Thema: oh happy day.
25. November 12 | Autor: mayhem | 0 Kommentare | Kommentieren
You will find me on the edge of my
own decay..
Ich will an Weihnachten nicht da sein.
Und ich werde an Weihnachten nicht da sein.
Während die Vatersfreundin tobt und Papa Mayhem immerhin eine Reaktion zeigt, indem er ihrem markerschütternden Geschrei zustimmt und dann weiter in der Werkstatt rumschraubt, ich mich auf meinem Bett zusammenrolle und versuche, weiterzuleben und der Elektriker dumme Sprüche raushaut, sage ich es mir immer wieder. Du musst Weihnachten nicht da sein und du wirst Weihnachten nicht da sein.
Für den Tag mit dem Teil der Quasi-Geschwister, der noch was mit seiner Mutter alias der Vatersfreundin zu tun haben will, habe ich schon vorgestern abgesagt, ich kann das nicht.
Und jetzt das hier. Geht auch nicht mehr.
Versuche, mich etwas zu strecken, merke aber, dass dann das Verlorenheitsgefühl größer wird und verzichte somit darauf.
Stattdessen zusammengerollt bleiben, einfach weiteratmen.
Am Fenster mit meinem provisorischen Minivorhang, der den richtigen, den die Vatersfreundin vor ein paar Wochen "zum Waschen" einfach geholt, aber nie wieder zurückgebracht hat, nur sehr schlecht ersetzt, stehen die Vatersfreundin und der Elektriker, ganz nah dran, bestimmt hinterlassen sie Atemtrübungen, und sie raucht und schimpft und deutet und sagt, da schau, das faule Stück, liegt nur im Bett.
Ich rolle mich weiter zusammen und stelle mir vor, in der Kleinstadt zu sein.
Auf dem Sofa zu liegen, beim Raucher, oder im Arm des Rauchers, der das alles nicht versteht und jedes Mal wieder sagt, das geht noch nicht. Die können dich doch nicht so behandeln.
Können sie aber.
Und als die Vatersfreundin endlich vom Fenster weggeht, füttere ich Kater Mayhem und verspreche ihm, über Nacht wieder da zu sein, packe das Notwendigste ein, setze mich ins Mayhemmobil und fahre in die Kleinstadt.
Ich kann mich von einem Zwischenstop im Supermarkt überzeugen; wenn ich schon ungeplant vor der Tür Ms Golightlys oder des Rauchers stehen werde, will ich wenigstens Bier oder eine Flasche Wein und Ausgangsmaterial für ein Abendessen mitbringen, zur Entschädigung.
Als ich bei den Zeitschriften ankomme, hat sich auch mein Inneres wieder halbwegs ausbalanciert und meine Angst wegen den möglichen Folgen meiner Spontanflucht führt, zusammen mit dem Eindruck, irgendwie aufdringlich zu sein, zu einem derart unguten Gefühl, dass ich die Sachen zurücktragen und wieder heimfahren will. Keinesfalls aufdringlich sein.
Mache ich auch soweit, alles zurücktragen und wieder rausgehen, aber neben meinem Mayhemmobil steht inzwischen nicht mehr nur eine Bundeswehrkarre auf der rechten Seite , sondern auch das metallic-blaue, beinahe 180 Grad zu schief eingeparkte Auto des Musikers, auch erkennbar an den überdimensionierten Plüschwürfeln, die am Innenspiegel hängen, auf der linken, und beide zusammen haben mich, in Kombination mit der Mauer, die vor mir in die Landschaft geworfen wurde, nach allen Regeln der Kunst eingekesselt und zugeparkt, ich habe keine Ahnung, wie ich in mein Mayhemmobil kommen soll, solange niemand wegfährt.
Also warte ich und versuche dabei, mich wieder ein bisschen zu stabilisieren. Land gewinnen, ich will nicht in mir selbst ertrinken, oder in der großen Welt draußen.
Ich bin doch Nichtschwimmer.
Und ich will mir sagen, irgendwann, da wird alles gut. Geht aber nicht, macht alles nur schlimmer und ich will anfangen zu weinen und fühle mich ausgesetzt wie ein Marienkäfer auf der Überholspur der Autobahn.
Aber ich bin es ja, die alles kaputt macht.
Nicht die Vatersfreundin, auf keinen Fall. Alles meine Schuld, sagt sie.
Dass sie angeblich genauso kaputt sei wie meine Mutter, und dass ich daran Schuld wäre. Bei ihr und bei meiner Mutter.
Sagt sie und tut so, als trüge sie das Leid der Welt auf ihren Schultern und mich noch dazu.
Als würde es mir nichts ausmachen.Unverwundbar, unsensibel, ignorant. Wie ich es eben bin.
Als der Musiker und der Raucher den Supermarkt verlassen, bin ich nahe am Untergehen und, was meine Fahrtüchtigkeit betrifft, deswegen vermutlich jenseits von Gut und Böse.
Selbst der Musiker merkt es, obwohl ich nicht mehr als Hallo gesagt habe, lädt seinen Kram alleine ein und sagt, er würde dann später mit dem Bier und dem Fresskram vorbeikommen und mir den Raucher jetzt erstmal da lassen . Ob er uns zu dessen Wohnung fahren solle.
"Passt schon, so weit ist das ja nicht, werde ich schon schaffen. Aber danke."
-"Kein Ding, kein Ding!" Er steigt in sein Auto, schmettert meine Entschuldigungs- undAusreden Erklärungsversuche ab, sagt, das ist schon ok so, und dass er es als eine entsprechende Entschädigung ansieht, wenn wir heute Abend mit ihm ins Kino gehen und einer von uns fährt.
In Gedanken bin ich wieder bei der Bitchparty und dem Moment, in dem er gesagt hat, wir seien die drei Musketiere.
Vielleicht ist das gerade der "einer für alle"-Moment, denke ich mir und rutsche wieder ein Stück weiter ab in Richtung weinen.
Der Raucher vor mir sieht mich so undefinierbar an, dann nimmt er mich wortlos in den Arm, endlos lange, Weltstillstand.
"Du musst da weg." Er hält mich weiter fest, irgendein Kind schreit, weil es kein Spongebob-Überraschungsei bekommen hat und vielleicht sind da irgendwo Leute, die verständnislos schauen, aber das ist jetzt egal, und ich versuche wieder, mich zu beruhigen, irgendwie die Balance zu finden und die Fassung nicht völlig zu verlieren, während er es wieder sagt, und noch ein drittes und viertes Mal. "Du musst da weg."
Dann drückt er mich nochmal und fragt, ob ich mit zu ihm möchte, und ich antworte wahrheitsgemäß, eigentlich hatte ich das vor, aber ich kann doch nicht einfach so auftauchen, deshalb habe ich kehrt gemacht und gewartet, bis ich irgendwie ausparken kann, um wieder heim zu fahren.
Und er antwortet, ich würde heute nirgends hinfahren, außer jetzt mit zu ihm; zu "der Psychopathin" würde er mich jedenfalls nicht wieder einfach so lassen.
Dass es in Ordnung ist, und ich mich nicht aufdränge, und ich fast jederzeit vorbeikommen könne.
Ohne zu fragen, was passiert ist, und ohne auch nur eine Sekunde zu zögern.
In der Raucherwohnung riecht es nach Bratenfleisch, Nudeln und Soße, seine Mutter war zwischendurch hier und hat mehrere Behälter voll Essen dagelassen, darunter auch einen etwas kleineren, in dem nur Nudeln und Soße schwimmen. "Für mayhem" steht auf dem Haftnotizzettel, der am nicht ganz geschlossenen Deckel klebt, und kurze Zeit später folgt in einem Telefonat unter anderem der Hinweis, dass der Raucher endlich lernen solle, selbstständig zu kochen, damit nicht immer ich das Kommando übernehmen und mir selbst so grundlegende Dinge wie Gewürze oder einen normal großen Kochtopf von seinen Eltern borgen müsse, wenn es was anderes als Fertigfutter geben soll.
"Und wehe, du isst ihr die Nudeln weg, ich habe extra mehr gekocht. Das Mädchen braucht was Vernünftiges zu essen, sonst fällt sie uns noch vom Fleisch!"
