Montag, 22. November 2010
Thema: monolog
Nach eineinhalb Stunden Spazierengehenmitnachbarshund, einem mittleren Weltuntergang, dem Vorfinden alter Jahresberichte, die von allein immer auf die Seite auffallen, auf der die Klasse des 6-Jahresproblems abgebildet ist, der daraus resultierenden gänzlich negativen Gefühlslage, einer mittelnegativ gestimmten Nachbarin, die sauer ist, weil sich der beste Freund vom 6-Jahres-Problem nicht mehr bei ihr meldet und dem freundlichen Hinweis meines Vaters:"Nachdem du ja anscheinend besseres zu tun hattest als die Waschmaschine nochmal anzuschalten, läuft die jetzt. Morgen früh is die Wäsche fertig, sonst kriegst du Probleme" fühl ich mich generally not so happy und Placebo spuken mal wieder durch meinen Kopf, ebenso wie ein paar unschöne Vergangenheitsfetzen und die im Moment relevante Frage: Wenn ich eine tiefere, schnittähnliche Wunde beim Tattoo habe, wird dadurch das Gesamtbild massiv zerstört oder sieht man das nicht so arg, wenn eine relativ gute Narbenbildung und Wundheilung gegeben sind?

Ich schau mal nach der Waschmaschine.
Die Dreckskiste nimmt sich einfach so das Recht heraus, noch 10 Minuten zu brauchen, das heißt, ich muss noch länger wachbleiben und nochmal in den Keller, obwohl das dumme Ding wahrscheinlich genau weiß, dass ich Angst habe, wenn ich nachts alleine im Haus bin, oder noch schlimmer, in den Keller runter muss.
So wie in 10 Minuten wieder.

Morgen früh wach ich auf und hab Lockenwellen aufm Kopf.
Weißt du auch warum?
Weil ich mit Gretelzöpfen an den Seiten und Küchenpapierwickler im Pony hier rumsitze, und die Zopfgummis der Gretelzöpfe sind natürlich perfekt auf Boxershort und Pinguinshirt abgestimmt. Wenn mich der Keller also umbringt, haben die Polizisten, die mich finden, wenigstens was zu lachen.

Meine Schulnebensitzerin hat weihnachtlichen Schenkzwang eingeführt, also kriegt sie eben was. Hat sich Nagelhärter gewünscht, so wie letztes Jahr, und beschlossen, mir im Gegenzug einen roten Nagellack zu kaufen. Danke, Verständnis und eine freundliche Umarmung wären mir lieber..
aber nicht von ihr.
Ich weiß immernoch nicht, wie ich zu unsrer Zweckgemeinschaft stehe, und was ich mal mache, wenn wir in der endgültigen Oberstufe nicht mehr Zweckgemeinschaft sind.

Gibts in Hamburg und Passau Universitäten?
Passau war schön, da war ich glaub ich 2005 oder 2006, noch mit meiner Mutter, und in irgendeinem Buchladen mit unfreundlichen Verkäufern hab ich mir schwarze Schafe und andere Heilige von Christina Chiu mitgenommen, die Ausgabe hab ich leider nicht mehr, und auch, wenns nur 2,50 Euro waren, weil irgendein hirnamputiertes Menschwesen beschlossen hat, das Buch zum Ladenhüter zu erklären, obwohl es ein Stück vor Dirk Bernemann und Ich hab die Unschuld kotzen sehen Indiefresseschlagliteratur, für die mir immernoch eine korrekte Bezeichung fehlt, war, seh ich das als Verlust. War und ist eines meiner Lieblingsbücher, und außerdem hat es mich zum Nirvanahören gebracht, essgestörte Minderjährige mit Shakespearevorliebe und später der großen Liebe, die dann Selbstmord begeht, sind mir sympathisch, auch, wenn das das falsche Wort ist und mir gerade nur kein besseres einfällt, und ich habe in der Zeit angefangen, es zu lesen, als die ganze Sache mit meinem 6-Jahres-Problem angefangen hat.
Wenn mir damals einer gesagt hätte, dass das so große und dauerhafte und zersetzende Ausmaße annimmt.
Damals hatte ich auch rötliche Haare, so wie jetzt wieder, aber sie waren nur in etwa ein Drittel so lang wie jetzt, und richtig rot, nicht eichhörnchenfarben.


Das neue Bring Me The Horizon Album, das von der Metalfront der Umgebung und von EMP als "Album des Jahres" und von den BMTH-Fans der ersten Stunde als "Scheiße, die nix mehr mit bmth zu tun hat" betitelt wird, trägt den Namen There is a hell, believe me, I've seen it.
There is a heaven, let's keep it a secret.

Alleine das wäre schon Kaufgrund und zumindest der erste Satz fast schon eine Tätowierung wert.
Außerdem beschreibt er das alles ganz gut.

