Freitag, 1. November 2019
Nebenher den Bloggeburtstag verpasst - kann man schon mal machen.

Traditionell auch hier wieder ein Gedenkgruß an den Vorgänger, der irgendwo in den ewigen Wortjagdgründen vor sich hindümpelt, nachdem er durch Schicksal, Glitch, Sprung in der Matrix oder was-auch-immer verloren ging. Möge er in Frieden ruhen und an einem besseren Ort sein - wo auch immer das ist.

Neun Jahre. Gefühlt immer noch nicht weiter; meistens zumindest. Gelegentlich dann doch mal. Und dann wieder Rolle rückwärts (Joke's on me, das klappt ja nicht mal vorwärts).
Aber hey, neun Jahre.
Vielleicht bin ich ja doch fähig, längerfristig am Ball zu bleiben.




Mittwoch, 24. Dezember 2014

I'm good at feeling bad.


Eigentlich war ich die letzte Zeit ziemlich stabil davon überzeugt, mir selbst genug zu sein.
Ich habe mich phasenweise attraktiv, mindestens aber annehmbar gefunden, und gelegentlich fanden das auch andere.

Dann hat das Weihnachts-Wrestling angefangen.
"Frohe Weihnachten an dich und deinen Freund!"
Danke, der hat im Februar beschlossen, dass das alles nur die Anfangseuphorie war.
"Vor nem Jahr hat du einfach vor meiner Tür gestanden!"
Da kam ich von Mr.Gaunt und kam mir vor wie der stabilste Mensch der Welt, mit dem stabilsten und wunderbarsten Menschen an meiner Seite.
"Macht es dir eigentlich was aus, wenn wir am Freitag auch Mr.Gaunt und seine Freundin sehen?"

So ein Pech aber auch.

Zur Vorbereitung auf die Mischung aus Heimatbesuch, Konzert und emotionalem Selbstmord, die mich erwartet, tue ich das Einzige, was in solchen Situationen an vernünftigen Optionen bleibt:
Tee trinken, Schokoriegel vernichten und versuchen, einen großen Bogen um die Musik zu machen, die negative Erinnerungen wecken oder das mühsam zurückgehaltene Selbstmitleid entfesseln könnte (also quasi alles, was sich aktuell auf meinem Handy tummelt).
Morgen vielleicht ein Kneipenbesuch mit der ehemaligen Feindin.

Würde ich unser Haus im leeren Zustand nicht so furchtbar gruselig finden, könnte ich mich wenigstens mit einem Glas Wein (oder nem Bier) in die Badewanne legen.
Aber ich hätte eh nichts da.
Kommt davon, wenn man fast nie was trinkt.

Bis ich in zwei Tagen also wie Phönix aus der Asche auferstehe, wünsche ich Ihnen aus meiner Schokoladenpapierchen-Zigarettenasche-90er-Jahre-Versenkung angenehme oder zumindest erträgliche Weihnachten.
Ich versuche solange, das aufkeimende Selbstmitleid in positive Energien (Welthass, Wut, Aggression, etwas mehr Motivation beim Unterfangen, Legolas flachzulegen,...) und noch mehr Positivmusik im Keim zu ersticken.

Peace, Love und ein paar Katzenhaare,
mayhem.




Donnerstag, 30. Oktober 2014
Mehr oder weniger heimlich, selten still, gelegentlich aber immerhin leise,
haben Just Listen und ich es heute bis zu unserem vierten Jahrestag geschafft.
Irgendwo zwischen Melancholie, Welt-fremdeln und -untergang, ein bisschen Nonsens und Katzenhaaren, und stets von guter Musik begleitet, hat das hier länger gehalten, als jede Beziehung und jede Haarfarbe.
Und der Blog und ich, wir sind noch nicht fertig miteinander.

