte ich bereits meinen Großvater die Schrotflinte durchladen und fragte mich, wieso die Selbstschussanlagen vor der Haustür nicht funktioniert hatten, bis mir einfiel, dass wir die ja nur in der Theorie aufgestellt hatten.
Viertes Klingeln. Meine Fresse, waren die penetrant.
Als ich die Haustür öffnete, erstarrten sie mitten in der Bewegung, was ganz lustig aussah, weil sie wohl gerade zu einem Lied angesetzt hatten, und so starrten mich vier kleine Kinder mit offenen Mündern an,während der sie begleitende Erwachsene etwas verunsichert wirkte.
"Haben wir dich jetzt etwa geweckt?", fragt er ganz überrascht.
Nein natürlich nicht, mein Rolladen ist immer komplett unten und ich öffne jedem, der vorbeikommt, die Tür mit ungekämmten Haaren, in Boxershorts und zu großem Shirt, barfuß und mit Katzenfutterpackung in der Hand.
"Ja."
"Oh, das tut uns aber leid." Lügner.
"DU hast nur eine halbe Augenbraue!", ruft der Stern aus und deutet auf meine rechte Gesichtshälfte.
"Ja, ich war auch mal Sternträger, so wie du.. und dann gab es einen Unfall". Ich bemühe mich, den zweiten Satzteil möglichst gruselig klingen zu lassen, der kleine Stern wirkt auch sehr erschrocken und lässt fast die Holzkonstruktion, die er mit sich herumschleppt, fallen.
Unauffällig streiche ich ein paar Haarsträhnen über die noch nicht rekonstruierte Augenbraue (Meine Güte, ich habe geschlafen!), die nicht durch einen Sternsinger-Unfall sondern durch noch nicht verarbeitete Aggressionen beim Zurechtmachen entstanden ist.
Die Begleitperson guckt mich böse an, ich ziehe nur meine andere, noch komplette Augenbraue hoch.
Ich war auch mal Sternsinger, ich kenne das Geschäft.
Wir waren damals älter als die jetzigen, zwischen zehn und 14 meistens, und wir hatten noch einen richtigen Text, nicht ein seltsames Lied so wie das, was mir die Kindergartenfraktion jetzt vorsang. Hm.
Insgesamt segneten sie das Haus aber dreimal, vielleicht bringt es ja was.. auch wenn ich das "Wir wünschen euch ein gesegnetes ( ganz böse Sternsinger sangen auch mal "verregnetes" )Jahr, Kaspar, Melchior und Balthasar" ein bisschen vermisst habe.
Die erwachsene Begleitperson schrieb dann noch eine 12 über die entsprechende Stelle des Segnungsspruches vom letzten Jahr, dann drückte ich ihnen das Geld, das ich von meinem Großvater aus spenden sollte, in die Hand und wollte die Tür schon wieder zuschlagen, als die Begleitperson ihren Fuß dazwischen stellte und meinte "Na na, wir sind noch nicht fertig".
"Is ja toll ",murmelte ich und gab den Kindern noch die 2 Euro Extrageld, das nicht für die Sternsingeraktion, sondern für sie selbst bestimmt war.
Wir sind damals von dem Geld Pizzaessen gegangen, die ganze KLJB. KLJB, das heißt katholische Landjugendbewegung und klingt gefährlicher, als es ist; man war natürlich auf Toleranz bedacht und erlaubte es manchmal sogar,man glaubt es kaum, Evangelischen, mitzumachen.
Ich bin gelegentlich hingegangen, nicht, weil ich so gläubig gewesen wäre, sondern weil ich die Bastelnachmittage cool fand und manchmal Buntstifte oder Süßigkeiten mitgehen ließ.
