Freitag, 20. Mai 2011
Thema: monolog
Song of the Weekend.


..freies Atmen wird überbewertet und gesundheitlich ist alles ok.
Na gut, ich bin mal realistischer. Es geht bergauf, die zwei Päckchen Erkältungstee scheinen langsam anzufangen, zu wirken, vielleicht auch der Abstand zur Schule, wenngleich der heutige Tag nicht ganz so entspannt war wie geplant, da mein Vater spontan den Entschluss gefasst hatte, zu Hause zu bleiben und nicht nur an Gott glaubt, sondern auch an andere völlig absurde Dinge wie zB daran, dass ich trotz meines aktuelle Zustands voll funktionsfähig Hausfrau sein kann. Ich denke, inzwischen habe ich ihn erfolgreich vom Gegenteil überzeugt und da er spontan doch kurz unterwegs ist und ich wieder den Kampf mit der teilzeitkaputten Laptoptastatur suchen wollte, bin ich jetzt hier, bevor ich, im Falle ich mich an den Plan halte, die Reizbildung und -leitung im Herzen, Entstehung und Ursachen von Herzinfarkt und Kammerflimmern und theoretisches und praktisches Wissen zum AED endlich mal durchlese wiederhole. Ich bin top vorbereitet auf meine Prüfung, Ohja. Und der praktische Teil? Improvisation ist alles..

Die Schwester der alten Sache hat mir extra eine sms geschrieben, nur um nachzufragen, ob ich lieber Lasagne, Pizza oder Pizzabrötchen essen möchte. Offensichtlich ist nur die im Normalfall smiley-, satzzeichen- und emotionslose Ausdrucksweise genetisch festgelegt (er macht für die Feindin ja gerne mal Ausahmen, oder manchmal auch so, wenn man mit ihm schreibt. Da kommt als Antwort gerne mal ein schlichtes "^^") und generelles Kommunikationspotential vorhanden.


Ein bisschen Nervosität hier, und das sichere Gefühl, alles ist zum Scheitern verurteilt.
Mein Plan und ich, wir sitzen hier so rum, gucken dumm und fühlen uns ein bisschen destroyed und verloren.




Donnerstag, 19. Mai 2011
Thema: monolog
Mein Hirn mal wieder in Watte gepackt und spätestens, als ich nur unter großer Anstrengung und mit extremem Schwindelgefühl das Katzenklo hochheben konnte, drängte sich mir der Verdacht auf, dass der grippale Infekt, der mich mal wieder erwischt hat, eventuell einer von der schlimmeren Sorte ist.
Was technisch unpraktisch ist und allgemein nicht sein darf, Samstag Prüfung, abends bin ich bei der Schwester der alten Sache mit der Feindin und irgendeiner anderen Freundin von ihr eingeladen, am nächsten Tag ist wieder Fortbildung und da darf ich nur fünf Stunden fehlen, ein Unterrichtstag hat aber schon acht.
Mein Teekonsum hat sich vervielfacht und die Schule musste heute ohne mich auskommen, denn ich habe immernoch die utopische Hoffnung, mich gesundheitlich bis Samstagmorgen auf die Reihe zu bekommen, weshalb ich auch den morgigen Tag zu Hause verbringen werde, bis mein Vater heimkommt teetrinkend und dösend, eventuell einweichend in dem Erkältungsbad, das ich in der hintersten Ecke des Schranks gefunden habe. Sonst dusche ich nur, einmal baden wird die Welt hoffentlich nicht untergehen lassen.

Nicht nur deswegen wird am Samstag mal wieder gekämpft; nach geglücktem Anschreibversuch und halbwegs normaler Kommunikation plus Überlegungen seinerseits, ob er mitgeht aufs Taubertal Festival (Yes, I'll be there, zusammen mit der Feindin, einer ihrer Freundinnen und eventuell seiner Schwester) nähern wir uns nun Phase Zwei des Endplans, die schon für letzten Samstag in der Absteige geplant war und nun leicht modifiziert durchgeführt werden wird, falls möglich. Wenn nicht verschiebt es sich wieder einmal auf unbestimmte Zeit und es bleibt eben ein Mädels-DVD-Abend mit ein paar Metzelfilmen.