Kurz habe ich überlegt, "Sex, Drugs and Blog'n'Roll" als Titel zu nehmen. Dann ist mir wieder eingefallen, dass ich weder regelmäßig genug Sex (und wenn, dann wars weder schlecht, noch gut genug, um mich dazu zu bewegen, Ihnen sowas zu erzählen), noch ein wirkliches Rockstarleben habe, und das Einzige, was ich regelmäßig verkonsumiere, Alkohol und Tabak sind. Immerhin zwischendurch Mentholkippen. Sind ja bald verboten. Zählen die somit auch?





Donnerstag, 18. September 2014
Aus dem Zimmer des Hippiehäuptlings schallen die Beatles, Mitbewohnerin Nr.4 berieselt uns mit Simon&Garfunkel, bei mir läuft zur Abwechslung mal wieder Frittenbude.
Dank des wieder funktionierenden Rollos verirrt sich sogar ein bisschen Licht in meinen Teil des Luftschlosses, und zur Abwechslung ist das eigentlich ganz nett.

Die baldige Besucherin, das Mädchen aus D., fängt an, mir Angst zu machen; der Tabak hält inzwischen so lange, dass ich fast überlege, das Experiment zu wagen, wieder komplett auf Schachteln umzusteigen.
Der Surfer ist ausgezogen, keiner mehr da, der nachts mit mir draußen sitzt und raucht.
Bald ist er 400km weit weg.
Ich komme fast damit zurecht.
Immerhin ist der neue Mitbewohner, der das Zimmer des Surfers übernimmt, ebenfalls Raucher.

Ein einunddreißigjähriger (und ziemlich schlechter) Jack Sparrow-Verschnitt, der beinahe mehr Kajal um die Augen hat als ich, und auf jeden Fall ordentlicher lackierte Fingernägel, hat im Gruftkeller nicht nur ein, sondern alle Augen auf mich geworfen, glücklicherweise ist er aber so zurückhaltend/sprachlos im Angesicht meiner strahlenden Schönheit, dass ich mir bis jetzt noch nicht überlegen musste, wie ich ihm möglichst schonend beibringe, dass er im Moment der Inbegriff der Unattraktivität für mich ist.
Sein Freund, den er zum Ausloten der Lage vorgeschickt hatte (ich wusste nicht, dass das auch Männer jenseits des 13.Lebensjahres machen), war deutlich ansprechender und ich wieder überraschend selbstsicher unterwegs.
Passiert in letzter Zeit öfter.


Papa Mayhem war zwischenzeitlich richtiggehend sozial, zumindest so lange, bis die Vatersfreundin beschlossen hat, die "endgültige Trennung" rückgängig zu machen und wieder bei ihm einzuziehen.
Schade, ich hätte mich daran gewöhnen können.

Die Frau mit dem Pferdegebiss beklagt sich aufmerksamkeitswirksam im sozialen Netzwerk; auch ohne Namen ist klar, um wen es geht und neben so ein bisschen Schadenfreude bin ich hauptsächlich genervt von seinen Spielchen und damit beschäftigt, meine Glasglocke durch eine Mauer zu verstärken, um keine ernsthaften Gefühle für den Exilsachsen zu entwickeln, bevor nicht sicher ist, ob mir das gut tut.
Funktioniert überraschenderweise, bis jetzt.
Zu gut.
Ich sollte wieder damit anfangen, mir zu vertrauen.


Meine Glasglocke, unter der ich sitze, ist eine seltsame Geschichte. Ich glaube, Mr.Gaunt hat sie da gelassen; ich habe sie behalten, wie die Mützen und den Patronengürtel.
Ich habe sie übernommen, wie seine Selbstsicherheit und die Zigarettenmarke.
Und egal, wie unwirklich es sich anfühlt, oder ob es gut oder schlecht ist, es scheint zu funktionieren.
Sehr surreal, das alles.




Mittwoch, 3. September 2014

Alles fühlt sich so nach "guter alter Zeit" an, da konnte ich einfach nicht anders.