Die Rauchermutter schreit jedes Mal so laut ins Telefon, dass man sie auch dann noch hört, wenn man nur nebendran sitzt und gedankenleer die Decke anstarrt, während der Raucherhund fröhlich vor sich hin sabbert und dabei nur knapp neben meinen Füßen auf den Boden tropft.
-"Ja,Mama..."
"Und frag sie mal, ob es ihr gesundheitlich gut geht. Ist ja ganz blass, das arme Mädchen. Wobei, Vegetarierin ist sie ja auch, hast du gesagt. Wird wohl daran liegen.
Oder Stress, Abitur macht sie ja gerade, hast du gesagt."
-"Ja,Mama..."
"Frag sie mal, was sie hat, und ob sie Schüsslersalze dagegen nimmt, wenn nicht kann ich ihr sagen,welche sie braucht."
-"Ja, Mama..."
"Kann man ja nicht mit ansehen, das arme Mädchen.
Dass ihre Eltern da nichts sagen..."
Ich fühle mich gleich noch ein Stück schlechter im Angesicht so viel mütterlich-resoluter Fremdfürsorge und bitte den Raucher, seiner Mutter ein Danke auszurichten.
"Ach, die is immer so, das is schon ok.
Und du brauchst kein schlechtes Gewissen haben, wenn sich zur Abwechslung mal wer um dich kümmert und dich nich alleine in der Scheiße lässt."
Bitte lass mich nicht allein.
Um 19Uhr fahren wir los und sammeln den Musiker ein, um 20.15 Uhr sitze ich neben dem Raucher im Kino, warte darauf, den zweiten 3D-Film meines Lebens zu sehen und stelle fest, dass Werbung auch dann nicht besser wird, wenn man sie in dieses Format packt und einem die Hightech-Zahnbürste (oder die Brüste der weiblichen Hauptdarstellerin des Werbefilmchens) förmlich entgegen springen.
"Gib mal bitte mein Zeug rüber."
Der Musiker, der auf der anderen Seite des Rauchers sitzt, hat kurz vor Abfahrt noch eine Tüte Gummibärchen und eine Tafel Schokolade in meine Tasche geworfen, um nicht auf die völlig überteuerten Kinosüßigkeiten angewiesen zu sein, und strahlt wie ein Kind an Weihnachten, als er sie in der Hand hält und mit Kinobier runterspülen will.
"Die müssten Taschenkontrollen einführen", findet der Raucher, "allein schon, damit niemand sowas bringt. Schokolade und Hefeweizen, da wird mir schon schlecht, wenn ich zuschau."
-"Brauchst ja nicht hingucken. Banause."
Irgendwo zwischen Gemetzel Nummer fünf und sieben vergrabe ich meinen Kopf an der Schulter des Rauchers.Sicherheit suchen, Vertrautes riechen, von der Welt abschotten. Unendliche Müdigkeit.
Irgendwann wird alles gut. Sage ich mir, nur halb überzeugt, und sagt mir der Raucher, der fest daran glaubt, und als wir wieder im Auto sitzen, und mir die Nachbarin per SMS versichert hat, dass ihr Vater noch wach und in einer halbwegs wutbefreiten Phase ist, leihe ich mir das Raucherhandy, weil seine Flatrate auch fürs Festnetz gilt, und rufe an, entschuldige mich dafür, dass es so lange gedauert hat, bilde mir ein, die Vermieterin ein "Mach es nicht, mach es bloß nicht" im Hintergrund zischen zu hören, schaffe es aber schließlich, eine positive Antwort aus ihrem Mann herauszukitzeln und einen Termin fürs abschließende Gespräch zu bekommen.
Für einen kurzen Moment herrscht Stille , dann umarmen mich der Raucher und, so gut es von der Rücksitzbank aus eben geht, der Musiker so fest, dass mir einen Moment die Luft wegbleibt, und irgendwo aus dem Untiefen meiner dämonischen Seele kommt ein mädchenhaft-meerschweinartiges Quietschen und ich sage, was die Vermieterin gesagt hat, und dass ich die dumme Kuh wegdiskutiert habe, und freue mich so lange, bis ich das Handy wieder an den Raucher zurückgeben will.
Dann stelle ich fest, dass der Touchscreen wieder nicht wollte, wie er sollte, und ich noch nicht aufgelegt habe.
Hups.
Eventuell also dann ein etwas unentspannteres Gespräch mit Tendenz zum ultimativen Showdown, sollte ich mich wirklich verhört haben.
Montag, 20.15 Uhr, weil der Vermieter vorher die Tagesschau sehen will. Primetime.
Eventuell ist da Angst.
Aber vielleicht muss das so.
--------------
Zitat aus Edge of Decay von Thoughts Paint The Sky
own decay..
Ich will an Weihnachten nicht da sein.
Und ich werde an Weihnachten nicht da sein.
Während die Vatersfreundin tobt und Papa Mayhem immerhin eine Reaktion zeigt, indem er ihrem markerschütternden Geschrei zustimmt und dann weiter in der Werkstatt rumschraubt, ich mich auf meinem Bett zusammenrolle und versuche, weiterzuleben und der Elektriker dumme Sprüche raushaut, sage ich es mir immer wieder. Du musst Weihnachten nicht da sein und du wirst Weihnachten nicht da sein.
Für den Tag mit dem Teil der Quasi-Geschwister, der noch was mit seiner Mutter alias der Vatersfreundin zu tun haben will, habe ich schon vorgestern abgesagt, ich kann das nicht.
Und jetzt das hier. Geht auch nicht mehr.
Versuche, mich etwas zu strecken, merke aber, dass dann das Verlorenheitsgefühl größer wird und verzichte somit darauf.
Stattdessen zusammengerollt bleiben, einfach weiteratmen.
Am Fenster mit meinem provisorischen Minivorhang, der den richtigen, den die Vatersfreundin vor ein paar Wochen "zum Waschen" einfach geholt, aber nie wieder zurückgebracht hat, nur sehr schlecht ersetzt, stehen die Vatersfreundin und der Elektriker, ganz nah dran, bestimmt hinterlassen sie Atemtrübungen, und sie raucht und schimpft und deutet und sagt, da schau, das faule Stück, liegt nur im Bett.
Ich rolle mich weiter zusammen und stelle mir vor, in der Kleinstadt zu sein.
Auf dem Sofa zu liegen, beim Raucher, oder im Arm des Rauchers, der das alles nicht versteht und jedes Mal wieder sagt, das geht noch nicht. Die können dich doch nicht so behandeln.
Können sie aber.
Und als die Vatersfreundin endlich vom Fenster weggeht, füttere ich Kater Mayhem und verspreche ihm, über Nacht wieder da zu sein, packe das Notwendigste ein, setze mich ins Mayhemmobil und fahre in die Kleinstadt.
Ich kann mich von einem Zwischenstop im Supermarkt überzeugen; wenn ich schon ungeplant vor der Tür Ms Golightlys oder des Rauchers stehen werde, will ich wenigstens Bier oder eine Flasche Wein und Ausgangsmaterial für ein Abendessen mitbringen, zur Entschädigung.
Als ich bei den Zeitschriften ankomme, hat sich auch mein Inneres wieder halbwegs ausbalanciert und meine Angst wegen den möglichen Folgen meiner Spontanflucht führt, zusammen mit dem Eindruck, irgendwie aufdringlich zu sein, zu einem derart unguten Gefühl, dass ich die Sachen zurücktragen und wieder heimfahren will. Keinesfalls aufdringlich sein.
Mache ich auch soweit, alles zurücktragen und wieder rausgehen, aber neben meinem Mayhemmobil steht inzwischen nicht mehr nur eine Bundeswehrkarre auf der rechten Seite , sondern auch das metallic-blaue, beinahe 180 Grad zu schief eingeparkte Auto des Musikers, auch erkennbar an den überdimensionierten Plüschwürfeln, die am Innenspiegel hängen, auf der linken, und beide zusammen haben mich, in Kombination mit der Mauer, die vor mir in die Landschaft geworfen wurde, nach allen Regeln der Kunst eingekesselt und zugeparkt, ich habe keine Ahnung, wie ich in mein Mayhemmobil kommen soll, solange niemand wegfährt.