Stay tuned, ich mach mir mal wieder Tee. Erkältungstee oder doch Kamille?




Mittwoch, 18. Mai 2011
Ich hab heute die erste offizielle Magersüchtige in unserer Gegend gesehen.
Genau genommen habe ich sie schon vorher gesehen und es mir auch schon vorher gedacht, aber heute habe ich auf vorsichtiges Nachfragen bei einer Mitschülerin erfahren, dass besagtes Mädchen wirklich nicht "einfach nur extrem dünn" ist. Dachte es schon vorher, kannte sie vom sehen noch von früher, da hatte sie noch schulterlange Haare, spielte Fußball und genau die Mädchen, die immer über sie gelästert haben, weil sie sich allgemein nicht unbedingt feminin verhalten hat, holen sie jetzt in jeder Mittagspause von der Nachbarschule ab und reden mit ihr, somit sitzt sie jetzt immer mit dabei und auch zurechtgeföhnter Kurzhaarschnitt und sorgfältig aufgetragenes, trendorientiertes Makeup schaffen es nicht, abzulenken davon, wie..schlecht es ihr körperlich eigentlich geht.
Sicher, da sind diese Standardbeobachtungen, von denen man immer liest, wenn es darum geht, eine Magersüchtige zu beschreiben; dass selbst die kleinsten Größen noch zu groß sind; dass selbst Holzstäbe noch dick wirken gegen ihre Beine und jegliche Anzeichen einer weiblichen Körperform schon lange verschwunden sind. Das sind die oberflächlich sichtbaren Beobachtungen, die, die am schnellsten auffallen.
Das erste, was ich gesehen habe, war natürlich, dass sie dünn ist, so dünn, dass ihr Bauch nicht nur nicht vorhanden zu sein scheint, sondern sich deutlich sichtbar nach innen wölbt, aber als nächstes habe ich gesehen, wie sie sich verhält; dass sie eigentlich immernoch ziemlich selbstbewusst zu sein scheint; dass ihr komplettes Outfit wie aus einer der Zeitschriften, die ich nie lese,die man aber in dem Alter anscheinend normalerweise liest, kopiert wirkt und dass es entgegen der zumindest bei uns verbreiteten Vorstellung durchaus im Bereich des technisch Möglichen liegt, dass ihr Selbstbewusstein nicht nur Fassade und Show, sondern echt ist.

Vielleicht haben sie ja Schuldgefühle, weil sie früher so über sie hergezogen sind, vielleicht "passt" sie jetzt auch besser dazu, jetzt, wo Klamotten und Haarschnitt stets up to date sind und sich ihr Musikgeschmack von einem Nachmittagsunterricht zum nächsten völlig verändert, je nachdem, was die Charts gerade sagen; vielleicht wollen sie auch ganz uneigennützig auf sie aufpassen oder dafür sorgen, dass sie sich nicht alleine fühlt. Offensichtlich scheinen sie auch hin- und hergerissen zu sein zwischen dem, was man sich bei uns so unter einer Magersüchtigen vorstellt und dem, was sie vorlebt. Sicher ist da auch ein bisschen Show dabei, aber man versteht, durchschaut, sieht sie erstaunlich gut, ich zumindest; und wenn sie erzählt und ich als einzige kapiere, was sie eigentlich sagen will, könnte das positiv sein, die Tatsache, dass sie mindestens genauso misstrauisch auf mein Essen starrt wie ich, im Gegensatz zu mir aber meist nichts oder wenig isst, während sie zu versuchen scheint, mich mit Blicken zu wiegen, und es sonst vermeidet, mich näher anzusehen, wohl zu viel Fett auf einmal, neutralisiert es allerdings wieder. Zum Lachen bringen lässt sie sich auch nicht, der Test bezüglich Höflichkeitslachern bei schlechten Witzen verlief ebenfalls negativ, und allgemein scheint die Tatsache,dass ein Mitte/Oberkante-Normalgewicht-Mensch sie anscheinend versteht und teilweise durchschaut, sie ein bisschen zu verstören.