Pack- und Besorgungslisten schreiben, Hin- und Heimfahrt organisieren und in dem ganzen Wirbel dafür sorgen, dass Tante Emma nicht mental kollabiert ("Das ist so kompliziert!" - "Hast du dir meine Liste durchgelesen?" -"Nein, das ist alles so kompliziert! Ich könnt durchdrehn!" -"Lies sie mal. (..) Hast dus jetzt verstanden?"
-"Ja.Aber keine Ahnung, das ist alles so kompliziert!")
und ich nicht absolut entnervt ausraste.
Die Festivalvorbereitungen laufen auf Hochtouren, und dank meiner Fähigkeit, alles bis ins kleinste Detail durchzuplanen und in Listenform zu bringen, kommen wir mal sowas von klar (also, außer Tante Emma. Für die komme ich mit klar).

Das letzte Mal ausgiebiges Beautyprogramm, um sich dann, wohlduftend, mit perfekt geformten Augenbrauen, frisch geschwärztem Ansatz und sonst keinem Haar zu viel am Alabasterkörper in die Schlamm- oder/und Staubschlacht zu werfen.
Sie würden sich wundern, wie gut es, entgegen mancher Klischees, vor Metalbühnen riecht; der Haartick ist irgendwie geschlechtsunabhängig ziemlich weit verbreitet.

Noch eine Waschmaschine, bis (so gut wie) alles an Ausrüstung und Kleidung sauber ist (Die letzte große Frage der Menschheit: Was mach ich mit meiner Lederleggings?), und noch schätzungsweise ein Bier und ein Bambi-Augenaufschlag, bis ich unserem Nachbarn eine Stange tschechische Zigaretten abgeschwatzt habe.

Die Gratistickets, die der Cubaner netterweise an uns weitergegeben hat, habe ich heute auch aus dem Briefkasten gezogen, und somit kann es dann morgen los gehen.
Mit Tante Emma, dem Fremden und Ms Golightly im Schlepptau, im Auto des Postboten, mit dem Exilsachsen und dem Raucher in der Campingcrew und Mr.Gaunt auf der Bühne.

Ich verbeuge mich vor dem geneigten Publikum und verabschiede mich in Richtung eines Ereignisses, das für die einen Urlaub, und für die anderen einfach die größte, friedlichste Massenschlägerei der Welt des dazugehörigen Bundeslandes ist.
Ernsthaft, mir geht es gut.
Wissen Sie, wie lange ich darauf gewartet habe?

See you later, wenn ich die Kommentarfunktion wieder angeschalten habe,
auf Wiedersehen und Prost,
mayhem.




Mittwoch, 23. Juli 2014


Mayhem betritt WG,
Mayhem textet den WG-Häuptling planlos zu und hilft bei akutem Nikotinentzug dank großartiger Drehfähigkeiten aus.
Eins zu Null.

Zweiten WG-Kollegen, den schüchternen Asiaten, gesichtet,
Hallo gesagt,
verlegenes Handschütteln, der schüchterne Asiate flüchtet, weil er, wie ich erfahre, Angst vor Frauen hat.
Zwei zu Null.

Dritte WG-Kollegin am Telefon des Häuptlings.
"Waaaas, sie hat ne Katze? Sie MUSS bei uns einziehen!"
Drei zu Null.

Vierter WG-Kollege am Telefon des Häuptlings.
"Joa, macht ihr das mal. Klingt sympathisch, und wenn se ne Katze mitbringt und Metal hört, is das echt ziemlich cool."
Vier zu Null.

Dreißig Minuten Gespräch, zehn Minuten später, während ich auf meinen Bus warte, kommt der Anruf, wenn ich will, wollen sie auch. Und ich könnte notfalls auch jetzt schon rein.