Irgendwann habe ich mich dann mal bereit erklärt, auch Sternsinger zu sein, nach dem einen Mal hatte es mir aber gereicht, weil die anderen gemein waren und man mir ohne mein Wissen eine andere Rolle zugeteilt hatte, was sich an der Generalprobe etwas doof machte,als ich da mit braun angemaltem Gesicht und Rettungsdecke als Umhang auftauchte und ausgelacht wurde, weil ich doch eine andere Rolle bekommen hatte und jetzt König Kaspar war.Den Anfang meines Textes kann ich aber auch nach sieben oder acht Jahren noch.
Die Kinder, die jetzt da rumstanden, waren maximal 7; anscheinend waren keine "Großen" irre genug gewesen, singend durch das halbe Dorf zu ziehen, auch nicht, als man ihnen Pizzaessen versprochen hatte.
So musste auch die Begleitperson die Tür neu beschriften, die Kleinen konnten ja nicht. Wir hatten das damals selbst gemacht.
Erinnerten mich an diese einen South Park-Folge, in der Stan (oder war es Kyle?) eine Kindereishockeymannschaft trainiert. So klein waren die Sternsinger. Nur war ihre Begleitperson kein Viertklässler, sondern irgendein übermotivierter Vater, der Wert darauf legte, dass sein Kind am Dorfleben teilnimmt. Das arme Kind, es würde bestimmt sehr verstört enden und niemals ein normales Leben führen können.
Inzwischen war auch die letzte Segnungsrunde, diesmal im Namen des Chefs von oben persönlich, vollendet und als ich mich zu einem freundlichen Lächeln durchrang, sahen die Kinder aus, als würden sie mir jeden Moment gleichzeitig vor die Füße spucken (größer waren sie ja nicht), entschieden sich aber offensichtlich, es sein zu lassen und zogen ab.
Kurz, bevor die Haustür wieder zu war, drehte sich der Stern nochmal zu mir um.
"Duhuu?"
-"Jahaa?" Du kriegst kein Katzenfutter. Vergiss es. Nein, man.
"Du musst mir die Daumen drücken, dass mir nicht auch sowas passiert wie dir." Als sie meinen leicht irritierten Blick sieht, fügt sie hinzu: "Und viel Glück für die Augenbraue".
Eins zu Null fürs Kind.
Thema: monolog
04. Januar 12 | Autor: mayhem | 0 Kommentare | Kommentieren
Du erkennst mich nicht wieder
Allein
Mein Gesicht sei noch gleich
Und du weißt nicht ob das reicht
Um nicht alleine zu sein
Du erkennst mich nicht wieder
Unerkannt
bin ich die halbe Nacht
noch um die Häuser gerannt
Ich erkenn hier nichts wieder
Alles müde und alt
und ich male uns beide
als Umriss aus Kreide
auf den Asphalt
Du erkennst mich nicht wieder
Unerkannt
hab ich dann drüben im Park
meine Kleider verbrannt
Ich erkenn mich nicht wieder
Nur mein Herz das noch schlägt
Und ich hebe die Arme
um zu sehen ob die warme
Nachtluft mich trägt
Du erkennst mich nicht wieder
Unerkannt
flieg ich ans Ende der Stadt
ans Ende der Welt
und über den Rand
(in nicht-live nicht gefunden)
Einer dieser "vielleicht muss es ja so sein"-Momente.
"Ich erkenn mich nicht wieder, nur mein Herz das noch schlägt"
Hörst du, mein Herz schlägt noch und immer weiter, einfach so. Ich frag mich, wie es das macht.
Und an diesem grauen Tag sitzen die Katze und ich auf meinem Bett und starren die Tür an, während mein Vater im Nebenzimmer sitzt und entweder den Computer oder den Fernseher anstarrt, oder eingeschlafen ist.
Währenddessen sitzt mein verkindlichter Großvater alleine in seiner Wohnung, auch vor dem Fernseher, bis er in exakt sieben Minuten langsam die Treppe zu uns niederkämpfen und erzählen wird, was er schon den ganzen Tag wiederholt hat. Wenn er das erledigt hat, wird er wieder gehen und weiter alleine vor seinem Fernseher sitzen, bis er dann noch ein paar mal zu uns kommt und schließlich gute Nacht sagt.