Also warte ich und versuche dabei, mich wieder ein bisschen zu stabilisieren. Land gewinnen, ich will nicht in mir selbst ertrinken, oder in der großen Welt draußen.
Ich bin doch Nichtschwimmer.
Und ich will mir sagen, irgendwann, da wird alles gut. Geht aber nicht, macht alles nur schlimmer und ich will anfangen zu weinen und fühle mich ausgesetzt wie ein Marienkäfer auf der Überholspur der Autobahn.
Aber ich bin es ja, die alles kaputt macht.
Nicht die Vatersfreundin, auf keinen Fall. Alles meine Schuld, sagt sie.
Dass sie angeblich genauso kaputt sei wie meine Mutter, und dass ich daran Schuld wäre. Bei ihr und bei meiner Mutter.
Sagt sie und tut so, als trüge sie das Leid der Welt auf ihren Schultern und mich noch dazu.
Als würde es mir nichts ausmachen.Unverwundbar, unsensibel, ignorant. Wie ich es eben bin.
Als der Musiker und der Raucher den Supermarkt verlassen, bin ich nahe am Untergehen und, was meine Fahrtüchtigkeit betrifft, deswegen vermutlich jenseits von Gut und Böse.
Selbst der Musiker merkt es, obwohl ich nicht mehr als Hallo gesagt habe, lädt seinen Kram alleine ein und sagt, er würde dann später mit dem Bier und dem Fresskram vorbeikommen und mir den Raucher jetzt erstmal da lassen . Ob er uns zu dessen Wohnung fahren solle.
"Passt schon, so weit ist das ja nicht, werde ich schon schaffen. Aber danke."
-"Kein Ding, kein Ding!" Er steigt in sein Auto, schmettert meine Entschuldigungs- und
In Gedanken bin ich wieder bei der Bitchparty und dem Moment, in dem er gesagt hat, wir seien die drei Musketiere.
Vielleicht ist das gerade der "einer für alle"-Moment, denke ich mir und rutsche wieder ein Stück weiter ab in Richtung weinen.
Der Raucher vor mir sieht mich so undefinierbar an, dann nimmt er mich wortlos in den Arm, endlos lange, Weltstillstand.
"Du musst da weg." Er hält mich weiter fest, irgendein Kind schreit, weil es kein Spongebob-Überraschungsei bekommen hat und vielleicht sind da irgendwo Leute, die verständnislos schauen, aber das ist jetzt egal, und ich versuche wieder, mich zu beruhigen, irgendwie die Balance zu finden und die Fassung nicht völlig zu verlieren, während er es wieder sagt, und noch ein drittes und viertes Mal. "Du musst da weg."
Dann drückt er mich nochmal und fragt, ob ich mit zu ihm möchte, und ich antworte wahrheitsgemäß, eigentlich hatte ich das vor, aber ich kann doch nicht einfach so auftauchen, deshalb habe ich kehrt gemacht und gewartet, bis ich irgendwie ausparken kann, um wieder heim zu fahren.
Und er antwortet, ich würde heute nirgends hinfahren, außer jetzt mit zu ihm; zu "der Psychopathin" würde er mich jedenfalls nicht wieder einfach so lassen.
Dass es in Ordnung ist, und ich mich nicht aufdränge, und ich fast jederzeit vorbeikommen könne.
Ohne zu fragen, was passiert ist, und ohne auch nur eine Sekunde zu zögern.
In der Raucherwohnung riecht es nach Bratenfleisch, Nudeln und Soße, seine Mutter war zwischendurch hier und hat mehrere Behälter voll Essen dagelassen, darunter auch einen etwas kleineren, in dem nur Nudeln und Soße schwimmen. "Für mayhem" steht auf dem Haftnotizzettel, der am nicht ganz geschlossenen Deckel klebt, und kurze Zeit später folgt in einem Telefonat unter anderem der Hinweis, dass der Raucher endlich lernen solle, selbstständig zu kochen, damit nicht immer ich das Kommando übernehmen und mir selbst so grundlegende Dinge wie Gewürze oder einen normal großen Kochtopf von seinen Eltern borgen müsse, wenn es was anderes als Fertigfutter geben soll.
"Und wehe, du isst ihr die Nudeln weg, ich habe extra mehr gekocht. Das Mädchen braucht was Vernünftiges zu essen, sonst fällt sie uns noch vom Fleisch!"
Die Rauchermutter schreit jedes Mal so laut ins Telefon, dass man sie auch dann noch hört, wenn man nur nebendran sitzt und gedankenleer die Decke anstarrt, während der Raucherhund fröhlich vor sich hin sabbert und dabei nur knapp neben meinen Füßen auf den Boden tropft.
-"Ja,Mama..."
"Und frag sie mal, ob es ihr gesundheitlich gut geht. Ist ja ganz blass, das arme Mädchen. Wobei, Vegetarierin ist sie ja auch, hast du gesagt. Wird wohl daran liegen.
Oder Stress, Abitur macht sie ja gerade, hast du gesagt."
-"Ja,Mama..."
"Frag sie mal, was sie hat, und ob sie Schüsslersalze dagegen nimmt, wenn nicht kann ich ihr sagen,welche sie braucht."
-"Ja, Mama..."
"Kann man ja nicht mit ansehen, das arme Mädchen.
Dass ihre Eltern da nichts sagen..."
Ich fühle mich gleich noch ein Stück schlechter im Angesicht so viel mütterlich-resoluter Fremdfürsorge und bitte den Raucher, seiner Mutter ein Danke auszurichten.
"Ach, die is immer so, das is schon ok.
Und du brauchst kein schlechtes Gewissen haben, wenn sich zur Abwechslung mal wer um dich kümmert und dich nich alleine in der Scheiße lässt."
Bitte lass mich nicht allein.
Um 19Uhr fahren wir los und sammeln den Musiker ein, um 20.15 Uhr sitze ich neben dem Raucher im Kino, warte darauf, den zweiten 3D-Film meines Lebens zu sehen und stelle fest, dass Werbung auch dann nicht besser wird, wenn man sie in dieses Format packt und einem die Hightech-Zahnbürste (oder die Brüste der weiblichen Hauptdarstellerin des Werbefilmchens) förmlich entgegen springen.
"Gib mal bitte mein Zeug rüber."
Der Musiker, der auf der anderen Seite des Rauchers sitzt, hat kurz vor Abfahrt noch eine Tüte Gummibärchen und eine Tafel Schokolade in meine Tasche geworfen, um nicht auf die völlig überteuerten Kinosüßigkeiten angewiesen zu sein, und strahlt wie ein Kind an Weihnachten, als er sie in der Hand hält und mit Kinobier runterspülen will.
"Die müssten Taschenkontrollen einführen", findet der Raucher, "allein schon, damit niemand sowas bringt. Schokolade und Hefeweizen, da wird mir schon schlecht, wenn ich zuschau."
-"Brauchst ja nicht hingucken. Banause."
Irgendwo zwischen Gemetzel Nummer fünf und sieben vergrabe ich meinen Kopf an der Schulter des Rauchers.Sicherheit suchen, Vertrautes riechen, von der Welt abschotten. Unendliche Müdigkeit.
Irgendwann wird alles gut. Sage ich mir, nur halb überzeugt, und sagt mir der Raucher, der fest daran glaubt, und als wir wieder im Auto sitzen, und mir die Nachbarin per SMS versichert hat, dass ihr Vater noch wach und in einer halbwegs wutbefreiten Phase ist, leihe ich mir das Raucherhandy, weil seine Flatrate auch fürs Festnetz gilt, und rufe an, entschuldige mich dafür, dass es so lange gedauert hat, bilde mir ein, die Vermieterin ein "Mach es nicht, mach es bloß nicht" im Hintergrund zischen zu hören, schaffe es aber schließlich, eine positive Antwort aus ihrem Mann herauszukitzeln und einen Termin fürs abschließende Gespräch zu bekommen.