Sie ist nicht der einzige Mensch, der sich bedingt durch mich bestenfalls leicht verstört fühlt und grenzenlos überrascht ist, wie schnell ich verstehe (das war übrigens das einzige, was sie bis jetzt ein bisschen aus der Reserve gelockt hat) , dafür aber eine der ersten, bei der ich trotz entsprechender Situation nur einen ganz geringen Anfall meines Helfersyndroms habe.
Ob das gut ist oder schlecht weiß ich nicht, wünschen tu ich ihr trotzdem alles Gute.




Sonntag, 15. Mai 2011
Er ist nicht da.
Ich bin da, aber er ist nicht da, seine Schwester ist da, aber er ist nicht da,obwohl er gesagt hat, er kommt, nicht mir, aber dem Feind aus den eigenen Reihen,wir stehen vor der Absteige und warten, und irgendwann hat der Mensch neben dem Feind, der eigentlich eine Feindin ist, fertig geraucht und wir gehen rein, und er bleibt weg, Bands spielen, ich bin emotionslos, so sehr, dass ich sogar tanze, irgendwann teilen die Feindin und ich uns einen Cocktail mit viel zu hohem Wodkagehalt, erwähnte ich schon, dass ich Wodka nicht mag, zwischendurch tanzen und dann headbangen, je nach Band, irgendwann am Rand sitzen und ausruhen, rechtes Ohr schmerzt höllisch, seit die Schwester der alten Sache so laut hineingeschrien hat.
CD kaufen, ich will die CD von der Band da kaufen, aber ich habe kein Geld, seine Schwester kauft die CD und sagt, sie leiht sie mir aus oder ich soll mir die Musik auf einen USB-Stick ziehen, sie weiß nicht, wie das geht, mir fällt ein, dass ihr Bruder noch einen USB-Stick von mir hat, sie sagt, das kann dauern, bis ich den wiederbekomme, aber zur Not soll ich ihn erpressen, ich frage mit was denn, sie sagt, sie weiß da was, ich nur "Was?", sie sagt, erzählt sie mir, wenns soweit ist und ich habe Angst vor einer erneuten Bestätigung des Problems, neue Band, diesmal tanzen wir nicht, sondern wippen nur im Sitzen mit, Kriemhildfreund fühlt sich ausgeschlossen, Kriemhild wohl irgendwie auch,ich fühle mit beiden mit, aber für mehr reicht es nicht.
Bevor wir gehen Nummerntausch, seine Schwester will einen Filmabend machen am Samstag, juhu, wird zeitlich schwierig, hinzukommen, werd wohl nach der Fortbildung eine Stunde auf den Zug warten, heimgehen lohnt sich nicht, oder heimgehen (Wie auch immer ich das schaffen soll ohne Fahrgelegenheit), durch Dunkelheit 5km zum Zug laufen und später fahren,vom anderen Bahnhof aus, Prüfung an dem Tag, Sonntag gleich wieder Unterricht.
Angerufen, keine Zeit geplant, nur das Gefühl, dass es ein Mädelsabend wird, die Feindin aus den eigenen Reihen wird auch da sein und noch irgendwer anders, ich ziehe den allgemeinen Altersdurchschnitt runter und mehr in den minderjährigen Bereich.

Ich stelle fest, dass ich mich mit seiner Schwester inzwischen besser verstehe als mit ihm, finde es nicht unbedingt toll, und jedes Mal, wenn sie von ihm redet, denke ich mir :"Wenn du wüsstest".