Donnerstag, 29. September 2011
... war, als die alte Sache mich spontan fragte, warum die Feindin sich zurückgezogen hat. Er habe den Verdacht, dass sie in ihn verliebt sei und eifersüchtig.


Ich saß so da und es tut gerade irgendwie weh.
Fast hätte ich geschrien "NEIN ABER ICH BIN ES VERDAMMT NOCHMAL".
Hab ich nicht.
Beschränkte mich auf sachliches Erklären,warum sie sich ausgeschlossen fühlt, und den Hinweis, dass sie aktuell glücklich in einer Beziehung ist.
Und er meinte wieder "bleibt aber unter uns" und ich "ja".


Vielleicht tötet mich ja die gebrochen-rationale Funktion, um die ich mich noch kümmern muss. Oder schlägt mich zumindest bewusstlos.
Wär gerade ganz nett.




Mein Religionslehrer hat gesagt, die Griechen haben gesagt, in jedem wohnt ein Daimon/Dämon.
Mindestens einen davon, und er sitzt in uns drin und ist mit uns verschmolzen und unsere Persönlichkeit.
Manchmal zeigt er sein Gesicht ganz offen, manchmal nicht, aber da ist er immer.
Der Daimon, das ist unsere Wesensart und, von ihr bedingt, unser Schicksal.
"ethos anthropo daimon".
Der Daimon, der ist eine feststehende Gegebenheit, eine Tatsache, die man nicht komplett ändern kann. Daimon als gegeben akzeptieren, Schicksal annehmen.

Mein Religionslehrer hat gesagt, die Griechen haben gesagt, es gibt zwei verschiedene Arten von Daimon, aber keine Aufteilung in "gut" und "böse".
Deswegen gibt es auch keine schlechten Eigenschaften, sondern jede Eigenschaft hat zwei Seiten, und die sind in jedem unterschiedlich stark ausgeprägt.
Ich fand das ein bisschen tröstlich. Der Gedanke, vielleicht nicht ganz schlecht zu sein. Auch ein bisschen ungewohnt, sich seine schlechten Eigenschaften ins Gedächtnis zu rufen und zu überlegen,was die positive Seite dazu ist.
Das Mädchen am Tisch neben mir meinte, Schwachsinn, und die, neben mir, einzige naturwissenschaftlich Interessierte/Überzeugte, die am Tisch des Mädchens sitzt, stimmte zu.
Ich mag den Gedanken immernoch, vielleicht arbeite ich daran, mich an ihn zu gewöhnen, genauso wie ich beim heutigen völlig ursachenfreien Wiegeschock zum tausendsten Mal beschloss, die Waage nur noch wöchentlich zu besuchen.

Vielleicht ist das ja wirklich so, Wesensart als Schicksal, mit dem man leben soll. Vielleicht ist das ja die Aufgabe, der "Sinn" des Lebens, dass man seinen Daimon finden, verstehen und mit ihm im Einklang möglichst gut leben soll.
Können uns nicht komplett umkrempeln, aber an der Stärke, der Ausprägung der Eigenschaften arbeiten.

" Es gibt keine rein schlechten Eigenschaften."
Doch, ich finde das tröstlich.

Vielleicht mache ich das jetzt zu einer Aufgabe für mich, die gute Kehrseite zu den vermeintlich schlechten Eigenschaften anderer Leute zu finden.
Und wenn sie richtig gemein zu mir sind, bitte ich sie eventuell darum, das selbe vielleicht auch bei mir zu tun.




Montag, 26. September 2011
Thema: gefunden.



Gänsehautfaktor: 100%, wieder mal ein Fall von "Die Coverversion ist irgendwie fast besser als das Original".




Sonntag, 25. September 2011
Selbsterkenntnis ist Krieg.

Gestern nicht nur in der Absteige getanzt, sondern auch davor in einem dunklen Winkel gestanden, den Tränen über-nah gewesen, möglichst weit weg von Kriemhild und der Nachbarin.
Weil die Feindin mich umarmt hat. Einfach so.
Gesagt hat, dass sie merkt, dass es mir nicht gut geht, sie mir eine knallt, wenn ich wieder behaupte, dass nichts wäre, ich ihr nicht sagen muss, was es ist, aber zugeben soll, dass was ist,weil sie es merkt. Sie sich das nicht anschauen will und kann, wie es mir immer schlechter geht.

Ich zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen kann,wenn ich reden will und es so weit ist, dass ich es kann.
Und gesagt hat, dass sie da ist. Auch,wenn ich nicht reden kann.


Ich glaube, sie meint das ernst.
Meint das alles ernst, einfach so. Als wäre ich irgendwie was besonderes oder so.
Als wäre ich es irgendwie wert, Zeit in mich zu investieren.
Ich glaube, sie meint das ernst, will helfen, würde sich das anhören.
Wenn ich reden könnte.
Wenn ich es ihr sagen könnte.
Nicht alles. Nicht die Sache mit der alten Sache. Zu oft betont, dass ich ihn nur als Freund sehe.
Zu oft gesagt, ich könnte mir nicht mehr vorstellen mit ihm.
Vielleicht reden wir mal. Nicht über alles, aber über einen Teil.


Die Feindin ist gar keine Feindin mehr, glaube ich.
War es auf einem Gebiet, aber das ist abgeschlossen.

Vielleicht wird die Feindin ja eine Freundin.




Montag, 19. September 2011
Thema: monolog
"It seems you prophesized
all of this would end..."