Für einen kurzen Moment herrscht Stille , dann umarmen mich der Raucher und, so gut es von der Rücksitzbank aus eben geht, der Musiker so fest, dass mir einen Moment die Luft wegbleibt, und irgendwo aus dem Untiefen meiner dämonischen Seele kommt ein mädchenhaft-meerschweinartiges Quietschen und ich sage, was die Vermieterin gesagt hat, und dass ich die dumme Kuh wegdiskutiert habe, und freue mich so lange, bis ich das Handy wieder an den Raucher zurückgeben will.
Dann stelle ich fest, dass der Touchscreen wieder nicht wollte, wie er sollte, und ich noch nicht aufgelegt habe.
Hups.
Eventuell also dann ein etwas unentspannteres Gespräch mit Tendenz zum ultimativen Showdown, sollte ich mich wirklich verhört haben.
Montag, 20.15 Uhr, weil der Vermieter vorher die Tagesschau sehen will. Primetime.
Eventuell ist da Angst.
Aber vielleicht muss das so.
--------------
Zitat aus Edge of Decay von Thoughts Paint The Sky
Thema: gefunden.
22. November 12 | Autor: mayhem | 0 Kommentare | Kommentieren
"Was bist du?
Elend bin ich.
Zwei Brettchen gegen die Schläfen geschraubt habe ich."
(Franz Kafka, Tagebücher, 4. Juli 1916)
Elend bin ich.
Zwei Brettchen gegen die Schläfen geschraubt habe ich."
(Franz Kafka, Tagebücher, 4. Juli 1916)
Thema: gefunden.
19. November 12 | Autor: mayhem | 0 Kommentare | Kommentieren
"No more tears
stand up to your fears."
Thema: monolog
Und dann kommt der Raucher zurück und hat Esmeralda im Schlepptau, die sich sogar die Mühe macht, ihre Schuhe auf der Fußmatte abzustellen und mich grüßt, und hinter ihr folgt Mr. Gaunt, der sich ducken muss, um nicht mit dem Kopf am Tührrahmen anzustoßen, seine Flasche Schnaps nicht selbst leert, sondern originalverschlossen dem inzwischen nur noch dümmlich grinsenden Raucherbruder in die Hand drückt und sich anschließend neben dem Mischpultmann, der sich förmlich auf den Sitzplatz an meiner Seite geworfen hatte und auf dessen Schoß noch immer der kichernde Musiker sitzt, aufs Sofa fallen lässt.
Feststellung des Abends: Mr. Gaunt ist potenzieller Auslöser des Machete-Syndroms. Eigentlich ist der Gute ein Stückchen zu alt, optisch nicht gerade das, was die meisten Leute als "ansprechend" bezeichnen würden und zudem mit diversen obskuren Tätowierungen verziert,aber aufgrund nicht näher nachvollziehbarer Umstände augenscheinlich die Inkarnation aller Begierden.
Ganz so schlimm ist es bei mir dann dochnoch nicht, allerdings gehöre ich auch zu den geschätzt fünf Prozent der weiblichen Kleinstadtbewohner unter 60, die beim Anblick des oberkörperfreien und arbeitsverschwitzten Rauchers nicht sofort jegliches rationales Denken abschalten.
"Mädels, das is mein Platz. Aufstehn!" Eigentlich will sich der Raucher seinen Platz neben mir zurückerobern,aber der Mischpultmann macht keine Anstalten, sich und den mittlerweile mal wieder von der angeblichen Schönheit der französischen Sprache schwärmenden Musiker auf einen der unbequemen Klappstühle zu befördern. So einen könne sich doch der Raucher nehmen , meint der Mischpultmann, und vermutet ganz selbstbewusst, ich hätte bestimmt keine Probleme damit, neben ihm zu sitzen und den restlichen Abend lang sein blödes Gerede zu ertragen.
"Doch." Das allgemeine Verlorensein und die Aggression, die der Mischpultmann auslöst, sorgen für eine relativ klare Ansage.
Legolas und Esmeralda grinsen, die Raucherschwester macht sich ein weiteres Bier auf und gibt mir ein Daumen hoch, der Vater aller KBMs und seine Klone schütteln den Kopf und beginnen mutmaßlich, über mich zu lästern.
Aber da ist wieder ein bisschen Selbstsicherheit, immerhin, und als der Raucher einen weiteren Stuhl holen will, ihn vor lauter Rückenschmerzen aber beinahe sofort wieder fallen lässt, stehe ich auf und helfe ihm, und weil ich eigentlich sowieso nur meine Ruhe haben will, nehme ich mir auch einen und wir tun das, was wir am Besten können: Uns in eine Ecke setzen und Gitarre spielen. Eigentlich hört sich das, was ich auf Keyboards und Klavieren produziere, besser an als spontane Gitarrenvergewaltigung am frühen Morgen, aber das Saiteninstrument erschien mir eindeutig transportfähiger und zumindest ein bisschen resistenter gegen eventuelle Bierfontänen.
Und wir sitzen da und spielen, die meisten Paare bleiben verschwunden und auch der Raucherbruder kommt nicht wieder, dafür kehrt ein wenig Sicherheitsgefühl zu mir zurück; die Angst wird langsam weniger und ich fühle mich nicht mehr ganz so verloren. Die Welt kommt wieder ein bisschen ins Gleichgewicht, und irgendwann ist da Mr.Gaunt, der kurzerhand den Bass des Pinguins, der direkt von einem Auftritt hergefahren war, an sich genommen hat und einfach so mitspielt, und es funktioniert, ohne jegliche Verständigung und ohne, dass er einmal den Blick vom Boden hebt, um zu sehen, was er spielt oder was wir spielen.
Wir sind irgendwo zwischen Nirvana, Bob Dylan und konzerntrierter Melancholie mit Tendenz zu Letzerem, die sich noch verstärkt und ins Verzweifelte übergeht, als am Schluss nur noch Mr.Gaunt und ich das Outro spielen.
Dann Stille, wir schauen uns an und wissen nicht, was jetzt, denn eigentlich ist alles gesagt, und so viel mehr, als man mit Worten hätte ausdrücken können...
Von Mr.Gaunts Coolness ist nichts mehr übrig, als er den Bass zur Seite stellt, aufsteht und seine Jacke holt.
Im Türrahmen bleibt er stehen, ich spüre seinen Blick, obwohl ich gerade mit dem Rücken zu ihm knie und meine Gitarre einpacke.
"Ich hab nichts dagegen, wenn wir das mal wiederholen, mayhem."
Innerlich irgendwas, das sich verdächtig wie völlig sinnfreie Schwärmerei anfühlt , und ich kann mir gerade noch das verblödete Grinsen verkneifen und ein halbwegs neutrales "Klar, gerne" rausquetschen, bevor ich mein Instrument auf der Rücksitzbank des Mayhemmobils querlege, vor lauter Seligkeit fast vergesse, wieder abzuschließen, beim Weg zurück ins Haus beinahe über den Raucherhund stolpere und seinen Besitzer so lange dämlich angrinse, bis dieser mich auf den Boden der Tatsachen zurückholt, indem er mich fragt, wann diese Wiederholung denn stattfinden würde.
"Keine Ahnung....ich denke mal, ich werd ihn schon mal wieder sehen, wenn nicht gibts ja auch noch das soziale Netzwerk meines Misstrauens, und für absolute Notfälle das Fratzenbuch."
-"Damit kommst du aber nicht weit, der is nicht im sozialen Netzwerk, und beim Fratzenbuch erst recht nicht. Haste nich nach seiner Nummer gefragt?"
"Nee, hab ich mich nicht getraut."
-"Wie sagste immer: Das is jetzt natürlich unpraktisch".
"Vermutlich hast du Recht."
Und da sitze ich, umzingelt von den übrig gebliebenen KBMs, dem Musiker, der nur noch manisch lacht und jeden umarmen will, und dem Mischpultmann, der mir erklärt, was für ein schlechter Mensch Mr. Gaunt doch ist, und komme mir wieder so verloren vor. Und doof. Und etwas naiv. Und wieder, so furchtbar verloren.
Ich weiß nicht, ob sie es sind, die normal sind, oder ob ich es bin. Oder ob es die da draußen sind, mit denen ich nur noch in Zweckgemeinschaften zu tun habe, weil ich mit ihnen noch weniger gemeinsam habe als mit denen, die mir am Wochenende begegnen.
