Sonntag, 19. Januar 2020
Der Kaffee-Mann hat wieder Schweigephase; nach einer Woche frage ich mal nach, ob alles in Ordnung ist.
Die mich eigentlich bewegende Frage "Sind wir noch am kennenlernen, oder schon bei "ok, das war jetzt genug kennen lernen,zwischendurch mal n Bier ist ok, mehr aber bitte nicht" ?" habe ich mir zunächst verkniffen, weil eine zur Begutachtung hinzugezogene Freundin meinte, nee, du kannst dem doch nicht so das Messer auf die Brust setzen, was ist, wenn der echt nur kommunikationsbehindert ist, und ich ihr nach ein wenig Bedenkzeit zustimmen musste - was, wenn der wirklich nur verpeilt oder sein Hamster gestorben ist?

Die Antwort kommt so ein, zwei Stunden später, bedankt sich für die Nachfrage, erzählt von Stress auf der Arbeit und beantwortet dann, was ich davor geschickt hatte.
Ich überlege, wie ich das, was mich beschäftigt (Die "lernen wir uns gerade noch kennen oder reicht's dir?`"-Frage und die Tatsache, dass ich es nett fände, wenn ich ein "bin im Stress, antworte dir am Wochenende" bekommen könnte - wer weiß, ob und wann ne Antwort gekommen wäre, wenn ich nicht wieder nachgefragt hätte) am konstruktivsten ausdrücken kann.
Die hinzugezogene Bekannte/Freundin befindet, meine Unsicherheit/Bauchgefühl/Vorahnung/Paranoia/Wasauchimmer hat recht, ich bin sowas von auf der Freundschaftsschiene abgestellt worden, sähe man daran, dass der Kontakt zu mir keinerlei Priorität habe (neige dazu, zuzustimmen) und die ganze Nachricht total oberflächlich sei; dass er am Schluss fragt, wo die von mir in der letzten Nachricht angesprochenen Uni-Mindfuck-Probleme lagen, sei halt aus Höflichkeit und Konvention, weil man das eben so macht.

Das Gefühl der Oberflächenverortung unserer Kommunikation hat bei mir ein paar mal angeklopft, tut sich jetzt mit dem Rest zusammen und möchte in meinem Kopf randalieren.
Klar ist es noch meilenweit zu früh, um abzuschätzen, ob das der Stiefvater meiner Katzen werden soll- ein lose gestalteter Kumpelkontakt mag ich aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch noch nicht sein. Um das beurteilen zu können, müsste ich den Menschen kennen, und er mich. Beides ist nicht der Fall. Ich habe mein Bild und er vermutlich seines, aber es ist lückenhaft und basierend auf Annahmen, eventuell Projektionen und Wünschen, und dem ganzen anderen Kram, der zwar immer mit rein spielt, aber eben nicht das ausschließliche Mitspracherecht haben sollte.

Weitere Handlungsoptionen erscheinen also wie folgt:
1.Die Annahme, als loser Kumpelkontakt kategorisiert worden zu sein, akzeptieren, auf dieser Verhaltens- und Kommunikationsebene verweilen und sich damit abfinden

2.Eindrücke ansprechen: Wie, und wie viel davon? Und was dann?

3.Nach einem weiteren Treffen fragen
a) und die Eindrücke ansprechen, wie und wie viel auch immer, oder/und
b) versuchen, von der Oberflächenebene weg zu kommen und den Menschen dahinter auszubuddeln (wie und wie viel auch immer), oder
c) einfach mal der heiße Ofen sein, der ich halt manchmal bin, ggf vorher flirten lernen (es ist nie zu spät, sich neue Fähigkeiten anzueignen),für den Fall, dass "ich unterhalte mich gerne mit dir" und eine Abschiedsumarmung eventuell, so ganz vielleicht eine zu dezente Bekundung meines Interesses war


tendiere aktuell zu Option 3., und weil ich auf verkappte Art und Weise Overachiever bin, eine Kombination aus allen drei Unterpunkten: Scheiß auf Hin- und Hergeschreibe, Butter bei die Fische und überhaupt: zusammenreißen, der heiße Ofen sein, der ich manchmal bin, Abschied von der Oberflächenebene, gewonnene Eindrücke ansprechen; falls mir danach ist, die Unsicherheit mal wegpacken und den armen Mann gemäßigt, aber dennoch nachhaltig angraben.
Keine Lust, meine Zeit mit kommunikationsbehinderten trüben Pfützen zu verschwenden; die sind fast so nervig wie die "Ich könnte zwar alterstechnisch den Vater sein, aber OMG du bist so toll, so erwachsen, blablabla"-Fraktion, die einem an der Bar auflauert.

Sonstige Großartigkeiten:
- Habe meine Motivation wieder gefunden. Uni ist immer noch "AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAH!", aber ich hab Bock, den Scheiß hinzukriegen und kann mir sogar vorstellen, wie sich das anfühlt, wenn es geklappt hat.
Vermute, einen Uni-Abschluss geschafft zu haben wird sich ziemlich cool anfühlen, erst recht, wenn ich zum Master zugelassen werde und den dann auch noch wuppe wie die geniale Wahnsinnige, die ich manchmal bin

- Seit Bröselzahn draußen ist, habe ich ca. 30% weniger Kopfschmerzen

- Kater Mayhem hat mit über 13 Jahren das strategische um- und runterschubsen von Gegenständen für sich entdeckt und macht das jetzt immer, wenn er Aufmerksamkeit möchte - nur Aufmerksamkeit. Kein Futter, kein Kuscheln, kein Spielen, Wasser und Katzentoilette sind noch ok und wehe, man will ihn berühren. Einfach nur Aufmerksamkeit, bittedanke

- ich habe inzwischen eine grauweiße Strähne, die ebenfalls ziemlich cool ist, sich aber leider nur zeigt, wenn ich die Haare offen trage

- und zwischendurch mit der Hausverwaltung telefoniert und Sachen geregelt, wie man das als Hauptmieter so macht. Ich bin erwachsen, yesss!