Und dann bist du auf einmal wieder da.
Vier Jahre, zahllose Festivals, eine Weile im Ausland und diverse schlechte Tattoos später bist du wieder da, und von all den Tankstellenkunden, die jeden zweiten Tag ihre Familienpackung Tabak holen, bist du der, der nochmal zurückschaut, als er wegfährt.
Dessen Kumpel mich anquatscht, als ihr zehn Minuten später wieder da seid, "Wir können ja mal alle was am Wochenende machen".
Worauf ich ein ein ganz lockeres "klar, gerne" erwidere, einfach so, denn wenn ich etwas von Mr.Gaunt gelernt habe, dann ist es Spontanität.

Zwei Tage später muss ich deine Daten aufnehmen, weil du zu wenig Geld für den Sprit hast und habe Zeit, um deinen Perso zu studieren. Der Name, das Foto.
Und auf einmal ist alles wieder da, und du bist es dann auch und findest meinen Spontanvorschlag, mich auf einen Kaffee einzuladen, nicht mal schlecht.
Wenn ich etwas von Mr.Gaunt gelernt habe, dann ist es Furchtlosigkeit im Umgang mit anderen Menschen, also tue ich das einzig Vernünftige, rede dich tot und wieder lebendig, bis du um halb vier Uhr morgens zur Arbeit musst, und nachdem ich meine Krankschreibung (Sehnenscheideentzündung,yeeeeey!) in der Hand halte, bist du der Erste, dem ich schreibe und ihn frage, ob er abends schon was vor hat.


Einen Absteigenbesuch mit anschließender Kneipentour später landen die Mitgitarristin und ich doch irgendwie in deiner WG, und noch etwas später, als wir uns zu dritt auf das winzige Sofa gequetscht haben, beschließe ich, erneut das einzig Vernünftige zu tun. "Kater, mir's kalt. Ich missbrauch dich jetzt als Heizung, damit musst du jetzt einfach mal klarkommen".
-"Könnt mir Schlimmeres vorstellen".

Viel zu wenige Stunden später werde ich, nach 30 Minuten Schlaf, durch das Geschepper deiner Mitbewohner geweckt und wenig später von ihnen mit Frühstück versorgt und gar nicht mal so misstrauisch beäugt. Deinen Kumpel, den Knastbruder, kenne ich ja schon aus der Tanke, der Rest ghettoisiert so am Rande vor sich hin, bis ihr los müsst, eine andere Wohnung renovieren.

Als wir vor der Tür stehen, bekomme ich erst eine Umarmung und dann einen gefühlt zwei Millisekunden dauernden Kuss, lade auf dem Weg zurück zum Mayhemmobil meine Angst, ich könnte dir mehr Hoffnung , als im Nachhinein angebracht wäre, machen, irgendwie anders deine Gefühle verletzen und dich in raucherähnliche Abgründe stürzen, oder sonst irgendwie Mist bauen, bei der Mitgitarristin ab, die sich auch alles brav anhört und netterweise darauf verzichtet, mich darauf hinzuweisen, dass ich paranoid ohne Ende bin und außerdem schon wieder viel zu weit denke.


Vier Jahre.
Hätte ich dich nicht wieder angesprochen, wäre es noch länger geworden.
Vier Jahre, und jetzt bist du wieder hier. In der Kleinstadt, der guten. Nach wie vor mit total verhauenem Iro-Undercut-irgendwas, aber jetzt in fast schulterlang, und du trinkst fast nichts mehr, zumindest an diesem einen Abend.
Die Saufphase hast du hinter dir, hast du gesagt.
Dass du nicht werden willst, wie dein Vater war.

"Wir Säuferkinder müssen zusammenhalten."
Vier Jahre, in denen du so unendlich gealtert bist.
Ich noch viel mehr, sagst du. Dass du mich, bevor du mich wiedererkannt und dich erinnert hast, älter geschätzt hättest, obwohl ich fast ein Jahr jünger bin als du.
Fast 10 Monate.
Nicht fast 10 Jahre.

Keine Ahnung, was da los ist.
Aber ich freue mich auf heute Abend.
Auf die Stammkneipe, auf die Beinahe-Lehrerin samt Freund, den Postboten, der mich toller findet, als gut für ihn ist, und auch auf den ultimativen Kulturclash, wenn deine Knasti-Kiffer-Ghetto-WG auf sie trifft.
Und darauf, dich wieder zu sehen.



Keine Ahnung, was ich hier eigentlich mache.