Somit wohne ich ab spätestens 01.08. mit einem Asiaten, der Angst vor Frauen hat, zwei mir bis jetzt unbekannten, da ebenfalls erst neu eingezogenen Menschen und dem Hippiehäuptling in einem netten, kleinen, sanierten Bauernhaus in einem Vorort, gegen den das Auenland gnadenlos abstinkt.
So, wie die Treppen, Balken, Deckenvorsprünge und Türen (zumindest auf meinem Stockwerk) aussehen, wurde es auch für Hobbits gebaut.
Und es hat Blümchenlinoleumboden in der Küche!
Und alte Holztreppen!
Und einen Garten!
Und die Busverbindungen treiben mich in den Wahnsinn!

5km bis zum Bahnhof. Ich fühle mich wieder wie zuhause.
Aber ne Tanke gibts.
Und es fährt immerhin öfter als einmal am Tag ein Bus vorbei. Gelegentlich sogar Richtung Uni.

Morgen heißt es endgültig Abschied nehmen vom Mayhemmobil, und in einer Woche habe ich wieder das Vergnügen, live aus einem, nein, meinem, Dachbunker zu schreiben.



Well these times ain't always easy
And our money's running dry
These are probably going to be the best days of our lives

So here we go, back on the road again
And wish me well, I've got no soul left to sell
Although we may not have very much to show for it now
At least we have these stories to tell
Yeah we're definitely going to hell




Montag, 21. Juli 2014
Adios und alle Liebe, die sich in meinem immer noch nicht ganz zurückgekehrten Herz befindet, ans Mayhemmobil,

aller Hass dieser Welt an den Knastbruder, und aus Prinzip auch an die Vatersfreundin, und an ein paar andere Menschen,

alle Hoffnung, die ich noch habe, an die HippieNerdBanker-WG, die ich morgen besuche,

und ein "Ich lebe noch, die Welt geht unter, aber wenn ich das hier überstehe, wird alles besser" an die werte Leserschaft und so ein bisschen auch an mich selbst.

Auf dass nicht nur verloren gegangene Hoffnungen Wunschvorstellungen, sondern auch Superheldenleistungen, allgemeine Aufwärtstendenzen, und die ein oder andere nette Begegnung*, sowie ein paar gute Möbelfunde zum Ausgleich der wunderprächtigen Erb- und Schnorrstücke, die sich in die Abgründe des Verfalls gestürzt haben, meinen Weg säumen.


Der selbstverständlich nach wie vor begleitet wird von ganz viel Geschepper und Getöse (Wieso habe ich darüber eigentlich noch keinen Blog gestartet?), weltbewegenden Erkenntnissen, diversen seltsamen Auswüchsen meiner Psyche und einem alles bedeckenden Teppich aus Katzenhaar.








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*natürlich gerne langhaarig und bärtig, aber ich bin da ja flexibel und zur Zeit erstaunlich emotionstot, außer dieser eine langhaarige Bärtige,der mal meiner war, steht, samt neuem Anhang, vor mir, wie am Freitag. Aber auch das hat man überlebt. Ich habs drauf.




Dienstag, 10. Juni 2014
Nach einem weiteren Ausraster des Knastbruders flüchte ich in der Theorie zum Fremden; in der Praxis wohnt der ja wieder bei Mutti und schiebt mich zum Mischpultmann ab.

Es folgt das obligatorische Gespräch über den Raucher, der sich zwischenzeitlich halbwegs gefangen und durch die Gegend gevögelt hatte, tut ja auch mal ganz gut,
das aber leider im Dauersuff.
Im Westen nichts neues.

Bis der Mischpultmann, der den Raucher seid 12 Jahren kennt, sagt, dass das eigentlich nicht meine Schuld ist.
Dass er so oder so immer wieder seine EvilBlackMetal-Phasen hat, seine Selbstzerstörungstrips fährt, seine Bierkastenburgen baut.
Auch, wenn er mit der ganzen Sache mit mir eigentlich schon abgeschlossen hat.
Dass er vielleicht nur eine Rechtfertigung gesucht hat.
Und in solchen Phasen außerdem fast das homophobste, rassistischste Arschloch ist, das so zum Absteigeninventar gehört.
Dass das einfach so ist
und dass es nicht meine Schuld ist.
Nach etwas über einem Jahr mehr als nur schlechten Gewissens mal eine ganz nette Abwechslung, das zu hören.