Dann wird er schlafen gehen, kurz darauf auch mein Vater, und ich werde irgendwann so gegen 4 dasselbe tun, und wir alle werden uns denken, wieder ein Tag geschafft.
So werden die Ferien, in denen ich wohl doch nichts lernen und auch mein Portfolio nicht schreiben werde, verstreichen, sobald ich wieder zur Schule gehe verändert das den Rhythmus meines Großvaters dahingehend, dass er auch früh runterkommt, um Guten Morgen zu sagen.
Mein Rhythmus wird zerschossen werden durch meinen rund zwei Monate lang beurlaubten Vater, mein Nervenkostüm wohl auch.
Aber das kennen wir ja schon.
Doch auch dieses Übel geht vorbei, genau so, wie das Halbjahr vorbeigeht; noch ein Monat, dann sind die bösesten Klausuren vorbei und ich brauche nur noch knapp beide Hände, um die ausstehenden Tanzstunden abzuzählen, bis der erste Sportschwerpunkt gemeistert ist und es mitNahkampf nichtgeschlechtergetrenntem Basketball weitergeht.
Wir sind dann schon groß, wir haben dann die erste Klausurenphase hinter uns. Uns kann nichts mehr erschüttern, wir habens das erste Mal überstanden.
Die einen mehr, die anderen weniger.
Und während ich in der Zeit danach das aufhole, was während dem Kurzzeitlernen für Einzeltests unterrichtstechnisch an mir vorbeigezogen ist, wird das Problem so langsam anfangen, Abitur zu schreiben.
Sie werden dann wieder grimmig guckend im Oberstufenzimmer sitzen, wenn es so weit ist; die weniger stabilen gelegentlich in Tränen ausbrechen, er wird stumm auf seine Aufzeichnungen oder an die Decke starren, oder vielleicht auf seine Freundin, wenn sie es denn ist.
Und ich werde dasitzen, am anderen Ende des Raumes, und er wir mir so fremd vorkommen, the stranger I used to love, so fremd wie die gesamte Situation, so seltsam, surreal, es wirkte immer so weit weg, und jetzt ist es auf einmal da und geschieht so vor sich hin.
Währenddessen wird die zweite Zweckgemeinschaft entweder auf ihrem Wurstbrot herumkauen, mit der Blondine reden oder auf ihre Schuhe starren, weil sie nicht weiß, was sie sagen soll, aber merkt, dass ich nicht reden kann gerade.
Diese Momente, die sie so verwirren. Wenn ihr Unterbewusstsein sagt, sag lieber nichts. Ich muss ihr vorkommen wie eine Außerirdische, wenn ich so dasitze, geistig abwesend wirke und wahlweise dabei bin, das große Geheule zurückzuhalten oder wirklich in Gedanken zu versinken, zu ertrinken.
Doppelpersönlichkeit, und wenn es diese Seite ist, die sie sieht, erkennt sie mich nicht wieder.
Eigentlich wollte ich immer mehr "ich" sein, aber irgendwo auf dem Weg dorthin habe ich mich wieder verirrt und ein Stück von mir verloren, während ich teilweise wieder in die alten Muster zurückgefallen bin.
Ich rede mir trotzdem ein, dass es nicht wieder das selbe ist.
Und es ist ja auch auch nicht das selbe, so viele seltsame Dinge, die da passieren..
Einfach mal so Kino mit der Feindin und ihrem Freund und es ist völlig normal,dass sie bei mir vorbeifahren und mich mitnehmen.
Und die Kollegiatinnen, die mit Kaffeebecher in der Hand zum Drogeriemarkt hetzen, um noch was zu kaufen und pünktlich zur nächsten Stunde wieder da zu sein, das sind wir.
Das Einlassbändchen hat jetzt mehr oder weniger die richtige Farbe,
die Tussenfraktion liest nicht mehr Bravo Girl, sondern Cosmopolitan.