Eigentlich wollte ich auch nur den Albumtitel posten, zusammen mit dem Hinweis, Danke der Nachfrage, mir gehts scheiße und ich ertrinke mal wieder in Melancholie und depressiv angehauchter Stimmung, aber irgendwie ist da doch noch mehr sinnfreies mit rausgekommen.
Bevors noch schlimmer wird, geh ich nochmal zur Waschmaschine und sollte dann vermutlich schlafen, muss um 5 Uhr aufstehen, in der Schule wach sein und dringendst für Physik am Mittwoch lernen, eigentlich.
Hab grad das Bedürfnis, mit Menschen zu reden, aber von denen, die welche sind, kann ich keinen um die Uhrzeit anrufen.
Außerdem würden die es eh nicht verstehen.

P.S.: Ich wurde zwischenzeitlich mal wieder offiziell als psychisch kaputt eingestuft.
Findest du, ich bin psychisch kaputt?
Und selbst wenn, was macht das schon.

Irgendwann stell ich mich vor die Tür des 6-Jahres-Problems, deute auf mich und sage dabei vorwurfsvoll:" Da guck, was du gemacht hast."




Mittwoch, 17. November 2010
Exilgeschriebenes vom 16.11.2010, diesmal verewigt auf und teilweise in einer Broschüre vom Arbeitsamt. Hab den "obigen Satz" mal zum Titel für den Eintrag erklärt:
Obigen Satz bekam eine Mitschülerin von mir zu hören, die auch nach 5 Monaten immernoch todtraurig ist, weil sie die Gucci-Tasche im Ausverkauf nicht erstehen konnte, da ihre Mutter diese nicht bezahlen wollte, und aufgrund solcher Tatsachen der Meinung ist, ihre Eltern, nein, ihr ganzes Leben wäre furchtbar schrecklich, und mir aus dieser Überzeugung heraus erklärte, ich hätte weder Probleme, noch so ein schreckliches Leben wie sie.
Da ich es ablehne, die ganze Schule über 13 Jahre Alkoholmutter,deren Tod,bis jetzt 16 Jahre Alphatiervater, beides verbunden mit 6Jahresproblem, diversen Todesfällen, der anscheinend üblichen Identitätssuche, allgemeiner "Andersheit" und daraus resultierenden Dauerproblemen mit so ziemlich der ganzen Menschheit zu informieren, blieb es bei einem Sei ruhig, du hast keine Ahnung.. und eben dem im Blogtitel genannten Satz. Nicht sehr kreativ, aber es gibt Situationen, in denen man meinen könnte, selbst ich hätte Gefühle, und darunter leidet dann eventuell auch mal die Kreativität. Entweder das, oder sie schwingt sich zu ungeahnten Höhen auf; das könnte die Erklärung sein, warum ich während den glücklichen Anfangswochen meiner letzten "Beziehung" unfähig war, irgendwas sinnvolles zu schreiben. Eine gewisse schmerzvoll-hoffnungslose Verzweiflung gehört anscheinend dazu, und ohne Melancholie, Sarkasmus und die mir unterstellte Schwarzseherei sind wir eben mal wieder so weit, dass nicht mehr viel von mir übrig bleibt.






Montag, 15. November 2010
ich bin früher aufgestanden, um mich kurz zu melden.

Mein Vater hat meine Zimmertür ausgehängt.
Ganz toll..immer wenn er aufsteht, heimkommt, weggeht fällt mir da das Licht rein, außerdem Adios Privatsphäre.
Er kann froh sein, dass ich keinen männlichen Besuch habe zur Zeit.

Offizielles Schreibverbot habe ich auch, sämtliche Notizbücher weg, meine Schulblöcke auch, mal sehen, worauf ich heute schreibe. Werd mir vermutlich Blätter leihen und morgen in der Mittagspause wieder einen Block kaufen, oder zwei. Damit ich hier nicht durchdrehe.

Das Wochenende über habe ich auf ein Blatt Kopierpapier, das ich mir unauffällig weggenommen habe, und, weil nichts besseres da war und das Papier abgezählt ist, auf einen Karton geschrieben.
Warum? Weil ich schreiben MUSS.
Wird in nächster Zeit wohl auch so weitergehen. Ich versuche, das in meinem Exil der Privatsphärenlosigkeit und des Schreib-und Hausverlassverbotes Geschriebene hier her abzutippen, im Falle er es findet bin ichs nämlich los und soll ja für die Nachwelt festgehalten werden.

Auch losgeworden bin ich meinen mp3-Player, dafür habe ich meine Kamera wiedergefunden, die er zwischen seinen Sachen versteckt hat und von der er behauptet hatte, dass ich sie verlegt hätte, weil er vergessen hat, wo er sie hin hat.

Ich vermisse meine Zimmertür..
Aber ich kann jetzt selbst unter widrigen Umständen wie Volllautstärke des Fernsehers und Leuchten des Flurlichts schlafen. Ist bestimmt später nützlich, wenn ich, bestandene 10. Klasse und bestandenes Abitur vorausgesetzt, studiere.


Muss jetzt ins Bad, verpasse sonst meinen Bus.
Danke fürs Lesen oder auch Nichtlesen und eventuell aufmunterne Worte. Vermutlich melde ich mich jetzt öfter um die Zeit, oder zwischendurch mal, wenn ich früher heimkomme/irgendwo an den Pc kann. Falls ich mich im Schulinternetcafé anmelden darf, auch als Oberstüflerin, kann ich auch von dort aus in Mittagspausen/Freistunden usw. schreiben, würde meine Eintragsfrequenz drastisch erhöhen, auch wenn ich von dort vermutlich nicht alles schreiben könnte und manche Seiten blockiert sind. Wenn blogger auch dazugehört, hab ich ein Problem.