Alles wird gut.
Dafür werde ich sorgen.
Ein Wohnungsbesichtigungstermin, vielleicht noch diese Woche,
und ein Festival, dieses Wochenende.
Kein großes, aber ein gutes.
Weil nichts so gut gegen Weltuntergänge hilft wie überteuertes Plastikbecherbier, in der Sonne sitzen, bis die Sommersprossenarmee meine kompletten Wangen eingenommen hat; sich, je nach Bühne, das Hirn wegschreien lassen oder sich über schlechten Pseudopop/Hiphop/Möchtegernelektro aufzuregen,

und ganz einfach mal wieder zu spüren, dass man noch lebt.

In diesem Sinne verabschiede ich mich schon mal prophylaktisch ins Wochenende, sollte ich nicht mehr zum Schreiben kommen.
Man könnte jetzt darüber diskutieren, ob es so schlau ist, mit dem Fremden, dem Mischpultmann, dem Raucher, dem schweigsamen Hessen und wie sie alle heißen auf ein Lokalfestival zu gehen, auf dem so am Rande noch Mr.Gaunt mit Freundin rumfliegt, und das Ganze nebenher noch zur Normalitätskonfrontationstherapie für Tante Emma (Knastbruder-Ex-und-Gelegenheitsfickschnitzel. Versucht, ihr Leben auf die Reihe zu kriegen, hängt aber leider nach wie vor an ihm und lässt sich deswegen auch gelegentlich halb bewusstlos prügeln) zu erklären, der ich gerade beibringe, dass es auch gute Menschen gibt.

Aber es ist Musik, lebende und wummernde und trommelfellkillende Musik, und ein Festival, und es sind all die Menschen, die mal wichtig waren, oder es immer noch sind,
die mal Freunde waren,
oder nur so getan haben,
oder mich an den Rand eines Wutausbruchs bringen,
oder einfach scheiße sind.
Es ist das, was mir die letzten Wochen so sehr gefehlt hat, und vielleicht das, was mich noch irgendwie "bei Verstand" hält.




Mittwoch, 28. Mai 2014
Nach Weltuntergang folgt Bauwagenfete,
Nach Bauwagenfete folgt Triebeskalation,
nach Triebeskalation das Standardschuldgefühleweltuntergangsfluchtreflextheater, das mein Hirn dann immer mal veranstaltet.
Und der Postbote liegt da so ganz cool rum, alles ist ok und er der erste Mensch, in dem ich mich ansatzweise getäuscht habe. Kein Grund für Schuldgefühle. Alles bestens. Eigentlich sollte ich mich ausgenutzt bis beschmutzt fühlen, wäre es mir nicht auch nur darum gegangen (und das mit dem "beschmutzt"..ach, lassen wir das).
Morgens schaut mich seine Mutter an, als überlege sie, mich an den Wohnzimmersessel unterm Kruzifix zu fesseln, bis der für mich gerufene Exorzist da ist, der Postbote drückt mir ein Uni-Lunchpaket in die Hand und ich bewege mich immer noch zwischen absolutem Abgestoßensein (bayerische Frohnatur! Aber sowas von) und der Frage, was meine Hormone da eigentlich veranstalten.
"Ach weißte mayhem, Verliebtsein is das ja nicht.
Aber ich glaub, wir brauchen uns gerade einfach so ein bisschen.
Ich brauch dich, weil du mich runterfährst und so toll beruhigst, und weil du mir hilfst, mich an meine Grenzen zu halten.
Und du brauchst mich, um die, die du dir selbst gebaut hast, einzureißen."