Die Kettenraucher klauen ihre Zigaretten nicht mehr aus Papas Auto oder aus dem Supermarkt, sondern drehen selbst.
Die "Mädelsabende" der Upper Class mutieren zum "wir sind ja so erwachsen"-Schauspiel, mit Sekt und Gossip Girl,
das Gebluffe übers Sexleben könnte inzwischen sogar halbwegs der Realität entsprechen.
Spontanmutationen vom Nerd zum Normalmenschen passieren in seltenen Fällen und werden teilweise sogar gut aufgenommen.
Wir sind nichtmehr diejenigen, die fasziniert zuhören, wenn über Klausuren, Fachwahlen, Schwerpunkte und Abitur geredet wird,wir sind diejenigen,die es tun.
Während wir wie selbstverständlich im Oberstufenzimmer auf den Sofas sitzen, wo man sich noch am Schuljahresanfang nicht mal alleine hingetraut hat.
Und die anderen schauen im Vorbeilaufen rein und denken sich, wie unecht sich das doch anfühlt, dass die Leute da drin bald studieren.
Und dann ist da diese Gruppe an Leuten, von denen ich nie weiß, ob es richtige Freunde sind oder nicht; die die Feindin nicht mehr mag, weshalb es immer ein Spagat ist, den ich machen muss.
Die Gruppe da, mit diesen ganzen angehenden Bachelors Of Sience und Bachelors of Arts, den paar Anfangsstudenten, die Wartesemester oder eine Ausbildung abgesessen haben und einzelnen Berufstätigen.
Sitzen so rum, diese Erwachsenen und ich, in der Stammkneipe, haben sogar eine Stammkneipe, wir, und während ich mich darüber wundere, dass ich einfach so mein Getränk bekomme, fällt mir wieder ein,dass ich ja alt genug dafür bin. Sehe mich um, in ihren Gesichtern, und einer erzählt da was von Verloben und der Student jammert wieder, wie alt er doch ist, sein Cousin ist letztens Vater geworden.
Die Katze liegt wieder neben mir, so wie am Anfang dieses Eintrags, sie döst so vor sich hin und atmet und schnurrt ganz leise, und mir bleibt jedes mal fast das Herz stehen, wenn ihr Atem einen Tick zu lange aussetzt, während sie einschläft.
Auch Katzen können graue Haare bekommen, er hat ein paar, verteilt über seine schwarzen Flecken und auch in den Streifen. Bestimmt auch in den weißen Abteilungen,aber da sieht man es nicht so gut.
Mein Vater hat auch graue Haare, eigentlich ist der Weg von Naturhaarfarbe zu grau abgeschlossen und der nächste, von grau zu weiß,läuft gerade ab zusammen mit ein bisschen mutmaßlichem Haarausfall, der aber auch einfach ein schlechter Haarschnitt (seine Locken sind der Feind eines jeden Friseurs) in Kombination mit einem Wirbel sein kann.
An der Wand hängt das Foto vom Tanzkursabschlussball vor über zwei Jahren.
Was kamen wir uns erwachsen vor, als es darum ging, Tanzpartner zu suchen, und als wir dann fotographiert wurden.
Und dann die Elterntanzrunden, mein Vater und ich haben einfach beide getanzt, die für Mutter und Sohn und die für Vater und Tochter, und die Erinnerung daran,dass er gegens Tanzen eine genauso große Abneigung hat wie ich und es auch genauso wenig beherrscht wie ich, war gerade irgendwie sentimentalitätsauslösend.
Damals hat er seine Freundin noch nichtmal gekannt und ich habe mit einem Mädchen getanzt, weil wir zu viele waren und die Jungs, die die Auswahl hatten, irgendwie alle anderen cooler fanden als mich.
Ich hab mich den ganzen Kurs lang gefragt, warum ich mir den Mist eigentlich antue, auch am Abschlussball noch, besonders als ich mir nicht sicher war, ob mein Kleid und absolutes underdressed-Sein jetzt Scham oder "so what" bei mir auslösen sollten.