Es fängt wieder an.
Es fängt wieder an damit, dass ich nach dem Unterricht zum Bus hetze, nicht nur, um ihn nicht zu verpassen, sondern auch, um mich rechtzeitig in eine Sitzbank werfen und die Augen schließen zu können, damit niemand sieht, dass ich eigentlich kurz vom heulen bin.
Für Außenstehende wird es nach just another Kollegiatin aussehen, mit Jogginghose, lose zusammengebundenen, verwuschelten Haaren und etwas außer Atem, während ich versuche, nicht in der inneren Sturmflut zu ertrinken oder von meinem Gedankenkarussel zerschleudert zu werden, wird es immer dunkler werden, der Bus wird sich leeren und dann werde ich alleine durch die Dunkelheit nach Hause laufen, außer der Mitdörfler aus meinem Jahrgang ist dabei, dann nicht.
Es fängt wieder an, nicht alles, aber einiges, und das schlimmste ist diesmal nicht die Herzfolter, sondern der Rest.

Ganz banal, Schulsport.
Nicht, weil ich keine Lust habe; sicher,das auch, aber das ist nicht das Ausschlaggebende.
Das Ausschlaggebende ist, dass ich dieses Jahr komplett alleine bin, nicht eine einzige wenigstens neutrale Person, dafür auf einem Haufen angesammelt all die, wegen denen ich freiwillig die Klasse wechselte, Mobbing hieß es, ganz offiziell, gemacht hat keiner was, aber wenn es sogar bei uns mal Mobbing heißt, bedeutet das schon was.
Komplett alleine bin ich, alleine mit denen, in einem Kurs mit dem wunderbaren Namen Gymnastik/Tanz, nicht, weil ich das kann, sondern weil die Alternativen noch schlimmer waren, alleine bin ich dort, mit denen, mit den Feinden,und ich hasse es.
Ich hasse es, zwischen Gardetänzerinnen zu stehen, albern auszusehen, weil ich weder grazil noch gelenkig bin, doof auszusehen, weil alle Piercings abgeklebt werden müssen, und vor allem hasse ich es, zu Dingen gezwungen zu werden, vor denen ich Angst habe, während spöttische Fratzen daneben stehen und meinen,das sei doch alles nicht so schlimm, und am allermeisten hasse ich es, wenn ich mein Bestes gebe, das nunmal nur schlechter Durchschnitt ist, während alles gafft und dumm grinst und in der Umkleide über mich lästert.
Ich will nicht schon wieder auf mich alleine gestellt sein, nicht gegen die.
Ein Halbjahr.
Ein Halbjahr lang muss ich durchhalten, dann ein Halbjahr Basketball, Jungsgruppe, aber wenigstens nicht alleine, dann wieder Gymnastik und Tanz, dann wieder Baketball.

Ein Halbjahr durchstehen. Erstmal nur dieses eine Halbjahr.
Zähne zusammenbeißen, nichts anmerken lassen, das übliche beschissene Gelaber, und die selbe Lehrerin wie letztes Jahr, die genauso wie ich weiß, dass ich nicht zum Sport gebaut wurde, und sich immer wieder aufs Neue fragt, wie man so schlecht sein kann.
Und die selben beschissenen Leute wie damals, als meine Haare kurz waren und schwarz gefärbt und meine Arme aufgekratzt.
Mit dem Unterschied, dass ich damals noch was positives und außerdem eine Mutter hatte.

Und jetzt? Keine Mutter mehr,dafür eine Fehlstelle im Herz, deren Existenz ich relativ gut ignoriere, nichts positives, dafür immernoch die pochenden Schmerzen, die die alte Sache auslöste,
" Steht auf oder sterbt auf euren Knien
Steht auf oder ihr lernt es nie
"
Gelegentlich mal die ein oder andere Lebenskatastrophe oder Explosion, und die Egaleinstellung funktioniert irgendwie auch nur, solange ich nicht das Haus verlasse.
Wie auch immer es kommt, was auch immer passiert-
ein Ende ist in Sicht. Für alles.
Das härteste Zähnezusammenbeißen ever, die Bandagen fester geschnürt als jemals zuvor, und in den Boxring steigen auf der einen Seite meine Angst und auf der anderen Seite der Mehrfachgegner gebastelt aus Trotz und dem Gefühl, das entsteht, wenn man in solchen Momenten die richtige Musik hört.

" Ja hier sind wir, eure Feinde und Ziel
Wir gehn zum Lachen in den Keller und wir trinken Terpentin
"
Ich ziehe wieder in die Schlacht, ohne Siegesaussichten,
weiß genau, dass die Angst im Boxring schließlich doch gewinnt.
Ich ziehe wieder in die Schlacht.
Dieses Jahr mehrfach, mehr als sonst und härter als sonst, Kampf an sämtlichen Fronten und gegen mich selbst,das übliche, nur schlimmer, liebe Eltern, bitte halten Sie ihren Kindern die Augen und Ohren zu und passen sie auf, es könnten emotionale Trümmer und Herzfetzen durch die Luft fliegen, machen Sie sich also drauf gefasst, dass es dreckig wird und Flecken zurückbleiben, die sich nicht in der Waschmaschine reinigen lassen.












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Zitate aus:
When the sun rose again von Alice in Chains
Terpentin von den Böhsen Onkelz
(das übrigens ein paar gute textstellen enthält, wird bestimmt noch öfter zitiert werden)