Wünscht mir Glück. Für Französischschulaufgabe heute, für den weiteren Verlauf meines Exils, fürs 6-Jahres-Problem und allgemein halt. Glück kann man immer gebrauchen.

Dankeschön.




Donnerstag, 11. November 2010

Irgendwo zwischen dem verbitterten Kampf gegen alles, jeden und mich selbst habe ich heute revolutionsplanend, basisdemokratiebefürwortend und ein Milchtütchen aus unserem Milchprodukteautomat, der die altmodischen Klischeemilchtütchen, wie man sie in manchen Filmen in Schulen sieht, ausspuckt, nur mit dem Unterschied, dass unsre von Landliebe sind und es sie als Vanille, Karamell und wasweißich gibt, schlürfend im Wirtschaftsunterricht gesessen,während meine Banknachbarin versucht hat, mich vom entfernen der Metallsammlung in meinem Gesicht und an meinen Ohren zu überzeugen und unser Tafeldienst damit beschäftigt war, ebendies mit dem "Drecks Emo, wir machen dich kalt!", das mit einer nicht ganz originalgetreuen Zeichnung von mir versehen war, zu tun.
Liebesgrüße aus der Upper Class .
Hinter mir dönerstinkender Mitschüler, der durch exzessives Rülpsen sowohl das Klassenzimmer vergast als auch das Ozonloch vergrößert und Deutschlands CO2-Ausstoß-Statistik in den nicht so guten Bereich verschiebt, neben mir inzwischen Gerede über "Tattoo weglasern" , darüber, wie schrecklich eklig Piercings und wie schlimm abgeblätterter Nagellack und "durchgefickt-Frisur" seien, und wie wunderbar ich mit einem flotten Kurzhaarschnitt, gut durchgestuft, schokobraun und ohne Metall aussehen würde.
Irgendwie hat mir dieses bisschen normal den Donnerstag ein bisschen gerettet,es war nicht mehr so schlimm, vor dem ganzen Sportkurs mal wieder von der Lehrkraft, die an Gott und meine absolute Unsportlichkeit glaubt, bloßgestellt zu werden, und überhaupt war eigentlich nichts mehr so arg schlimm, außer in meiner wiedererkämpften Mittagspause die Mischung aus akutem Seelenschmerz und Eifersucht. Letztere hat sich relativ schnell wieder in Verlustangst umgewandelt, "richtig" eifersüchtig bin ich selten, hat die Sache nicht angenehmer gemacht.
Und als ich dann,wieder im Klassenzimmer und vor Sozialkunde, umweht von der Dönerdunstwolke und im Hintergrund die Tafel, die dann eigentlich ich wischen sollte, und auf der der Satz "The Bible is not an encyclopaedy" geschrieben stand, den ich irgendwie fast poetisch und definitiv so toll fand, dass ich ihn hab stehen lassen, meinen Mitwischenden, den Absendtenheftführer, davon überzeugen wollte, mit mir die Welt zu retten, hätte der Moment fast etwas von "da passiert was Großes" gehabt, so beeindruckend war meine spontan für Mitwischenden und geistig halb abwesende Banknachbarin gehaltene Rede, wären die beiden nicht, genauso wie der Rest, asolut ignorante Anhänger der Ichkannjaehnixändern-Faulheit und der Isdochallessuperignoranz.
Im dezenten Kontrast zu meiner Kampfrede zur Wiedererlangung unserer Demokratie und Freiheit stand die Standartlobrede auf Deutschland, die mein Sozialkundelehrer die nächsten 45 Minuten hielt und die uns zu stolzen Patrioten machen und davon überzeugen soll,wir hätten tatsächliche Meinungsfreiheit und ebendiese Meinung wäre ausschlaggebend für alle Entscheidungen. Und Russen scheiße.
Ich bin nicht unbedingt ausländerfreundlich erzogen worden, eher im Gegenteil, aber auch wenn sich das jetzt doof anhört, für mich existieren Grenzen eigentlich nur auf der Landkarte, kulturelle Unterschiede hin oder her. Als ich diesen Gedanken aussprach, wurde mir Nachsitzen und Verweis angedroht, während meine Klasse nur genervt die Augen verdrehte,allerdings eventuell auch wegen dem Lehrer, was in mir für eine Sekunde die Hoffnung auf intelligente Lebensformen im Klassenraum weckte, die aber in der nächsten Stunde wieder zerstört wurde, als Kate Moss als "realistisches Vorbild" in Sachen Optik/Schönheitsideal beschrieben wurde.
Als ich im anschließend durchgeführten Gewichtsstatistikdings mit 68kg auf 1,74m im Bereich der mittelschweren Jungs war, während der Durchschnittswert bei Mädchen in diesem Größenbereich irgendwie rund 13kg niedriger saß, hab ich auch begriffen, wieso.