Neben dem Bild steht mein Bücherregal und im Bücherregal sind auch die Jahresberichte.
Als wir in der fünften waren, sahen die 10. so erwachsen aus, und die Abiturienten erst.
Und jetzt? Unvorstellbar, dass die Abiturienten so alt und erwachsen sein sollen. Und die, die gegangen sind erst.
Damals, in der fünften, sah die Oberstufe so erwachsen aus. Unvorstellbar,mit ihnen zu reden.
Jetzt stehe ich neben der alten Sache in der Absteige oder werde vom Studenten angegeigert, bin im Februar auf einer Hochzeit eingeladen und vor zwei Jahren ist eine Klassenkameradin aus der Grundschule gestorben.
Sogar auf der Gesichtscreme steht jetzt eine andere Altersklasse drauf, und ich vollziehe nebenher ein bisschen die Entwicklung von "uwääääääh" hin zu "halbwegs passabel".
Verrückte Welt, ich erkenn mich nicht wieder.
Doch alles Gerede macht im Endeffekt nichts außer diesen sowieso schon viel zu langen Eintrag noch länger;da sieht man mal,was passiert, wenn ich Musik höre und einfach schreibe.
Sollten Sie inzwischen eingeschlafen sein, verzeihe ich Ihnen, präzise und knapp formulieren war noch nie meins, wenn mir schon mal jemand zuhörte, der sich als Freund herausstellte, wollte ich gerne erzählen und reden und auch zuhören, aller Teilzeitmenschenphobie zu Trotz.
War irgendwie nie so das Wahre, und ich habe gelernt, dass man den Leuten gegenüber nicht offen sein sollte. Man muss die Arme verschränken und grimmig gucken und darf nicht zu viel reden, denn alles, was man sagt, kann und wird gegen einen verwendet werden, genau dann, wenn man es am wenigsten erwartet.
Manchmal mache ich das trotzdem, einfach erzählen, nicht von den tiefsten Abgründen, aber das,was ich denke.
Es wird seltener, das einfach erzählen; ich vertraue ja nicht einmal der Feindin, und das ist eigentlich eine traurige Sache.
Dafür bin ich dazu übergegangen, mir selbst zu vertrauen, ganz vorbehaltslos aufs Bauchgefühl zu hören, und auch, wenn in dieser Zeit einiges verloren gegangen ist, ausdiskutiert wurde, unterging und schwieriger wurde, ist das bisschen an positivem, was passiert ist, auch ganz nett und eventuell ein Grund, weiter so vorzugehen.
Against all odds, manchmal gegen mich selbst, und denken Sie sich jetzt bitte ein möglichst dramatisches Ende für diesen Eintrag.
Ich werde jetzt nämlich auf den "veröffentlichen"-Knopf drücken, weil mein Großvater zum dritten Mal runtergekommen ist und mein Vater nicht mehr die Nerven hat, sich das alles zum fünften Mal anzuhören, weshalb Großvater Mayhem gleich an meiner Tür klopfen und es mir zum siebten Mal erzählen wird.
Allein
Mein Gesicht sei noch gleich
Und du weißt nicht ob das reicht
Um nicht alleine zu sein
Du erkennst mich nicht wieder
Unerkannt
bin ich die halbe Nacht
noch um die Häuser gerannt
Ich erkenn hier nichts wieder
Alles müde und alt
und ich male uns beide
als Umriss aus Kreide
auf den Asphalt
Du erkennst mich nicht wieder
Unerkannt
hab ich dann drüben im Park
meine Kleider verbrannt
Ich erkenn mich nicht wieder
Nur mein Herz das noch schlägt
Und ich hebe die Arme
um zu sehen ob die warme
Nachtluft mich trägt
Du erkennst mich nicht wieder
Unerkannt
flieg ich ans Ende der Stadt
ans Ende der Welt
und über den Rand
(in nicht-live nicht gefunden)
Einer dieser "vielleicht muss es ja so sein"-Momente.