Und wieso es immer die gescheiterten Existenzen sind, die mich anziehen und die sich um mich sammeln.
Ob meine Existenz nicht noch viel mehr gescheitert ist als ihre.
Oder ich mich nur reinsteigere.
Und es bleibt die Frage nach dem warum, und die Feststellung, dass doch eigentlich alles ganz anders sein sollte.
Feststellung des Abends: Mr. Gaunt ist potenzieller Auslöser des Machete-Syndroms. Eigentlich ist der Gute ein Stückchen zu alt, optisch nicht gerade das, was die meisten Leute als "ansprechend" bezeichnen würden und zudem mit diversen obskuren Tätowierungen verziert,aber aufgrund nicht näher nachvollziehbarer Umstände augenscheinlich die Inkarnation aller Begierden.
Ganz so schlimm ist es bei mir dann doch
"Mädels, das is mein Platz. Aufstehn!" Eigentlich will sich der Raucher seinen Platz neben mir zurückerobern,aber der Mischpultmann macht keine Anstalten, sich und den mittlerweile mal wieder von der angeblichen Schönheit der französischen Sprache schwärmenden Musiker auf einen der unbequemen Klappstühle zu befördern. So einen könne sich doch der Raucher nehmen , meint der Mischpultmann, und vermutet ganz selbstbewusst, ich hätte bestimmt keine Probleme damit, neben ihm zu sitzen
"Doch." Das allgemeine Verlorensein und die Aggression, die der Mischpultmann auslöst, sorgen für eine relativ klare Ansage.
Legolas und Esmeralda grinsen, die Raucherschwester macht sich ein weiteres Bier auf und gibt mir ein Daumen hoch, der Vater aller KBMs und seine Klone schütteln den Kopf und beginnen mutmaßlich, über mich zu lästern.
Aber da ist wieder ein bisschen Selbstsicherheit, immerhin, und als der Raucher einen weiteren Stuhl holen will, ihn vor lauter Rückenschmerzen aber beinahe sofort wieder fallen lässt, stehe ich auf und helfe ihm, und weil ich eigentlich sowieso nur meine Ruhe haben will, nehme ich mir auch einen und wir tun das, was wir am Besten können: Uns in eine Ecke setzen und Gitarre spielen. Eigentlich hört sich das, was ich auf Keyboards und Klavieren produziere, besser an als spontane Gitarrenvergewaltigung am frühen Morgen, aber das Saiteninstrument erschien mir eindeutig transportfähiger und zumindest ein bisschen resistenter gegen eventuelle Bierfontänen.
Und wir sitzen da und spielen, die meisten Paare bleiben verschwunden und auch der Raucherbruder kommt nicht wieder, dafür kehrt ein wenig Sicherheitsgefühl zu mir zurück; die Angst wird langsam weniger und ich fühle mich nicht mehr ganz so verloren. Die Welt kommt wieder ein bisschen ins Gleichgewicht, und irgendwann ist da Mr.Gaunt, der kurzerhand den Bass des Pinguins, der direkt von einem Auftritt hergefahren war, an sich genommen hat und einfach so mitspielt, und es funktioniert, ohne jegliche Verständigung und ohne, dass er einmal den Blick vom Boden hebt, um zu sehen, was er spielt oder was wir spielen.
Wir sind irgendwo zwischen Nirvana, Bob Dylan und konzerntrierter Melancholie mit Tendenz zu Letzerem, die sich noch verstärkt und ins Verzweifelte übergeht, als am Schluss nur noch Mr.Gaunt und ich das Outro spielen.
Dann Stille, wir schauen uns an und wissen nicht, was jetzt, denn eigentlich ist alles gesagt, und so viel mehr, als man mit Worten hätte ausdrücken können...
Von Mr.Gaunts Coolness ist nichts mehr übrig, als er den Bass zur Seite stellt, aufsteht und seine Jacke holt.
Im Türrahmen bleibt er stehen, ich spüre seinen Blick, obwohl ich gerade mit dem Rücken zu ihm knie und meine Gitarre einpacke.
"Ich hab nichts dagegen, wenn wir das mal wiederholen, mayhem."
Innerlich irgendwas, das sich verdächtig wie völlig sinnfreie Schwärmerei anfühlt , und ich kann mir gerade noch das verblödete Grinsen verkneifen und ein halbwegs neutrales "Klar, gerne" rausquetschen, bevor ich mein Instrument auf der Rücksitzbank des Mayhemmobils querlege, vor lauter Seligkeit fast vergesse, wieder abzuschließen, beim Weg zurück ins Haus beinahe über den Raucherhund stolpere und seinen Besitzer so lange dämlich angrinse, bis dieser mich auf den Boden der Tatsachen zurückholt, indem er mich fragt, wann diese Wiederholung denn stattfinden würde.
"Keine Ahnung....ich denke mal, ich werd ihn schon mal wieder sehen, wenn nicht gibts ja auch noch das soziale Netzwerk meines Misstrauens, und für absolute Notfälle das Fratzenbuch."
-"Damit kommst du aber nicht weit, der is nicht im sozialen Netzwerk, und beim Fratzenbuch erst recht nicht. Haste nich nach seiner Nummer gefragt?"
"Nee, hab ich mich nicht getraut."
-"Wie sagste immer: Das is jetzt natürlich unpraktisch".
"Vermutlich hast du Recht."
Und da sitze ich, umzingelt von den übrig gebliebenen KBMs, dem Musiker, der nur noch manisch lacht und jeden umarmen will, und dem Mischpultmann, der mir erklärt, was für ein schlechter Mensch Mr. Gaunt doch ist, und komme mir wieder so verloren vor. Und doof. Und etwas naiv. Und wieder, so furchtbar verloren.
Ich weiß nicht, ob sie es sind, die normal sind, oder ob ich es bin. Oder ob es die da draußen sind, mit denen ich nur noch in Zweckgemeinschaften zu tun habe, weil ich mit ihnen noch weniger gemeinsam habe als mit denen, die mir am Wochenende begegnen.
Und wieso es immer die gescheiterten Existenzen sind, die mich anziehen und die sich um mich sammeln.
Ob meine Existenz nicht noch viel mehr gescheitert ist als ihre.
Oder ich mich nur reinsteigere.
Und es bleibt die Frage nach dem warum, und die Feststellung, dass doch eigentlich alles ganz anders sein sollte.
Thema: monolog
12. November 12 | Autor: mayhem | 0 Kommentare | Kommentieren
Aber das Ding überlebt.
Und ich schlage mich nichtmal schlecht, so zwischen KBMs und der Sadistin, die meine Witze über die Reitpeitsche, die im Wohnzimmer des Rauchers an der Wand hängt, weil seine pferdesportbegeisterte Schwester sie bei ihrem Auszug vergessen hat, und ihre möglichen Verwendungszwecke ernst nimmt, allerdings mich für eine Lachnummer hält, weil ich ihrer Meinung nach zu "lasch" mit dem Raucher und der Peitsche umgehe, und die, wie die KBMs, der Meinung ist, dass alle Ausländer vertrieben oder "entsorgt" werden sollten, obwohl sie selbst Tschechin ist.
Neben mir die alte Sache plus Freundin, beide anfangs gesprächig wie immer, aber dann startet er tatsächlich einen ungelenken Unterhaltungsversuch, weil sich der Verband, mit dem man nach der Blutspende die Sauerstoffversorgung meines Unterarmes gefühlt komplett zum Erliegen gebracht hat, noch an meine Arm befindet, und wir schaffen es tatsächlich, zu reden, übers Blutspenden, und er erzählt,dass sie ihm beim letzten Mal einen Nerv durchgepiekst haben und das irgendwie unpraktisch ist, und ich sage, solche Idioten, und freue mich innerlich ein bisschen, weil er mit mir redet und ich, ewige Idiotin, natürlich wieder mal denke, hey, unsere Freundschaft ist vielleicht gar nicht völlig verloren.
Und der Rest schüttelt sich beim Gedanken daran, dass wir beide uns freiwillig Blut abzapfen lassen, aber als ich die Flasche Apfel-Blaubeerwein, die ich dafür als Gratisgeschenk bekommen habe, aus der Tasche ziehe, legt sich die allgemeine Abneigung etwas und der Wein ist leer, bevor ich auch nur einen Schluck probieren konnte.