Auf Triebeskalation folgt allerdings auch eine eins a Nierenbeckenentzündung
sowie ein paar Tage Krankenhaus, in denen nochmal kurz die Welt untergeht, als der Kater zur Hamsterfrau tuckert, dann nochmal, als ich so am Rande mitkriege, _wie_ lange Mr.Gaunt seine Neue eigentlich schon "kennt", und dann nochmal, als es regnet und das irgendwie alles aus dem mentalen Gulli wieder hochspült und auf die Synapsenstraßen presst wie Rattenkadaver aus der Kanalisation.

Auf die Krankenhausgrübelei folgt ein Semi-Aufraffen, und als ich wieder da bin, verkünde ich der WG Regeln, an die sie sich halten wollen und ich mich halten werde, damit wir das hier halbwegs hinkriegen, bis ich ausziehe.
Was eigentlich relativ bald gewesen wäre, die Chance wurde mir aber vor einer Stunde auch wieder zerdeppert.

Habe seitdem 16mm (Übersprungshandlungen? Ich? Aber sowas von!) in den untersten Ohrlöchern, außerdem mehr Antibiotikatabletten als verordnete Tagesdosis, als ich Freunde habe, nebenher der Hausärztin einen verbalen Einlauf verpasst, weil sie einfach so über Wochen einem (Ex-)Junkie alle zwei Tage eine Schachtel Tilidin oder Tramal verschreibt, ohne sich zu fragen, wo die alle hinwandern,
und jetzt mach ich mir verdammt nochmal die Nägel, das ist ja so kein Zustand mehr.





Dienstag, 25. März 2014
Der Knastbruder wird von seinen Aggressionen überrollt und haut Löcher in Türen, wenn er einen Satz falsch versteht,
Der Kater versinkt in seinen Depressionen und lässt niemanden an sich ran. Doxepin 25mg hat die Ärztin übergangsweise verschrieben, und ab 4 Stück wirken sie bei ihm sogar.
Kein Geld, dafür viel zu viele Rechnungen und außerdem vier Mal "allgemeine Verkehrskontrolle" innerhalb von zwei Wochen, inklusive Röhrchenpusten und Urinschnelltest, weil der Kater, neben mir der Einzige hier mit Auto und jedes Mal am Steuer (leider ohne notwendige Sehhilfe), doch schon "so aussieht". Die Haare in Kombination mit dem Auto, zweimal Ex-Dealer und einer davon Ehemals-Knasti, der früher mit der Russenmafia zusammenhing. Da fällt man schon ein bisschen auf anscheinend.
"Herr Polizist, das muss doch scheiße sein, oder?"
-"Was meinen Sie, Herr Kater?"
"Na, den ganzen Tag anderen auf den Schwanz starren und ihnen beim Pissen zuschauen zu müssen, und dann kann man nichtmal wen einkassieren, weil so Penner wie ich einfach mal krass clean sind."

Und mitten in dem Chaos ist auf einmal wieder alles gut und der Knastbruder sagt, er hat mich gerne hier. Und der Kater gibt mir durch die destruktiv-depressive Wand um ihn rum zumindest einen kurzen Kuss und manchmal spricht er sogar mit uns.
Und es wird gemeinsam zu Abend gegessen, und es gibt Gesprächsrunden, und jeder sagt "Gute Nacht" und "Schlaf gut", wenn jemand ins Bett geht.
Wir haben hier unser ganz eigenes kleines betreutes Wohnen.
Drei Ex-Junkies (Das Serotonin-und-Sonstwas-Level des Katers liegt immer noch im Keller und weint, aber das wird schon noch), zwei davon Ex-Dealer, von denen einer nach seiner Geburt erstmal auf Methadon gesetzt werden musste und der Andere zwischendurch mal ein paar Jahre mit seiner Alkoholikermutter untertauchen durfte, und ein paar Psychosen schwirren hier auch so rum.
Außerdem Paranoia en masse, ein paar echt komische Umgangsregeln sowie zwei Katzen (ich fange an, meine Armee zu formieren).
Und mitten drin stehe ich, wie heute Abend, und backe aus insgesamt 1,895kg Teig Schokokekse für den ganzen Haufen.

Läuft.