"Ich erkenn mich nicht wieder, nur mein Herz das noch schlägt"
Hörst du, mein Herz schlägt noch und immer weiter, einfach so. Ich frag mich, wie es das macht.
Und an diesem grauen Tag sitzen die Katze und ich auf meinem Bett und starren die Tür an, während mein Vater im Nebenzimmer sitzt und entweder den Computer oder den Fernseher anstarrt, oder eingeschlafen ist.
Währenddessen sitzt mein verkindlichter Großvater alleine in seiner Wohnung, auch vor dem Fernseher, bis er in exakt sieben Minuten langsam die Treppe zu uns niederkämpfen und erzählen wird, was er schon den ganzen Tag wiederholt hat. Wenn er das erledigt hat, wird er wieder gehen und weiter alleine vor seinem Fernseher sitzen, bis er dann noch ein paar mal zu uns kommt und schließlich gute Nacht sagt.
Dann wird er schlafen gehen, kurz darauf auch mein Vater, und ich werde irgendwann so gegen 4 dasselbe tun, und wir alle werden uns denken, wieder ein Tag geschafft.
So werden die Ferien, in denen ich wohl doch nichts lernen und auch mein Portfolio nicht schreiben werde, verstreichen, sobald ich wieder zur Schule gehe verändert das den Rhythmus meines Großvaters dahingehend, dass er auch früh runterkommt, um Guten Morgen zu sagen.
Mein Rhythmus wird zerschossen werden durch meinen rund zwei Monate lang beurlaubten Vater, mein Nervenkostüm wohl auch.
Aber das kennen wir ja schon.
Doch auch dieses Übel geht vorbei, genau so, wie das Halbjahr vorbeigeht; noch ein Monat, dann sind die bösesten Klausuren vorbei und ich brauche nur noch knapp beide Hände, um die ausstehenden Tanzstunden abzuzählen, bis der erste Sportschwerpunkt gemeistert ist und es mit
Wir sind dann schon groß, wir haben dann die erste Klausurenphase hinter uns. Uns kann nichts mehr erschüttern, wir habens das erste Mal überstanden.
Die einen mehr, die anderen weniger.
Und während ich in der Zeit danach das aufhole, was während dem Kurzzeitlernen für Einzeltests unterrichtstechnisch an mir vorbeigezogen ist, wird das Problem so langsam anfangen, Abitur zu schreiben.
Sie werden dann wieder grimmig guckend im Oberstufenzimmer sitzen, wenn es so weit ist; die weniger stabilen gelegentlich in Tränen ausbrechen, er wird stumm auf seine Aufzeichnungen oder an die Decke starren, oder vielleicht auf seine Freundin, wenn sie es denn ist.
Und ich werde dasitzen, am anderen Ende des Raumes, und er wir mir so fremd vorkommen, the stranger I used to love, so fremd wie die gesamte Situation, so seltsam, surreal, es wirkte immer so weit weg, und jetzt ist es auf einmal da und geschieht so vor sich hin.
Währenddessen wird die zweite Zweckgemeinschaft entweder auf ihrem Wurstbrot herumkauen, mit der Blondine reden oder auf ihre Schuhe starren, weil sie nicht weiß, was sie sagen soll, aber merkt, dass ich nicht reden kann gerade.
Diese Momente, die sie so verwirren. Wenn ihr Unterbewusstsein sagt, sag lieber nichts. Ich muss ihr vorkommen wie eine Außerirdische, wenn ich so dasitze, geistig abwesend wirke und wahlweise dabei bin, das große Geheule zurückzuhalten oder wirklich in Gedanken zu versinken, zu ertrinken.
Doppelpersönlichkeit, und wenn es diese Seite ist, die sie sieht, erkennt sie mich nicht wieder.
Eigentlich wollte ich immer mehr "ich" sein, aber irgendwo auf dem Weg dorthin habe ich mich wieder verirrt und ein Stück von mir verloren, während ich teilweise wieder in die alten Muster zurückgefallen bin.