Also der Griff zum Wasser, erneut Schock, Unverständnis und Abneigung in den Gesichtern der KBMs und der Sadistin, die mein ketzerisches Handeln kommentarlos beobachten und nicht gerade zu meinem Wohlbefinden beitragen,sodass es mir irgendwann zwischen Trinkspielrunde vier und sieben erwartungsgemäß zu viel wird und ichflüchte mich unter dem maroden Balkon auf die Terasse setze und ein paar Schritte in mich gehe. Einfach weiteratmen, dann wird das schon wieder.
Es wird nicht wieder, auch nicht, nachdem ich bis 350 gezählt habe, und auf einmal sitzt da Legolas im zweiten Klappstuhl und starrt mich wortlos an.
Dann: "Ich habe mir gedacht, ich frage dich lieber, ob alles in Ordnung bei dir ist, so, wie die da drinnen qualmen, kann einem sehr schnell schlecht werden, wenn man nicht daran gewöhnt ist."
-"Danke, aber mir gehts gut. Ich hab nur bisschen Luft gebraucht."
"Gedanken sortieren?"
-"Teilweise."
"Dachte ich mir; deshalb habe ich auch gewartet und dich nicht unterbrochen."
Schweigen, bis der KBM durch die Terassentür ein Stück Baguette nach uns wirft.
"Idiot", grummelt Legolas, hebt das Brot auf und starrt den KBM mit einem Blick an, der Grillkäse frittieren könnte.
-"Sei froh,dass er nicht mit einer vollen Schüssel nach uns geworfen hat..." Dem KBM ist alles zuzutrauen, und Chili con Carne hat zwar keine sehr ausgedehnte Flugbahn, dafür aber umso verheerendere Auswirkungen beim Zusammentreffen mit den meisten Kleidungsstoffen. Außer vielleicht Plastikplane.
-"Man wirft auch nicht mit Brot. Vor allem war das fast ein ganzes Baguette, und die Vegetarier haben sonst nichts zu essen außer Knabberzeug, weil mal wieder niemand daran gedacht hat, dass es auch Menschen gibt, die kein Fleisch essen..."
"Ich glaube, ich bin heute die Einzige. Und ein Viertel Baguette wird wohl reichen, nach der Blutspende bin ich sowieso immer total müde und hab keinen Hunger, trotzdem musste ich mir dort schon Essen reinzwingen."
-"Es geht ums Prinzip, sowas regt mich auf.Hauptsache, vier Kästen Bier, drei Flaschen Met, Captain und Wodka gebunkert, viel zu viel Essen da, und das nur mit Fleisch, und dann noch mit Brot werfen. Das übrige Chili wird morgen wahrscheinlich auch in der Biotonne landen...ich war ein Jahr in Indien, seitdem stören mich solche Dinge noch viel mehr.
Mr. Gaunt ist übrigens auch Vegetarier, soweit ich weiß."
Lange Haare: Check, Gitarrist: Check, erträgliche bis sehr gute Ausdrucksweise: Check, Nichtraucher: vermutlich ja, und die Sperrklausel: trinkt nicht zu viel: vorsichtiges Check, angetrunken ist er zwar, aber nicht total weg, und inzwischen ist er zu Wasser und Cola übergegangen.
"Wie heißt du doch gleich? mayhem, oder?"
-"Ja. Dass du Legolas bist, ist ja allgemein bekannt.."
" Richtig, der unendliche Ruhm meiner Band eilt mir voraus." Tatsächlich wechselt sein Standardgesichtsaudruck fast ins freundliche, für eine Sekunde.
Dann geht er wieder dazu über, grimmig-böse zu schauen und nach einer Schweigephase erhebt er sich und hält mir die Tür auf, weil ich mich seiner Meinung nach ganz furchtbar erkälten würde, wenn wir nicht bald wieder in die viel zu warme und verqualmte Wohnung zurückkehren würden.
Drinnen ist inzwischen noch weniger Platz, weil der Mischpultmann, der Schlagzeuger, der Musiker und der Pinguin vorbeigekommen sind, alles ist noch verrauchter, die Musik noch schlechter und der allgemeine Alkoholisierungsgrad erreicht zusammen mit meinem Fluchtreflex ungeahnte Ausmaße.
Als diverse Paare wahlweise verschwinden oder sich mit Kuschelbedürfnis aufeinanderstapeln und sich auch der Musiker kurzerhand auf den Schoß des Mischpultmannes wirft und dabei quietscht "Ich bin deine Prinzessin!", entsteht eine Lücke auf dem Sofa, die groß genug für mich und die Raucherschwester ist, die netterweise eine Unterhaltung mit mir beginnt, sich nicht von meinen in dem Moment nicht vorhandenen Gesprächsfähigkeiten abschrecken lässt, im Laufe des Abends als mein Rettungsanker entpuppt und mit 23 von Tablettenabhängigkeit, einem Trinkverhalten, das beinahe an das grenzt, das der Raucher früher an den Tag gelegt hat, diversen Schlägereien, einer Arbeit in der Superklinik, einem Aufenthalt in der Gruselklinik bis hin zum erfolgreichen Loswerden eines gewalttätigen Exfreundes mit stalkerhaften Neigungen bereits diverse große und kleine Weltuntergänge überstanden und dabei nicht größere Macken als ich davongetragen hat.
Ihr Trinkverhalten ist vermutlich trotzdem nicht ganz im normalen Bereich, aber an diesem Abend ist das eher die Regel als die Ausnahme, und sogar die alte Sache ist angeheitert und lässt mich alleine, während der Raucher eine Kippe nach der anderen raucht, dazu aber immerhin den Raum verlässt.
Als ob das bei den Nebelschwaden noch etwas bringen würde.
Fühle mich nicht nur alleine, sondern beinahe ausgesetzt, während die KBMs und die Sadistin verkünden, die "Zecken" sollten auch "alle vergast" werden, ebenso wie "andere Schwächlinge" und die Blicke dabei mehr als einmal in meine Richtung wandern, Legolas stimmt ihnen zu, setzt Ausländer auf die imaginäre Liste und ist somit für mich gestorben; dann wandelt es sich zum großen, bodenlosen Angstgefühl, zu dem es immer wird, wenn alles viel zu viel und Flucht nach Hause der einzige Ausweg ist, aber ich kann nicht einfach wegfahren, schließlich ist es die Geburtstagsfeier des Raucherbruders und davon abgesehen muss ich in ein paar Stunden sowieso seriös sein.
Also falle ich tiefer in den Endlosschacht Angstzustand.
Und ich schlage mich nichtmal schlecht, so zwischen KBMs und der Sadistin, die meine Witze über die Reitpeitsche, die im Wohnzimmer des Rauchers an der Wand hängt, weil seine pferdesportbegeisterte Schwester sie bei ihrem Auszug vergessen hat, und ihre möglichen Verwendungszwecke ernst nimmt, allerdings mich für eine Lachnummer hält, weil ich ihrer Meinung nach zu "lasch" mit dem Raucher und der Peitsche umgehe, und die, wie die KBMs, der Meinung ist, dass alle Ausländer vertrieben oder "entsorgt" werden sollten, obwohl sie selbst Tschechin ist.
Neben mir die alte Sache plus Freundin, beide anfangs gesprächig wie immer, aber dann startet er tatsächlich einen ungelenken Unterhaltungsversuch, weil sich der Verband, mit dem man nach der Blutspende die Sauerstoffversorgung meines Unterarmes gefühlt komplett zum Erliegen gebracht hat, noch an meine Arm befindet, und wir schaffen es tatsächlich, zu reden, übers Blutspenden, und er erzählt,dass sie ihm beim letzten Mal einen Nerv durchgepiekst haben und das irgendwie unpraktisch ist, und ich sage, solche Idioten, und freue mich innerlich ein bisschen, weil er mit mir redet und ich, ewige Idiotin, natürlich wieder mal denke, hey, unsere Freundschaft ist vielleicht gar nicht völlig verloren.