Ich rede mir trotzdem ein, dass es nicht wieder das selbe ist.
Und es ist ja auch auch nicht das selbe, so viele seltsame Dinge, die da passieren..
Einfach mal so Kino mit der Feindin und ihrem Freund und es ist völlig normal,dass sie bei mir vorbeifahren und mich mitnehmen.
Und die Kollegiatinnen, die mit Kaffeebecher in der Hand zum Drogeriemarkt hetzen, um noch was zu kaufen und pünktlich zur nächsten Stunde wieder da zu sein, das sind wir.
Das Einlassbändchen hat jetzt mehr oder weniger die richtige Farbe,
die Tussenfraktion liest nicht mehr Bravo Girl, sondern Cosmopolitan.
Die Kettenraucher klauen ihre Zigaretten nicht mehr aus Papas Auto oder aus dem Supermarkt, sondern drehen selbst.
Die "Mädelsabende" der Upper Class mutieren zum "wir sind ja so erwachsen"-Schauspiel, mit Sekt und Gossip Girl,
das Gebluffe übers Sexleben könnte inzwischen sogar halbwegs der Realität entsprechen.
Spontanmutationen vom Nerd zum Normalmenschen passieren in seltenen Fällen und werden teilweise sogar gut aufgenommen.
Wir sind nichtmehr diejenigen, die fasziniert zuhören, wenn über Klausuren, Fachwahlen, Schwerpunkte und Abitur geredet wird,wir sind diejenigen,die es tun.
Während wir wie selbstverständlich im Oberstufenzimmer auf den Sofas sitzen, wo man sich noch am Schuljahresanfang nicht mal alleine hingetraut hat.
Und die anderen schauen im Vorbeilaufen rein und denken sich, wie unecht sich das doch anfühlt, dass die Leute da drin bald studieren.
Und dann ist da diese Gruppe an Leuten, von denen ich nie weiß, ob es richtige Freunde sind oder nicht; die die Feindin nicht mehr mag, weshalb es immer ein Spagat ist, den ich machen muss.
Die Gruppe da, mit diesen ganzen angehenden Bachelors Of Sience und Bachelors of Arts, den paar Anfangsstudenten, die Wartesemester oder eine Ausbildung abgesessen haben und einzelnen Berufstätigen.
Sitzen so rum, diese Erwachsenen und ich, in der Stammkneipe, haben sogar eine Stammkneipe, wir, und während ich mich darüber wundere, dass ich einfach so mein Getränk bekomme, fällt mir wieder ein,dass ich ja alt genug dafür bin. Sehe mich um, in ihren Gesichtern, und einer erzählt da was von Verloben und der Student jammert wieder, wie alt er doch ist, sein Cousin ist letztens Vater geworden.
Die Katze liegt wieder neben mir, so wie am Anfang dieses Eintrags, sie döst so vor sich hin und atmet und schnurrt ganz leise, und mir bleibt jedes mal fast das Herz stehen, wenn ihr Atem einen Tick zu lange aussetzt, während sie einschläft.
Auch Katzen können graue Haare bekommen, er hat ein paar, verteilt über seine schwarzen Flecken und auch in den Streifen. Bestimmt auch in den weißen Abteilungen,aber da sieht man es nicht so gut.
Mein Vater hat auch graue Haare, eigentlich ist der Weg von Naturhaarfarbe zu grau abgeschlossen und der nächste, von grau zu weiß,läuft gerade ab zusammen mit ein bisschen mutmaßlichem Haarausfall, der aber auch einfach ein schlechter Haarschnitt (seine Locken sind der Feind eines jeden Friseurs) in Kombination mit einem Wirbel sein kann.
An der Wand hängt das Foto vom Tanzkursabschlussball vor über zwei Jahren.
Was kamen wir uns erwachsen vor, als es darum ging, Tanzpartner zu suchen, und als wir dann fotographiert wurden.
Und dann die Elterntanzrunden, mein Vater und ich haben einfach beide getanzt, die für Mutter und Sohn und die für Vater und Tochter, und die Erinnerung daran,dass er gegens Tanzen eine genauso große Abneigung hat wie ich und es auch genauso wenig beherrscht wie ich, war gerade irgendwie sentimentalitätsauslösend.
Damals hat er seine Freundin noch nichtmal gekannt und ich habe mit einem Mädchen getanzt, weil wir zu viele waren und die Jungs, die die Auswahl hatten, irgendwie alle anderen cooler fanden als mich.
Ich hab mich den ganzen Kurs lang gefragt, warum ich mir den Mist eigentlich antue, auch am Abschlussball noch, besonders als ich mir nicht sicher war, ob mein Kleid und absolutes underdressed-Sein jetzt Scham oder "so what" bei mir auslösen sollten.
Neben dem Bild steht mein Bücherregal und im Bücherregal sind auch die Jahresberichte.
Als wir in der fünften waren, sahen die 10. so erwachsen aus, und die Abiturienten erst.
Und jetzt? Unvorstellbar, dass die Abiturienten so alt und erwachsen sein sollen. Und die, die gegangen sind erst.
Damals, in der fünften, sah die Oberstufe so erwachsen aus. Unvorstellbar,mit ihnen zu reden.
Jetzt stehe ich neben der alten Sache in der Absteige oder werde vom Studenten angegeigert, bin im Februar auf einer Hochzeit eingeladen und vor zwei Jahren ist eine Klassenkameradin aus der Grundschule gestorben.
Sogar auf der Gesichtscreme steht jetzt eine andere Altersklasse drauf, und ich vollziehe nebenher ein bisschen die Entwicklung von "uwääääääh" hin zu "halbwegs passabel".
Verrückte Welt, ich erkenn mich nicht wieder.
Doch alles Gerede macht im Endeffekt nichts außer diesen sowieso schon viel zu langen Eintrag noch länger;da sieht man mal,was passiert, wenn ich Musik höre und einfach schreibe.
Sollten Sie inzwischen eingeschlafen sein, verzeihe ich Ihnen, präzise und knapp formulieren war noch nie meins, wenn mir schon mal jemand zuhörte, der sich als Freund herausstellte, wollte ich gerne erzählen und reden und auch zuhören, aller Teilzeitmenschenphobie zu Trotz.
War irgendwie nie so das Wahre, und ich habe gelernt, dass man den Leuten gegenüber nicht offen sein sollte. Man muss die Arme verschränken und grimmig gucken und darf nicht zu viel reden, denn alles, was man sagt, kann und wird gegen einen verwendet werden, genau dann, wenn man es am wenigsten erwartet.
Manchmal mache ich das trotzdem, einfach erzählen, nicht von den tiefsten Abgründen, aber das,was ich denke.
Es wird seltener, das einfach erzählen; ich vertraue ja nicht einmal der Feindin, und das ist eigentlich eine traurige Sache.
Dafür bin ich dazu übergegangen, mir selbst zu vertrauen, ganz vorbehaltslos aufs Bauchgefühl zu hören, und auch, wenn in dieser Zeit einiges verloren gegangen ist, ausdiskutiert wurde, unterging und schwieriger wurde, ist das bisschen an positivem, was passiert ist, auch ganz nett und eventuell ein Grund, weiter so vorzugehen.
Against all odds, manchmal gegen mich selbst, und denken Sie sich jetzt bitte ein möglichst dramatisches Ende für diesen Eintrag.
Ich werde jetzt nämlich auf den "veröffentlichen"-Knopf drücken, weil mein Großvater zum dritten Mal runtergekommen ist und mein Vater nicht mehr die Nerven hat, sich das alles zum fünften Mal anzuhören, weshalb Großvater Mayhem gleich an meiner Tür klopfen und es mir zum siebten Mal erzählen wird.