Und der Rest schüttelt sich beim Gedanken daran, dass wir beide uns freiwillig Blut abzapfen lassen, aber als ich die Flasche Apfel-Blaubeerwein, die ich dafür als Gratisgeschenk bekommen habe, aus der Tasche ziehe, legt sich die allgemeine Abneigung etwas und der Wein ist leer, bevor ich auch nur einen Schluck probieren konnte.
Also der Griff zum Wasser, erneut Schock, Unverständnis und Abneigung in den Gesichtern der KBMs und der Sadistin, die mein ketzerisches Handeln kommentarlos beobachten und nicht gerade zu meinem Wohlbefinden beitragen,sodass es mir irgendwann zwischen Trinkspielrunde vier und sieben erwartungsgemäß zu viel wird und ich
Es wird nicht wieder, auch nicht, nachdem ich bis 350 gezählt habe, und auf einmal sitzt da Legolas im zweiten Klappstuhl und starrt mich wortlos an.
Dann: "Ich habe mir gedacht, ich frage dich lieber, ob alles in Ordnung bei dir ist, so, wie die da drinnen qualmen, kann einem sehr schnell schlecht werden, wenn man nicht daran gewöhnt ist."
-"Danke, aber mir gehts gut. Ich hab nur bisschen Luft gebraucht."
"Gedanken sortieren?"
-"Teilweise."
"Dachte ich mir; deshalb habe ich auch gewartet und dich nicht unterbrochen."
Schweigen, bis der KBM durch die Terassentür ein Stück Baguette nach uns wirft.
"Idiot", grummelt Legolas, hebt das Brot auf und starrt den KBM mit einem Blick an, der Grillkäse frittieren könnte.
-"Sei froh,dass er nicht mit einer vollen Schüssel nach uns geworfen hat..." Dem KBM ist alles zuzutrauen, und Chili con Carne hat zwar keine sehr ausgedehnte Flugbahn, dafür aber umso verheerendere Auswirkungen beim Zusammentreffen mit den meisten Kleidungsstoffen. Außer vielleicht Plastikplane.
-"Man wirft auch nicht mit Brot. Vor allem war das fast ein ganzes Baguette, und die Vegetarier haben sonst nichts zu essen außer Knabberzeug, weil mal wieder niemand daran gedacht hat, dass es auch Menschen gibt, die kein Fleisch essen..."
"Ich glaube, ich bin heute die Einzige. Und ein Viertel Baguette wird wohl reichen, nach der Blutspende bin ich sowieso immer total müde und hab keinen Hunger, trotzdem musste ich mir dort schon Essen reinzwingen."
-"Es geht ums Prinzip, sowas regt mich auf.Hauptsache, vier Kästen Bier, drei Flaschen Met, Captain und Wodka gebunkert, viel zu viel Essen da, und das nur mit Fleisch, und dann noch mit Brot werfen. Das übrige Chili wird morgen wahrscheinlich auch in der Biotonne landen...ich war ein Jahr in Indien, seitdem stören mich solche Dinge noch viel mehr.
Mr. Gaunt ist übrigens auch Vegetarier, soweit ich weiß."
Lange Haare: Check, Gitarrist: Check, erträgliche bis sehr gute Ausdrucksweise: Check, Nichtraucher: vermutlich ja, und die Sperrklausel: trinkt nicht zu viel: vorsichtiges Check, angetrunken ist er zwar, aber nicht total weg, und inzwischen ist er zu Wasser und Cola übergegangen.
"Wie heißt du doch gleich? mayhem, oder?"
-"Ja. Dass du Legolas bist, ist ja allgemein bekannt.."
" Richtig, der unendliche Ruhm meiner Band eilt mir voraus." Tatsächlich wechselt sein Standardgesichtsaudruck fast ins freundliche, für eine Sekunde.
Dann geht er wieder dazu über, grimmig-böse zu schauen und nach einer Schweigephase erhebt er sich und hält mir die Tür auf, weil ich mich seiner Meinung nach ganz furchtbar erkälten würde, wenn wir nicht bald wieder in die viel zu warme und verqualmte Wohnung zurückkehren würden.
Drinnen ist inzwischen noch weniger Platz, weil der Mischpultmann, der Schlagzeuger, der Musiker und der Pinguin vorbeigekommen sind, alles ist noch verrauchter, die Musik noch schlechter und der allgemeine Alkoholisierungsgrad erreicht zusammen mit meinem Fluchtreflex ungeahnte Ausmaße.
Als diverse Paare wahlweise verschwinden oder sich mit Kuschelbedürfnis aufeinanderstapeln und sich auch der Musiker kurzerhand auf den Schoß des Mischpultmannes wirft und dabei quietscht "Ich bin deine Prinzessin!", entsteht eine Lücke auf dem Sofa, die groß genug für mich und die Raucherschwester ist, die netterweise eine Unterhaltung mit mir beginnt, sich nicht von meinen in dem Moment nicht vorhandenen Gesprächsfähigkeiten abschrecken lässt, im Laufe des Abends als mein Rettungsanker entpuppt und mit 23 von Tablettenabhängigkeit, einem Trinkverhalten, das beinahe an das grenzt, das der Raucher früher an den Tag gelegt hat, diversen Schlägereien, einer Arbeit in der Superklinik, einem Aufenthalt in der Gruselklinik bis hin zum erfolgreichen Loswerden eines gewalttätigen Exfreundes mit stalkerhaften Neigungen bereits diverse große und kleine Weltuntergänge überstanden und dabei nicht größere Macken als ich davongetragen hat.
Ihr Trinkverhalten ist vermutlich trotzdem nicht ganz im normalen Bereich, aber an diesem Abend ist das eher die Regel als die Ausnahme, und sogar die alte Sache ist angeheitert und lässt mich alleine, während der Raucher eine Kippe nach der anderen raucht, dazu aber immerhin den Raum verlässt.
Als ob das bei den Nebelschwaden noch etwas bringen würde.
Fühle mich nicht nur alleine, sondern beinahe ausgesetzt, während die KBMs und die Sadistin verkünden, die "Zecken" sollten auch "alle vergast" werden, ebenso wie "andere Schwächlinge" und die Blicke dabei mehr als einmal in meine Richtung wandern, Legolas stimmt ihnen zu, setzt Ausländer auf die imaginäre Liste und ist somit für mich gestorben; dann wandelt es sich zum großen, bodenlosen Angstgefühl, zu dem es immer wird, wenn alles viel zu viel und Flucht nach Hause der einzige Ausweg ist, aber ich kann nicht einfach wegfahren, schließlich ist es die Geburtstagsfeier des Raucherbruders und davon abgesehen muss ich in ein paar Stunden sowieso seriös sein.
Also falle ich tiefer in den Endlosschacht Angstzustand.
Thema: monolog
12. November 12 | Autor: mayhem | 0 Kommentare | Kommentieren
Aber immerhin, noch lebe ich.
Und ich fahre endlos weit, nachts, durch Regen, auf der Autobahn, weil der Raucher sich so kaputt gemacht hat, dass er krankgeschrieben ist und nur noch Beifahrer sein darf, um anschließend nicht beim eigentlichen Ziel, sondern auf einem lokalen Metalfestival und vor einer Doom-Band zu landen, weil sein Handy uns in den falschen Gebäudekomplex gejagt hat und wir nach dem blauäugigen Erwerb einer Karte nicht mehr genug Geld und außerdem keine Ahnung haben, wo sich das eigentliche Ziel befindet.
Er verspricht mir, dass wir es noch schaffen, irgendwann, aber die Tourdaten sprechen eine andere Sprache, die letzte Chance ein Termin im Wahlexil, logischerweise folgt als erste Amtshandlung nach Erreichen des Mayhemmobils, das treu und brav auf dem "Kein Parkplatz!"-Parkplatz gewartet hat, gleich anspringt und mich mit einer tatsächlich warm werdenden Heizung überrascht, das Abschicken einer viel zu schnell getippten und vermutlich fehlerüberladenen sms dorthin, auch, wenn mein Klausurenplan mir das Verlassen des Hauses zu anderen Zwecken als dem Punktesammeln fürs Abi eigentlich strikt untersagt hat.
Notgedrungen fahre wieder ich zurück gen Kleinstadt, ein gutes Stück schneller als Richtgeschwindigkeit, aber das Mayhemmobil und ich, wir wissen,was wir tun und wenn es warmgefahren ist, lässt es mich nicht im Stich, deshalb überholen wir Audis und sogar einen BMW, damit wirnoch auf den letzten Drücker eine Flasche Wodka kaufen können, die, zusammen mit einer Tüte Gummibärchen, mein Geburtstagsgeschenk für den Raucherbruder wird,denn er hatte ausdrücklich "Getränke statt Geschenke" gefordert und bereits vier Kästen Bier eingekauft.
Eigentlich ist mir nicht nach Feiern, zum aktuell sowieso sehr präsenten Seelenschmerz gesellt sich noch der Frust über die navigationsbedingte Pleite in der Stadt und die Tatsache, dass ich auf der Geburtstagsfeier von zu vielen fremden Menschen mit zu brutalem Musikgeschmack und zu intolerant eingefärbter Einstellung umgeben sein werde und formt zusammen mit dem Rest einen riesigen Meteoriten, der sich mit viel Schwung und Elan auf mein sowieso schon ziemlich angekratztes (oder eher angematschtes) Herz wirft und es unter sich begräbt.
How wonderful.
(2/5)
Und ich fahre endlos weit, nachts, durch Regen, auf der Autobahn, weil der Raucher sich so kaputt gemacht hat, dass er krankgeschrieben ist und nur noch Beifahrer sein darf, um anschließend nicht beim eigentlichen Ziel, sondern auf einem lokalen Metalfestival und vor einer Doom-Band zu landen, weil sein Handy uns in den falschen Gebäudekomplex gejagt hat und wir nach dem blauäugigen Erwerb einer Karte nicht mehr genug Geld und außerdem keine Ahnung haben, wo sich das eigentliche Ziel befindet.
Er verspricht mir, dass wir es noch schaffen, irgendwann, aber die Tourdaten sprechen eine andere Sprache, die letzte Chance ein Termin im Wahlexil, logischerweise folgt als erste Amtshandlung nach Erreichen des Mayhemmobils, das treu und brav auf dem "Kein Parkplatz!"-Parkplatz gewartet hat, gleich anspringt und mich mit einer tatsächlich warm werdenden Heizung überrascht, das Abschicken einer viel zu schnell getippten und vermutlich fehlerüberladenen sms dorthin, auch, wenn mein Klausurenplan mir das Verlassen des Hauses zu anderen Zwecken als dem Punktesammeln fürs Abi eigentlich strikt untersagt hat.
Notgedrungen fahre wieder ich zurück gen Kleinstadt, ein gutes Stück schneller als Richtgeschwindigkeit, aber das Mayhemmobil und ich, wir wissen,was wir tun und wenn es warmgefahren ist, lässt es mich nicht im Stich, deshalb überholen wir Audis und sogar einen BMW, damit wirnoch auf den letzten Drücker eine Flasche Wodka kaufen können, die, zusammen mit einer Tüte Gummibärchen, mein Geburtstagsgeschenk für den Raucherbruder wird,denn er hatte ausdrücklich "Getränke statt Geschenke" gefordert und bereits vier Kästen Bier eingekauft.
Eigentlich ist mir nicht nach Feiern, zum aktuell sowieso sehr präsenten Seelenschmerz gesellt sich noch der Frust über die navigationsbedingte Pleite in der Stadt und die Tatsache, dass ich auf der Geburtstagsfeier von zu vielen fremden Menschen mit zu brutalem Musikgeschmack und zu intolerant eingefärbter Einstellung umgeben sein werde und formt zusammen mit dem Rest einen riesigen Meteoriten, der sich mit viel Schwung und Elan auf mein sowieso schon ziemlich angekratztes (oder eher angematschtes) Herz wirft und es unter sich begräbt.
How wonderful.
(2/5)
Thema: monolog
12. November 12 | Autor: mayhem | 0 Kommentare | Kommentieren
Aber es ist eben so, wie es ist.
Und wer entscheidet schon, was richtig ist oder falsch, vielleicht muss es ja so sein.
Mal wieder auf der Suche nach einem höheren Sinn in der ganzen Scheiße.
Die Raucherschwester sagt, das ist der falsche Ansatz.
Man mache sich nur unglücklich mit der Sinnsucherei.
Aufs Überleben konzentrieren, fertig, und wenns Scheiße läuft, muss man sich einen Weg da raus kämpfen.
Ich sage ihr, irgendwann, da kann man nicht mehr kämpfen; da bringt es nichts mehr und tut nur noch weh, da bleibt nichts mehr außer einfach weiteratmen, warten, dass es vorbeigeht und versuchen, nicht verloren zu gehen.
Und sie sagt, dass sie mir alles Gute wünscht; dass es irgendwann wieder zum kämpfen reicht, und dass es für mich wieder bergauf geht,auch, wenn sie nicht weiß, welche Probleme ich habe.
Sagt, ich hätte das verdient. Ein besseres Leben, all das.
Kaputte Menschen finden sich immer, auch,wenn sie sich durch die Qualmwolken eventuell nicht sofort sehen, und bevor sie von ihrem aktuellen Freund abgeholt wird, nimmt mich die Raucherschwester nochmal in den Arm, wünscht mir nochmal alles Gute, bis wir uns wieder sehen, und sagt, sie ist froh, dass ich damals nach der Bitchparty ins Wohnzimmer ihres Bruders abgeschoben worden bin.
"Sonst wärt ihr nie zusammen gekommen und wir hätten uns nie kennengelernt, und das wär total schade gewesen. Und wenn du irgendwann drüber reden willst, was bei dir los ist, kannst dus jederzeit, ich glaube nämlich, du hast auch schon einiges mitgemacht."
Sie hat das Talent ihres Bruders, manchmal ein bisschen unter die Oberfläche schauen zu können, anscheinend doch geerbt, und erst fünf Minuten später fällt mir ein, dass ich vergessen habe, ihr zu erklären, dass ich nicht mit ihm zusammen bin.
(5/5- Der Versuch, einen Mammuteintrag in mehrere,lesbare Teile zu zerlegen...)
Und wer entscheidet schon, was richtig ist oder falsch, vielleicht muss es ja so sein.
Mal wieder auf der Suche nach einem höheren Sinn in der ganzen Scheiße.
Die Raucherschwester sagt, das ist der falsche Ansatz.
Man mache sich nur unglücklich mit der Sinnsucherei.
Aufs Überleben konzentrieren, fertig, und wenns Scheiße läuft, muss man sich einen Weg da raus kämpfen.
Ich sage ihr, irgendwann, da kann man nicht mehr kämpfen; da bringt es nichts mehr und tut nur noch weh, da bleibt nichts mehr außer einfach weiteratmen, warten, dass es vorbeigeht und versuchen, nicht verloren zu gehen.
Und sie sagt, dass sie mir alles Gute wünscht; dass es irgendwann wieder zum kämpfen reicht, und dass es für mich wieder bergauf geht,auch, wenn sie nicht weiß, welche Probleme ich habe.
Sagt, ich hätte das verdient. Ein besseres Leben, all das.
Kaputte Menschen finden sich immer, auch,wenn sie sich durch die Qualmwolken eventuell nicht sofort sehen, und bevor sie von ihrem aktuellen Freund abgeholt wird, nimmt mich die Raucherschwester nochmal in den Arm, wünscht mir nochmal alles Gute, bis wir uns wieder sehen, und sagt, sie ist froh, dass ich damals nach der Bitchparty ins Wohnzimmer ihres Bruders abgeschoben worden bin.
"Sonst wärt ihr nie zusammen gekommen und wir hätten uns nie kennengelernt, und das wär total schade gewesen. Und wenn du irgendwann drüber reden willst, was bei dir los ist, kannst dus jederzeit, ich glaube nämlich, du hast auch schon einiges mitgemacht."
Sie hat das Talent ihres Bruders, manchmal ein bisschen unter die Oberfläche schauen zu können, anscheinend doch geerbt, und erst fünf Minuten später fällt mir ein, dass ich vergessen habe, ihr zu erklären, dass ich nicht mit ihm zusammen bin.
(5/5- Der Versuch, einen Mammuteintrag in mehrere,lesbare Teile zu zerlegen...)
